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Gericht schätzt Gribkowskys Weinkeller viel zu hoch ein

Weinkeller von Gerhard Gribkowsky
Weinkeller von Gerhard Gribkowsky
Für jene 50 Millionen Euro, die der Ex-Chef der BayernLB als Bestechungsgeld von Bernie Ecclestone angenommen hat, hätte sich Gerhard Gribkowsky wahrlich Besseres leisten können. Den Wert seines Kellers, der jetzt unter den Hammer kommt, schätzt das Gericht viel zu hoch ein. Gemerkt hat es fast niemand.

Für jene 50 Mil­lio­nen Euro, die der Ex-Chef der Bay­ernLB als Bestechungs­geld von Ber­nie Ecclestone ange­nom­men hat, hät­te sich Ger­hard Grib­kow­sky wahr­lich Bes­se­res leis­ten kön­nen. Den Wert sei­nes Kel­lers, der jetzt unter den Ham­mer kommt, schätzt das Gericht viel zu hoch ein. Gemerkt hat es fast nie­mand…

Gerhard Gribkowsky
Ger­hard Grib­kow­sky

Im Rah­men des Scha­dens­er­satz­pro­zes­ses der Baye­ri­schen Lan­des­bank gegen ihren ehe­ma­li­gen Vor­stands­chef Ger­hard Grib­kow­sky, 56, ist unter ande­rem der Grün­wal­der Wein­kel­ler des Mana­gers gepfän­det wor­den. Er ent­hält 892 Fla­schen, dar­un­ter eini­ge inter­na­tio­nal berühm­te Eti­ket­ten wie Châ­teau Calon-Ségur, Châ­teau Duhart-Milon sowie Wei­ne von Gaja, Antin­o­ri, Chapou­tier. Ein gro­ßer Teil der Samm­lung besteht jedoch aus bil­li­gen Bor­deaux und ande­ren Wald- und Wie­sen­wei­nen, für die es auf Auk­tio­nen nor­ma­ler­wei­se nur eine gerin­ge oder gar kei­ne Nach­fra­ge gibt. Die kom­plet­te Pfän­dungs­pro­to­koll ist auf www.justiz-auktion.de ein­zu­se­hen. Nach Recher­chen des Gerichts liegt der Wert des Wein­kel­lers bei 37.783,61 Euro. Das Start­ge­bot liegt bei 18.900 Euro.

Kein großer Weinkenner

Ein gro­ßer Wein­ken­ner scheint der rechts­kräf­tig zu acht­ein­halb Jah­ren ver­ur­teil­te und in Sta­del­heim ein­sit­zen­de Ban­ker (der­zeit aller­dings Frei­gän­ger) nicht gewe­sen zu sein. Sein Kel­ler ist, von ein paar Trou­vail­len abge­se­hen, ein Sam­mel­su­ri­um von mäßig bekann­ten und obsku­ren Wei­nen aus aller Her­ren Län­der. Wo sein Mana­ger­kol­le­ge Tho­mas Mid­del­hoff, der­zeit eben­falls zah­lungs­un­fä­hig, sich Che­val Blanc kis­ten­wei­se auf sei­ne Yacht in Saint Tro­pez hat lie­fern las­sen, begnüg­te sich Grib­kow­sky mit Petit Chab­lis oder Süd­ti­ro­ler Gewürz­tra­mi­ner.

Mehr gehortet als getrunken

Aller­dings weiß nie­mand genau, ob  und wie­viel Wein er regel­mä­ßig trank. Die rela­tiv gro­ße Zahl der Fla­schen, die sich in sei­nem Kel­ler im Mün­che­ner Vor­ort Grün­wald fand,  erklärt sich mög­li­cher­wei­se aus der Tat­sa­che, dass er mehr gehor­tet als kon­su­miert hat. Für ein „Bechern wie ein Ban­ker“, wie SPIEGEL Online einen Arti­kel über den Fall über­schrieb, gibt es jeden­falls kei­ne Anhalts­punk­te.

Mehr als 100 Prozent zu hoch geschätzt

Wein­kel­ler von Ger­hard Grib­kow­sky

Auch wird der Wert des Wein­kel­lers völ­lig über­schätzt. Die Taxen vie­ler Wei­ne sind um mehr als 100 Pro­zent zu hoch. Ein 1996er Duhart-Milon wird im Fach­han­del heu­te für 65 Euro ange­bo­ten. Das Gericht schätz­te ihn auf 150 Euro. Der Petit Chab­lis von Wil­liam Fèv­re kos­tet 10 Euro und nicht 55 Euro, wie das Gericht glaubt. Der 2004er La Tour Fige­ac wird für 24 Euro gehan­delt, nicht für 60 Euro.

Ver­schie­de­ne Jahr­gän­ge des chi­le­ni­schen Los Vascos  sind mal mit 10, mal 15, mal mit 60 Euro bewer­tet. Hawes­ko bie­tet den Wein unab­hän­gig vom Jahr­gang für 9,90 Euro an. Der gro­ße Jahr­gang 2010 des Châ­teau du Grand Moueys kos­tet aktu­ell 11 Euro. In der Lis­te der Mün­che­ner Ober­ge­richts­voll­zie­he­rin ist der klei­ne Jahr­gang 1997 mit 45 Euro aus­ge­preist.

Amarone für 40 Euro auf 87 Euro geschätzt

Und so geht es wei­ter: Der Preis des Chi­an­ti Clas­si­co von Fèl­si­na liegt um die 15 Euro, aber nicht bei 44 Euro. Der Schiop­pet­ti­no von Moschio­ni aus dem Fri­aul wird im Han­del für 44 Euro ange­bo­ten, aber nicht für 70 Euro. Der Markt­preis 1999er Ornel­l­a­ia liegt bei ca. 130 Euro, nicht bei 180 Euro. Und der Valpolicella-Produzent Zeni wäre über­glück­lich, wenn er für sei­nen Ama­ro­ne jene 87 Euro bekä­me, die der amt­li­che Wein­schät­zer fest­ge­setzt hat. Tat­säch­lich geht eine Fla­sche die­ses Weins für 40 Euro über den Tisch.

Nur das Handelsblatt ist aufmerksam

Logo BayernLB
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Bei jeweils 5, 11 oder 20 Fla­schen, die von den Wei­nen ange­bo­ten wer­den, sum­mie­ren sich die Dif­fe­ren­zen zwi­schen Markt- und Schätz­wert schnell auf Tausender-Beträge. Außer Jür­gen Röder, dem Wein­ko­lum­nis­ten des Han­dels­blatts, sind nie­man­dem die preis­li­chen Unge­reimt­hei­ten in der Lis­te auf­ge­fal­len. Focus, Süd­deut­sche Zei­tung, Spie­gel, Bör­sen­zei­tung – sie alle las­sen sich zwar süf­fi­sant über den exklu­si­ven Wein­vor­lie­ben des gefal­le­nen Formel-1-Gesellschafters aus. Dass sich in des­sen Kel­ler mehr Quan­ti­tät als Qua­li­tät befin­det, hat nie­mand bemerkt. Er ent­hal­te „nur ganz wenig Status-Weine“, kon­sta­tiert Handelsblatt-Mann Röder mit siche­rem Blick.

Erstes Gebot ist da!

Wer für die­sen Kel­ler auch nur 18.900 Euro aus­gibt (ange­bo­ten wird er als Kom­plett­pa­ket), muss nicht nur wein­ver­narrt, son­dern auch ver­rückt sein. Ange­sichts der vie­len Schlicht­wei­ne, der unde­fi­nier­ba­ren Qua­li­tä­ten, der über­la­ger­ten Fla­schen, die ent­sorgt wer­den müs­sen, wäre der Gribkowsky-Keller mit unge­fähr 5.000 Euro rea­li­täts­nah bewer­tet.

Doch beim Wein geht es bekannt­lich nicht immer ratio­nal zu. Gera­de ist das ers­te Gebot auf der Web­site der Jus­tiz­be­hör­de ein­ge­gan­gen: 18.900 Euro. Das Gericht hat also alles rich­tig gemacht.

Die Justiz-Auktion läuft noch bis zum 3. Sep­tem­ber 2014, 9 Uhr.

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