Gambero Rosso 2015: Die 3-Gläser-Weine der kleinen Regionen

Gambero Rosso Tre Bicchieri 2015
Langsam hebt sich der Vorhang: der Gambero Rosso, Italiens wichtigster Weinführer, lässt die Namen der Weine raus, die dieses Jahr die 3 Gläser bekommen – die Top-Weine also. Hier die Siegerlisten der kleinen Regionen vom Aostatal bis Sizilien mit Kommentaren von Jens Priewe.

Ab Mit­te Sep­tem­ber beginnt der Gam­be­ro Ros­so, die Sie­ger sei­ner dies­jäh­ri­gen Ver­kos­tun­gen der Öffent­lich­keit mit­zu­tei­len. Also der­je­ni­gen Wei­ne, die das Maxi­mum von 3 Glä­sern erhal­ten haben. Vor zwei Jahr­zehn­ten noch waren es 50, denen die­se Ehre zuteil wur­de. Heu­te sind es rund 400. Sicher, Ita­li­en ist in den letz­ten 20 Jah­ren qua­li­ta­tiv enorm gewach­sen. Aber ein biss­chen infla­tio­när ist der 3-Gläser-Regen schon. Und wer sich ein wenig aus­kennt im Land süd­lich der Alpen, weiß, dass nicht alle Sie­ger sich ihre 3 Glä­ser durch über­durch­schnitt­li­che Qua­li­täts­an­stren­gun­gen ver­dient haben. Man­cher 3-Gläser-Wein ist ein Kom­pro­miss – wenn kein fau­ler, dann ein frag­wür­di­ger. Trotz­dem gibt der Gam­be­ro Ros­so von allen Wein­füh­rern, die es in Ita­li­en gibt, immer noch den bes­ten Über­blick über das, was im Bel­pa­e­se pas­siert. Im Novem­ber wird der Wein­füh­rer in Ita­li­en auf den Markt kom­men, Anfang nächs­ten Jah­res in deut­scher Über­set­zung auch bei uns.

Die feh­len­den Regio­nen wer­den wir auf weinkenner.de nach­tra­gen, sowie sie bekannt sind.

Aostatal

Hat das Aos­ta­tal das Poten­zi­al für gro­ße Wei­ne? Oder wenn nicht gro­ße, dann cha­rak­ter­vol­le Wei­ne? Wenn ja: wel­che? Die Ant­wort gibt auch der 2015er Gam­be­ro Ros­so nicht. Die Spit­ze bil­den immer die­sel­ben Win­zer, wenn auch deren Wei­ne wech­seln. Dass dies­mal kein Char­don­nay – nicht ein­mal der Les Crêtes – dabei ist, ver­wun­dert. Hat der Autochthonie-Fimmel jetzt ganz Besitz ergrif­fen von den Gambero-Rosso-Inspektoren?


  • Val­le d’Aosta Cham­ba­ve Mos­ca­to Pas­si­to Prieu­ré 2012 Crot­ta di Veg­ne­ron
  • Val­le d’Aosta Cham­ba­ve Mus­cat 2012 Vril­le
  • Val­le d’Aosta Fumin 2012 Ottin
  • Val­le d’Aosta Peti­te Arvi­ne 2013 Le Crêtes
  • Val­le d’Aosta Pinot Gris 2013 Lo Trio­let

Südtirol

Wenig Neu­es aus Süd­ti­rol, nur vier Aus­zeich­nun­gen weni­ger als im Vor­jahr, geschul­det dem Bemü­hen der Her­aus­ge­ber, die Infla­ti­on der 3-Gläser-Weine zu brem­sen. Die Erkennt­nis, dass der Weiß­bur­gun­der her­aus­ra­gen­de Qua­li­tä­ten bie­ten kann, hat sich auch bei ihnen durch­ge­setzt (auch wenn nicht jeder Weiß­bur­gun­der, der hier gelis­tet ist, her­aus­ra­gend ist). Eigent­lich müss­te man den Weiß­bur­gun­der der Kel­le­rei St. Pauls und den Plat­ten­rie­gel der Kel­le­rei Gir­lan dazu­zäh­len. Außer­dem feh­len ein paar Wei­ne, um die sich Gas­tro­no­men und Pri­vat­leu­te der­zeit rei­ßen, etwa den Grü­nen Velt­li­ner vom Stras­ser­hof bei Neu­stift. Bei den Rot­wei­nen macht der Caber­net Sau­vi­gnon Bar­leith vom Tröpf­tal­hof in Kal­tern der­zeit Furo­re. Fehl­an­zei­ge im Gam­be­ro Ros­so. Der St. Mag­da­le­na ist nur mit einem Wein ver­tre­ten – also doch kei­ne Renais­sance des Ver­natsch? Und der Hoff­nungs­trä­ger Blau­bur­gun­der taucht eben­falls nur ein­mal in der Lis­te auf. Mit der Tat­sa­che, dass Hof­stät­ter kei­ne Wei­ne an den Gam­be­ro Ros­so lie­fert, kann es nicht allein zu tun haben. Was ist mit Got­tar­di? Mit Franz Haas? Erreicht wirk­lich kein ande­rer Wein mehr Top-Niveau, wenn gleich­zei­tig drei Lagrein-Weine prä­miert wer­den? So ganz plau­si­bel ist die Lis­te also nicht. Dafür ist sie sehr aus­ge­wo­gen. Man woll­te und will offen­bar nie­man­den ver­let­zen oder zurück­set­zen. Jeder kommt mal dran, auch wenn es für eine Kel­le­rei wie die Erste+Neue eigent­lich eine Ohr­fei­ge ist, dass nur ihr Süß­wein Anthos Gna­de vor den Augen der Tes­ter gefun­den hat. Wohl­ge­merkt: Über die meis­ten der prä­mier­ten Wei­ne muss man nicht dis­ku­tie­ren. Sie sind sehr gut. Aber irgend­wie bekommt der gemei­ne Wein­trin­ker doch ein schie­fes Bild von Süd­ti­rol, wenn er die­se Lis­te betrach­tet.


  • 2010 Anthos Weiß Pas­si­to, Kel­le­rei Erste+Neue
  • 2010 Süd­ti­ro­ler Caber­net Löwen­gang, Lage­der + Tenute Lage­der
  • 2011 Süd­ti­ro­ler Caber­net Sau­vi­gnon Lafòa, Kel­le­rei Schreck­bichl
  • 2013 Süd­ti­ro­ler Gewürz­tra­mi­ner Aura­tus Cre­scen­do, Rit­ter­hof
  • 2013 Süd­ti­ro­ler Gewürz­tra­mi­ner Kas­telaz, Walch
  • 2013 Süd­ti­ro­ler Gewürz­tra­mi­ner Nuss­bau­mer, Kel­le­rei Tra­min
  • 2013 Süd­ti­ro­ler Kal­terer­see Aus­le­se Pfarr­hof, Kel­le­rei Kal­tern
  • 2011 Süd­ti­ro­ler Lag­rein Abtei Muri Riser­va, Muri-Gries
  • 2011 Süd­ti­ro­ler Lag­rein Riser­va, Erb­hof Unter­ganz­ner – Jose­phus Mayr
  • 2012 Süd­ti­ro­ler Lag­rein Taber Riser­va, Kel­le­rei Bozen
  • 2012 Süd­ti­ro­ler Rosen­mus­ka­tel­ler, Franz Haas
  • 2012 Süd­ti­ro­ler Mül­ler Thur­gau Feld­mar­schall, Tie­fen­brun­ner
  • 2013 Süd­ti­ro­ler Weiß­bur­gun­der Sir­mi­an, Kel­le­rei Nals Mar­greid
  • 2011 Süd­ti­ro­ler Blau­bur­gun­der Tratt­mann Maz­zon Riser­va, Kel­le­rei Gir­lan
  • 2013 Süd­ti­ro­ler St. Mag­da­le­na Anthe­os, Wald­gries
  • 2013 Süd­ti­ro­ler Sau­vi­gnon Pra­e­su­lis, Gumphof – Mar­kus Prack­wie­ser
  • 2013 Süd­ti­ro­ler Sau­vi­gnon St. Valen­tin, Kel­le­rei St. Michael-Eppan
  • 2011 Ter­la­ner Nova Domus Riser­va, Kel­le­rei Ter­lan
  • 2013 Ter­la­ner Weiß­bur­gun­der Eich­horn, Manin­cor
  • 2011 Ter­la­ner Weiß­bur­gun­der Vor­berg Riser­va, Kel­le­rei Ter­lan
  • 2013 Vinsch­gau­er Weiß­bur­gun­der Son­nen­berg, Kel­le­rei Meran Burg­gräf­ler
  • 2013 Vinsch­gau­er Ries­ling, Fal­ken­stein – Franz Pratz­ner
  • 2013 Eisack­ta­ler Rulän­der, Köfer­er­hof – Gün­ther Kerschbau­mer
  • 2013 Eisack­ta­ler Syl­va­ner, Kuen­hof – Peter Pli­ger
  • 2013 Eisack­ta­ler Syl­va­ner, Pach­er­hof – Andre­as Huber
  • 2012 Eisack­ta­ler Velt­li­ner Pra­epo­si­tus, Klos­ter Neu­stift
  • 2013 Vinsch­gau­er Weiß­bur­gun­der, Stachlburg – Baron von Kripp
  • 2013 Vinsch­gau­er Weiß­bur­gun­der Cas­tel Juval, Unter­ortl – Cas­tel Juval

Trentino

Ein Tri­umph für die fla­schen­ver­go­re­nen Trento-Schaumweine, die 3-Gläser-Liste des Gam­be­ro Ros­so in die­sem Jahr! Acht von zehn prä­mier­ten Wei­nen schäu­men. Unglaub­lich und trotz­dem fol­ge­rich­tig. Denn mit den wei­ßen Still­wei­nen errei­chen, von ganz weni­gen Aus­nah­men abge­se­hen, die Tren­ti­ner nur Mit­tel­maß. Schon seit Jah­ren machen die genos­sen­schaft­li­chen Kel­le­rei­en und klei­ne Win­zer enor­me Anstren­gun­gen, um ganz oben bei den Schäu­mern mit­zu­spie­len – wenigs­tens natio­nal. Wenn man bedenkt, dass eini­ge der bes­ten Tren­to D.O.C. in der Lis­te feh­len (etwa der Alte­ma­si Graal von Cavit, der Acqui­la Rea­le von Cesa­ri­ni Sfor­za, der Cor­te Impe­ria­le von Maso Wal­len­burg), dann wird deut­lich, wo die Zukunft des Tren­ti­no liegt: bei den bol­li­ci­ne. Her­aus­ra­gen­de Rot­wei­ne gibt es nur weni­ge. Der San Leo­nar­do hat ein Abon­ne­ment auf die 3 Glä­ser, der Gra­na­to von Eli­sa­bet­ta Fora­do­ri eigent­lich auch. Dies­mal hat Giulio de Vesco­vo die Nase vorn, der seit Jah­ren schon mit Fora­do­ri auf Augen­hö­he ist. Kein Ein­spruch.


  • 2008 San Leo­nar­do 2008 San Leo­nar­do
  • 2012 Terol­de­go Rota­lia­no Vigi­li­us, De Vesco­vi Ulz­bach
  • 2013 Tren­ti­no Mül­ler Thur­gau V. del­le For­che, La Vis/Valle di Cem­bra
  • 2004 Tren­to Brut Giulio Fer­ra­ri Riser­va del Fon­da­to­re, Fer­ra­ri
  • 2009 Tren­to Brut Letra­ri Riser­va, Letra­ri
  • 2008 Tren­to Brut Methi­us Riser­va, Fra­tel­li Dori­ga­ti
  • 2009 Tren­to Domì­ni Nero, Aba­te Nero
  • 2009 Tren­to Mach Riser­va del Fon­da­to­re, San Miche­le all’Adige
  • 2009 Tren­to Pas Dosé Bal­ter Riser­va, Nico­la Bal­ter
  • 2007 Tren­to Rota­ri Fla­vio Riser­va, Mez­za­Co­ro­na

Ligurien

Ligu­ri­en ist ein Zwerg unter den Wein­re­gio­nen Ita­li­ens. Grö­ße­re Kel­le­rei­en gibt es über­haupt gar nicht. Die Wein­wirt­schaft wird getra­gen von vie­len klei­nen, mehr oder min­der ehr­gei­zi­gen, loka­len Win­zern, die in öko­lo­gi­schen Nischen arbei­ten, um gera­de mal ein paar Tau­send Fla­schen Wein – fast aus­schließ­lich wei­ßer – fül­len zu kön­nen. Dazu gehö­ren Lei­den­schaft, Ambi­ti­on und eine Por­ti­on Ver­rückt­heit. Allein die Erhal­tung der Tro­cken­mau­ern ver­schlingt oft mehr, als die Win­zer mit ihrem Wein ver­die­nen. Einen Über­blick über die Wein­pro­duk­ti­on Ligu­ri­ens haben nur weni­ge Fach­leu­te. Einem Nicht-Ansässigen ist eine kri­ti­sche Wür­di­gung der Wei­ne daher nicht mög­lich, zumal die­se nur sel­ten die Regi­on ver­las­sen. Der bekann­tes­te ligu­ri­sche Win­zer ist zwei­fel­los Fran­co Bona­ni­ni, Bür­ger­meis­ter von Riom­ag­gio­re im Cin­que Terre, bekannt gewor­den dadurch, dass er vor Jah­ren die poli­ti­schen Machen­schaf­ten sei­ner Hei­mat scho­nungs­los auf­deck­te und dafür ins Gefäng­nis ging. Ver­men­ti­no und Piga­to sind die bei­den wich­tigs­ten wei­ßen Reb­sor­ten in Ligu­ri­en. Dass man aus ihnen Wei­ne im medi­ter­ra­nen Stil erzeu­gen kann, die hohen Qua­li­täts­an­sprü­chen stand­hal­ten, ist bekannt und wird durch die Ver­lei­hung der 3 Glä­ser unter­stri­chen. Die ein­zi­gen Rot­wei­ne, die die­ser Aus­zeich­nung für wür­dig befun­den wur­den, sind der Ros­se­se Dol­ce­ac­qua  von Ka’Mancinè (rein­sor­tig aus Rossese-Trauben, der ligu­ri­schen Spiel­art der Dol­cet­to) und der Bric­co Arca­gna von Pog­gio dei Gor­le­ri – letz­te­rer eine Tafelwein-Cuvée aus Caber­net Sau­vi­gnon und Ros­se­se.


  • 2013 Cin­que Terre, Fran­co Bona­ni­ni
  • 2013 Col­li di Luni Ver­men­ti­no Eti­chet­ta Nera, Lunae Boso­ni
  • 2013 Col­li di Luni Ver­men­ti­no Il Mag­gio­re, Lam­bru­schi
  • 2012 Bric­co Arca­gna, Terre Bian­che
  • 2013 Dol­ce­ac­qua Galeae, Ka‘ Man­ci­né
  • 2013 Rivie­ra Ligu­re di Ponen­te Piga­to Cyc­nus, Pog­gio dei Gor­le­ri
  • 2013 Rivie­ra Ligu­re di Ponen­te Piga­to U Baccan, Bru­na

Lombardei

Die Schaum­wei­ne aus der Fran­ci­a­cor­ta und aus dem Oltre­pò Pave­se räu­men bei den 3 Glä­sern dies­mal rich­tig ab. Im Schaumwein-verrückten Ita­li­en ist das kein Wun­der. In der Kri­se brau­chen die Men­schen ihre bol­li­ci­ne mehr denn je. Wenn es ihnen gut geht, haben sie sich die Bläs­chen ver­dient. In der Fran­ci­a­cor­ta sind prak­tisch nur die teu­ren Luxus-Cuvées prä­miert wor­den, was einer­seits ver­ständ­lich ist, weil ja die Bes­ten aus­ge­zeich­net wer­den sol­len, ande­rer­seits den teil­wei­se exzel­len­ten Standard-Qualitäten gegen­über unge­recht ist – zumal manch ein­fa­cher Brut bes­ser ist als die teil­wei­se viel zu rei­chen, viel zu holz­be­ton­ten Prestige-Weine. Die Aus­wahl selbst ist kei­ne gro­ße Über­ra­schung. Sie deckt sich weit­ge­hend mit der des Vor­jah­res. Zwar tauch­ten auch da schon in der Sie­ger­lis­te Namen auf, die man nicht unbe­dingt erwar­tet hät­te. Aber eine Anzeigen-Schaltung in der Gambero-Rosso-Publikationen ist auch eine Emp­feh­lung. In einem Punkt muss ich mei­ner Ver­wun­de­rung aller­dings frei­en Lauf las­sen: Der Bogen, den die Tes­ter seit Jah­ren um das Wein­gut Mon­te Ros­sa machen, erscheint mir befremd­lich. Da sind ande­re Publi­ka­tio­nen objek­ti­ver. Im Oltre­pò Pave­se gibt es mehr Abwechs­lung, was rech­tens ist, weil die rein­sor­ti­gen Pinot Nero-Schaumweine von dort immer bes­ser wer­den. Erst­mals taucht auch ein Cru­a­sé in der Sie­ger­lis­te auf: die neu­ge­schaf­fe­ne Kol­lek­tiv­mar­ke für Rosé-Schaumweine des Oltre­pò Pave­se. Und auch das Cas­tel­lo di Cigo­gno­la aus der Moratti-Familie (zu ihr gehö­ren die Ex-Bürgermeisterin von Mai­land und der Ex-Präsident des Fuß­ball­klubs Inter Mai­land) zählt wie­der zu den Aus­ge­zeich­ne­ten, dies­mal nicht mit sei­nem Bar­be­ra (Vor­jahr), son­dern mit sei­nen bol­li­ci­ne. Haupt­sa­che: dabei. Bei den Still­wei­nen fin­den nur die Roten aus der Val­tel­li­na Gna­de vor den Augen der Tes­ter, bei den Wei­ßen sind es die übli­chen Ver­däch­ti­gen aus der Luga­na. Kein Wider­spruch.


  • 2010 Brut ‚More, Cas­tel­lo di Cigo­gno­la
  • Brut Clas­si­co Natu­re, Mon­su­pel­lo
  • Fran­ci­a­cor­ta Brut Cuvée Alma, Bel­la­vis­ta
  • Fran­ci­a­cor­ta Brut Natu­re, Baro­ne Piz­z­i­ni
  • 2008 Fran­ci­a­cor­ta Col­le­zio­ne Gran­di Cru, Caval­le­ri
  • 2008 Fran­ci­a­cor­ta Extra Brut, Lo Spar­vie­re
  • 2006 Fran­ci­a­cor­ta Extra Brut Cuvée Anna­ma­ria Cle­men­ti Rosé Riser­va, Ca‘ del Bosco
  • 2009 Fran­ci­a­cor­ta Extra Brut EBB, Il Mos­nel
  • 2004 Fran­ci­a­cor­ta Extra Brut Lucre­zia Eti­chet­ta Nera, Cas­tel­lo Bono­mi
  • 2007 Fran­ci­a­cor­ta Pas Dosé 33 Riser­va, Fer­ghet­ti­na
  • 2006 Fran­ci­a­cor­ta Satèn Palaz­zo Lana, Ber­luc­chi & C.
  • 2012 Luga­na Bro­let­ti­no, Ca‘ dei Fra­ti
  • 2013 Luga­na Molin, Pro­ven­za – Cà Mai­ol
  • Oltre­pò Pave­se Cru­a­sé Oltre­nero, Tenuta Il Bosco
  • 2010 Oltre­pò Pave­se Pinot Nero Brut Clas­si­co 1870, Fra­tel­li Gior­gi
  • 2008 Oltre­pò Pave­se Pinot Nero Brut Clas­si­co Con­ti Vis­ta­ri­no 1865, Con­te Vis­ta­ri­no
  • 2011 Oltre­pò Pave­se Pinot Nero Gior­gio Ode­ro, Frecci­a­ros­sa
  • 2010 Oltre­pò Pave­se Ros­so Cava­rio­la Riser­va, Bru­no Ver­di
  • 2010 Val­tel­li­na Sforz­a­to Ron­co del Pic­chio, San­dro Fay
  • 2011 Val­tel­li­na Sfur­sat C. Negri, Nino Negri
  • 2010 Val­tel­li­na Sfur­sat Frut­taio Ca‘ Riz­zie­ri, Aldo Rai­nol­di
  • 2011 Val­tel­li­na Sup. Diru­pi Riser­va, Diru­pi
  • 2010 Val­tel­li­na Sup. Sas­sel­la Stel­la Reti­ca Riser­va, Ar.Pe.Pe.

Umbrien

„Umbri­en wächst“, stel­len die Inspek­to­ren des Gam­be­ro Ros­so fest. Betrach­tet man die letz­ten 15 Jah­re, stimmt das. Zahl­rei­che neue Kel­le­rei­en sind gegrün­det wor­den, zahl­rei­che klei­ne Win­zer haben beschlos­sen, ihre Wei­ne unter eige­nem Eti­kett abzu­fül­len. Vor allem der Mon­te­fal­co Sagran­ti­no hat Bewe­gung ins Land gebracht. Fer­ra­ri (aus dem Tren­ti­no) hat eine ambi­tiö­se Rotwein-Produktion gestar­tet, Antin­o­ri hat einen Kel­ler gebaut, Lun­ga­rot­ti ist in Mon­te­fal­co ansäs­sig gewor­den. Die Fra­ge ist, ob alle glück­lich über die Ent­schei­dung sind. Der­zeit ste­hen zahl­rei­che Wein­gü­ter in und um Mon­te­fal­co zum Ver­kauf. Vie­le von den Medi­en eupho­ri­sier­te Klein­win­zer sind inzwi­schen froh, wenn ihnen die Genos­sen­schaft ihre Sagantino-Trauben abnimmt. So betrach­tet, schrumpft Umbri­en. Denn der Mon­te­fal­co Sagran­ti­no ist ein schwie­ri­ger Wein: extrem tan­nin­hal­tig, extrem schwer, in sei­ner Jugend kaum zu trin­ken, ohne sich am Gau­men zu ver­let­zen, null Trin­ke­le­ganz. Wer die­sen Wein nicht ver­steht, wird von Win­zern und Jour­na­lis­ten auf Mor­gen ver­trös­tet. Mor­gen kann in drei Jah­ren sein, in zehn Jah­ren, auch noch spä­ter. Aber viel­leicht gibt es gar kein Mor­gen. In der diplo­ma­ti­schen Spra­che des Gam­be­ro Ros­so heißt es, die­ser Wein sei „ein State­ment gegen den Mas­sen­ge­schmack, gegen die Stan­dar­di­sie­rung des Weins im All­ge­mei­nen“. So kann man es auch aus­drü­cken… Auf der 3-Gläser-Ebene tut sich sonst wenig in Umbri­en. Antino­ris Cer­va­ro del­la Sala ist eben­so wie­der dabei wie Lun­ga­rot­tis Mon­ti­c­chio Riser­va. Kein Wider­spruch. Ich per­sön­lich glau­be aller­dings, dass die Wei­ne der zwei­ten und drit­ten Gar­ni­tur (also 2 Glä­ser oder nur 1 Glas) wesent­lich inter­es­san­ter sind. Die neu­en Weiß­wei­ne aus Gre­chet­to, aus Treb­bia­no Spo­le­ti­no, aus Mal­va­sia sind auch ein State­ment gegen den Mas­sen­ge­schmack, dabei aber wesent­lich ori­gi­nel­ler und geschmei­di­ger. Glei­ches die Gamay-Weine vom Tra­si­me­ni­schen See. War­ten wir das Erschei­nen des Gam­be­ro Rosso-Weinführers ab, der Anfang nächs­ten Jah­res in Deutsch auf den Markt kommt. Da erfah­ren wir dann alles.


  • 2012 Cer­va­ro del­la Sala, Cas­tel­lo del­la Sala
  • 2012 Col­le Ozio Gre­chet­to, Leo­nar­do Bus­so­let­ti
  • 2010 Mon­te­fal­co Sagran­ti­no, Per­ti­ca­ia
  • 2009 Mon­te­fal­co Sagran­ti­no, Anto­nel­li – San Mar­co
  • 2010 Mon­te­fal­co Sagran­ti­no, Roma­nel­li
  • 2010 Mon­te­fal­co Sagran­ti­no 25 Anni, Arnal­do Caprai
  • 2010 Mon­te­fal­co Sagran­ti­no Cam­po alla Cer­qua, Giam­pao­lo Tabar­ri­ni
  • 2010 Mon­te­fal­co Sagran­ti­no Col­le­not­to­lo, Tenuta Bel­la­fon­te
  • 2010 Mon­te­fal­co Sagran­ti­no Del­la Cima, Vil­la Mon­gal­li
  • 2011 Orvie­to Clas­si­co Supe­rio­re Lui­gi e Gio­van­na Vil­la Monticelli,Barberani
  • 2009 Tor­gia­no Ros­so Vigna Mon­ti­c­chio Riser­va, Lun­ga­rot­ti

Latium

Jah­re­lang ist Lati­um (die Regi­on um die Haupt­stadt Rom) hin­ter­her­ge­hinkt. Jetzt regis­trie­ren die Gambero-Rosso-Tester Fort­schrit­te. Man gibt sich nicht mehr nur mit kom­mer­zi­el­len Erfolgs­wei­nen zufrie­den, son­dern will qua­li­ta­tiv wach­sen. Etwa mit Weiß­wei­nen aus der ein­hei­mi­schen Grechetto-Rebe, rein­sor­tig bei Ser­gio Mot­tu­ra, in der Cuvée mit Vio­gnier bei Ales­san­dro­ja­co­po Bon­com­pa­gni Ludo­vi­si (Tenuta di Fiora­no). Oder mit der auto­ch­to­nen Bian­co­lel­la von der Insel Pon­zio (Casa­le del Giglio). Am deut­lichs­ten zeigt sich der Ehr­geiz beim Fras­ca­ti, der immer ein Negativ-Aushängeschild Ita­li­ens war. Inzwi­schen haben nicht nur die bei­den klei­nen Wein­gü­ter Pal­la­vic­i­ni und Le Vol­pi gezeigt, dass man aus Treb­bia­no und Mal­va­sia ordent­li­che Weiß­wei­ne machen kann, son­dern auch gro­ße Kel­le­rei­en. Cha­peau! Vor die­sem Hin­ter­grund sind die 3 Glä­ser gerecht­fer­tigt. Wer aber die Mess­lat­te so hoch legt wie in der Tos­ka­na oder im Pie­mont, muss zuge­ben, dass kei­ner der prä­mier­ten Latium-Weine, auch die nicht roten, über sie her­über­springt.


  • 2013 Bian­co­lel­la Faro del­la Guar­dia, Casa­le del Giglio
  • 2012 Cesa­ne­se del Piglio Supe­rio­re Her­ni­cus, Colet­ti Con­ti
  • 2012 Fiora­no Bian­co, Tenuta di Fiora­no
  • 2013 Fras­ca­ti Supe­rio­re Epos, Pog­gio Le Vol­pi
  • 2013 Fras­ca­ti Supe­rio­re Pog­gio Ver­de, Pal­la­vic­i­ni
  • 2011 Gre­chet­to Latour a Civi­tel­la, Mot­tu­ra
  • 2012 Mon­tia­no, Fales­co

Abruzzen

Statt 13 sind es in die­sem Jahr 15 Wei­ne, die den 3-Gläser-Status erhal­ten haben. Zu Recht. Abruz­zen ist eine der span­nends­ten Regio­nen Ita­li­ens. Nir­gend­wo gibt es so vie­le unbe­kann­te, so vie­le preis­wer­te, so vie­le unter­schätz­te Wei­ne wie in die­ser Regi­on, die einst (und teil­wei­se immer noch) die Hei­mat des indus­tri­el­len Mas­sen­weins ist. Der wei­ße Treb­bia­no, der hier wächst, hat nichts mit dem wäss­ri­gen tos­ka­ni­schen Treb­bia­no zu tun. Die abruz­ze­si­sche Spiel­art ergibt cha­rak­ter­vol­le, schlan­ke Wei­ne, die nicht schon im Som­mer nach der Lese aus­ge­trun­ken sein müs­sen. Aber auch die alte, wei­ße Sor­te Peco­ri­no (hat nichts mit dem Käse zu tun) erlebt eine Wie­der­auf­er­ste­hung. Sie scheint sich gegen­über ande­ren alten, in den letz­ten Jah­ren wie­der­ent­deck­ten Weiß­wein­sor­ten wie der Pas­se­ri­na, der Cococ­cio­la und Mon­to­ni­co durch­zu­set­zen.

Nir­gend­wo gibt es auch so vie­le neue Win­zer wie in den Abruz­zen, die bereit sind, Risi­ken auf sich zu neh­men und mit die­sen alten Sor­ten zu arbei­ten, die auf den inter­na­tio­na­len Märk­ten völ­lig unbe­kannt sind und in den ein­schlä­gi­gen Wein­bü­chern beschrie­ben wer­den. Die weg von den war­men Gefil­den in Mee­res­nä­he gehen und hoch in die Ber­ge zie­hen, wo es kühl, teil­wei­se kalt ist, wo noch nie eine Rebe ange­baut wur­de (oder zumin­dest seit vie­len Jahr­hun­der­ten nicht mehr), wo aber Böden zu fin­den sind, wie man sie im „offi­zi­el­len“ Teil der Abruz­zen nicht fin­det. Ein Bei­spiel dafür ist das Wein­gut Val­le Rea­le, das hoch oben zwi­schen Natio­nal­park Abruz­zen und dem Natio­nal­park Majel­la liegt und einen hoch­mi­ne­ra­li­schen, schlan­ken Treb­bia­no d’Abruzzo erzeugt, wie man ihn aus die­ser Regi­on bis­her nicht kann­te. Eben­so erfreu­lich, dass die gro­ße Can­ti­na Tol­lo, die jahr­zehn­te­lang nicht ein­mal Mit­tel­maß zustan­de gebracht hat, jetzt plötz­lich vom Ehr­geiz gepackt wird und zeigt, dass sie auch Top-Weine pro­du­zie­ren kann.

Auch der roten Montepulciano-Rebe wird inzwi­schen die nöti­ge Auf­merk­sam­keit geschenkt. Die Zeit der wil­den, unge­stü­men, super­kon­zen­trier­ten und alko­hol­rei­chen Wei­ne ist zwar noch nicht ganz vor­bei. Aber es gibt immer mehr ele­gan­te, mode­ra­te Wei­ne aus die­ser Sor­te. Neben den Klas­si­kern von Illu­mi­na­ti, Masci­a­rel­li, Vil­la Medo­ro und Zac­ca­gn­i­ni tau­chen neue Namen auf, die man sich mer­ken muss: Tor­re dei Bea­ti, Nico­let­ta De Fer­mo und La Valen­ti­na gehö­ren sicher dazu.


  • 2013 Abruz­zo Peco­ri­no, I Fau­ri
  • 2013 Abruz­zo Peco­ri­no Nati­vae, Tenuta Ulis­se
  • 2010 Amo­ri­no, Cas­tora­ni Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo
  • 2011 Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo Coc­cia­paz­za, Tor­re dei Bea­ti
  • 2010 Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo Col­li­ne Tera­ma­ne Zan­na Riser­va, Dino Illu­mi­na­ti
  • 2012 Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo Maland­ri­no, Lui­gi Catal­di Madon­na
  • 2011 Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo Mari­na Cve­tic, Masci­a­rel­li
  • 2012 Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo Pro­lo­go, Nico­let­ta De Fer­mo
  • 2012 Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo Ros­so del Duca, Vil­la Medo­ro
  • 2011 Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo S. Cle­men­te Riser­va, Cic­cio Zac­ca­gn­i­ni
  • 2010 Mon­te­pul­cia­no d’Abruzzo Spelt Riser­va, 2010 La Valen­ti­na
  • 2013 Peco­ri­no, Tibe­rio
  • 2010 Treb­bia­no d’Abruzzo, Valen­ti­ni
  • 2011 Treb­bia­no d’Abruzzo C’Incanta, Can­ti­na Tol­lo
  • 2012 Treb­bia­no d’Abruzzo Vigna di Capestra­no, Val­le Rea­le

Molise

Eine der kleins­ten Regio­nen Ita­li­ens, ver­lo­ren zwi­schen dem mäch­ti­gen Nach­barn Abruz­zen im Nor­den und dem erdrü­cken­den Apu­li­en im Süden. Di Majo Noran­te und Col­lo­re­do sind sicher die bei­den qua­li­ta­tiv füh­ren­den Erzeu­ger in die­ser Regi­on. Ob es noch mehr gibt, kann ich nicht sagen. Mir fehlt der Über­blick.


  • 2010 Aglia­ni­co, Bor­go di Col­lo­re­do
  • 2011 Moli­se Ros­so Don Lui­gi Riser­va, Di Majo Noran­te

Apulien

Inter­es­sant, dass Tor­ma­re­s­cas Zweit­wein, der Tren­tan­ge­li, dies­mal die 3 Glä­ser bekommt und nicht der dop­pelt so teu­re Erst­wein Boc­ca di Lupo. Inter­es­sant auch, dass der Bolo­ne­ro, ein 7-Euro-Wein, in der Sie­ger­lis­te steht und nicht der teu­re­re Bestseller-Wein Vigna Peda­le, der in den letz­ten Jah­ren immer die 3 Glä­ser bekom­men hat. Ansons­ten räu­men die Primitivo-Weine ab. Die Hälf­te der zwölf prä­mier­ten Wei­ne ist aus die­ser Reb­sor­te gewon­nen, die sich – ein wenig erstaun­lich schon – über­all auf der Welt größ­ter Beliebt­heit erfreut, obwohl die Wei­ne 16 Vol.% Alko­hol und mehr auf­wei­sen und durch­weg rest­süß sind. Im Som­mer ist das Pro­duk­ti­ons­sta­tut die­ses Weins dahin­ge­hend ver­än­dert wor­den, dass bis zu 20 Gramm Rest­zu­cker erlaubt sind. Trotz­dem sind die Wei­ne auch im angeb­lich so alko­hol­emp­find­li­chen Deutsch­land ein Ver­kaufs­schla­ger – oder gera­de des­we­gen. Beson­ders erwähnt wer­den soll­te der Tor­re Tes­ta des Wein­guts Rubi­no, das erst­mals einen rein­sor­tig aus der Sor­te Sus­uma­ni­el­lo gekel­ter­ten Rot­wein „durch­ge­bracht“ hat – eine ver­ges­se­ne, nur noch in Rest­be­stän­den exis­tie­ren­de, aber hoch­wer­ti­ge Rot­wein­sor­te, die in den letz­ten Jah­ren eine Wie­der­auf­er­ste­hung gefei­ert hat.


  • 2012 Tor­re Tes­ta, Rubi­no
  • 2012 Cas­tel del Mon­te Ros­so Bolo­ne­ro, Tor­reven­to
  • 2011 Cas­tel del Mon­te Ros­so Tren­tan­ge­li, Tor­ma­re­s­ca
  • 2011 Gioia del Col­le Pri­mi­tivo 17 Vigne­to Mon­te­vel­la, Pol­va­ne­ra
  • 2012 Gioia del Col­le Pri­mi­tivo Eti­chet­ta Nera Con­tra­da San Pie­tro, Planta­mu­ra
  • 2010 Gioia del Col­le Pri­mi­tivo Mar­pio­ne Riser­va, Viglio­ne
  • 2011 Chi­a­ro­mon­te Negro­ama­ro, Car­vi­nea
  • 2012 Pri­mi­tivo di Man­duria Es, Fino
  • 2012 Pri­mi­tivo di Man­duria Gira­vol­ta, Race­mi
  • 2012 Sali­ce Salen­ti­no Ros­so Per Lui Riser­va, Leo­ne de Cas­tris
  • 2011 Sali­ce Salen­ti­no Ros­so Sel­va­ros­sa Riser­va, Due Pal­me
  • 2011 Gioia del Col­le Pri­mi­tivo Muro Sant’Angelo Con­tra­da Barbat­to, Chi­a­ro­mon­te

Basilikata

Viel­leicht waren die Erwar­tun­gen zu hoch. Der gro­ße Auf­bruch hat in der Basi­li­ka­ta jeden­falls nicht statt­ge­fun­den. Die Eli­te der Win­zer kon­zen­triert sich immer auf die­sel­ben Namen. So stellt sich die Fra­ge, ob der Mon­te Vul­tu­re wirk­lich das idea­le Ter­ro­ir für die rote Aglianico-Rebe ist. Es kann ja nicht sein, dass auch nach vie­len Jah­ren des Ver­su­chens nur vier Wein­gü­ter die­sen Wein beherr­schen, wenn er – theo­re­tisch zumin­dest – an vie­len Stel­len des Anbau­ge­biets eben­falls gelin­gen müss­te. Die Aus­wahl ist der 3-Gläser-Weine ist nicht zu kri­ti­sie­ren. Aber wo blei­ben der Maca­ri­co von Rino Bot­te, wo die Kel­le­rei­en Basi­lis­co und Grif­al­co?


  • 2012 Aglia­ni­co del Vul­tu­re Il Reper­t­o­rio, Can­ti­ne del Notaio
  • 2011 Aglia­ni­co del Vul­tu­re Re Man­fre­di, Terre degli Sve­vi
  • 2011 Aglia­ni­co del Vul­tu­re Roton­do, Pater­nos­ter
  • 2012 Aglia­ni­co del Vul­tu­re Tito­lo, Fuc­ci

Kalabrien

Kala­bri­en sei eine Regi­on der zwei Geschwin­dig­kei­ten, behaup­tet der Gam­be­ro Ros­so. Da sind die von Genos­sen­schaf­ten und Han­dels­kel­le­rei­en auf den Markt gewor­fe­nen Mas­sen an Indus­trie­wei­nen einer­seits und die klei­nen, ehr­gei­zi­gen, tra­di­ti­ons­be­wuss­ten Win­zer ande­rer­seits. Etwa Rober­to Cer­au­do. Er pro­du­ziert mit dem Gri­sa­ra unzwei­fel­haft einen der bes­ten Weiß­wei­ne der Regi­on (Reb­sor­te: Pecorel­la). Aber wenn man von Spit­zen­wei­nen spricht, dürf­te Kala­bri­en – par­don – eher für die Roten prä­de­sti­niert sein. Auch da hät­te Cer­aqudo übri­gens eini­ges zu bie­ten. Libran­dis Magno Mego­nio ist immer ein wür­di­ger Kan­di­dat für die 3 Glä­ser, und der jun­ge, herr­lich fruch­ti­ge Masi­no der Gebrü­der Gre­co hat schon des­halb einen Bonus, weil er aus der alten Sor­te Calab­re­se gekel­tert ist (hin­ter der sich Ampelo­gra­fen zufol­ge die sizi­lia­ni­sche Nero d’Avola ver­birgt). Ob er des­we­gen gleich 3 Glä­ser wert ist, ist eine ande­re Fra­ge. Stat­ti in Lame­zia Ter­me kommt dies­mal nicht zum Zuge, viel­leicht weil er zu viel mit Mer­lot und Caber­net Sau­vi­gnon arbei­tet. Und von dem hal­ben Dut­zend Win­zer, die sich unter der Bezeich­nung „Terre di Cosen­za“ zusam­men­ge­tan haben, ist nicht ein ein­zi­ger unter den Prä­mier­ten. Scha­de. Statt­des­sen  wird ein nach inter­na­tio­na­len Maß­stä­ben völ­lig belang­lo­ser Passito-Dessertwein belohnt. Kirch­turm­po­li­tik.


  • Gri­sa­ra 2013 Cer­au­do
  • Magno Mego­nio 2012 Libran­di
  • Masi­no 2012 iGre­co
  • Mos­ca­to Pas­si­to 2013 Vio­la

Sizilien

Wie­der 19 3-Gläser-Weine für Sizi­li­en – das Qua­li­täts­stre­ben auf der Insel ver­ste­tigt sich. Und die Prä­mier­ten sind weit­ge­hend die glei­chen wie im Vor­jahr, manch­mal aller­dings mit ande­ren Wei­nen aus ihrem Pro­gramm. Über den einen oder ande­ren Kan­di­da­ten wer­den sich die Fach­leu­te strei­ten. Aber im Gro­ßen und Gan­zen geht die Aus­wahl in Ord­nung. Auf­fäl­lig ist nur das Feh­len der Rot­wei­ne von Donn­a­fu­ga­ta und von Baglio del Cris­to di Cam­po­bel­lo. Auch ist dies­mal nicht ein ein­zi­ger Mar­sa­la unter den Sie­gern. Dafür ist Cusuma­no ist mit zwei Wei­nen ver­tre­ten – Indiz dafür, dass die Qua­li­täts­schrau­be in die­sem Wein­gut ange­zo­gen wird. Ein wenig schmun­zeln darf man trotz­dem über die Lis­te. Denn der Hype der Ätna-Weine ist unge­bro­chen – typisch für die Journalisten- und Gastronomie-Szene Ita­li­ens. Im Aus­land kann man die Begeis­te­rung für die Wei­ne vom hei­ßen Vul­kan schon lan­ge nicht mehr nach­voll­zie­hen. Aber jeder Jeck pflegt sei­nen Fim­mel. Ein wenig zu kurz gekom­men sind dadurch die Nero d’Avola-Weine, die ja eigent­lich das Aus­hän­ge­schild Sizi­li­ens sind. Wenn fünf Ätna-Weine die 3 Glä­ser bekom­men haben, müss­ten min­des­tens zehn wei­te­re Nero d’Avola im höchs­ten Rang sein.


  • 2011 Etna Ros­so, Cottane­ra
  • 2012 Sàga­na, Cusuma­no
  • 2010 Mos­ca­to del­lo Zuc­co, Cusuma­no
  • 2012 Pas­si­to di Pan­tel­le­ria Ben Ryé, Donn­a­fu­ga­ta
  • 2012 Etna Bian­co A‘ Pud­da­ra, Fes­si­na
  • 2012 Nero d’Avola Ver­sace, Feu­di del Pisciot­to
  • 2012 Saia, Feu­do Mac­ca­ri
  • 2012 Deli­el­la, Princi­pi di Bute­ra
  • 2012 Sant­agos­ti­no Ros­so Baglio Sorìa, Fir­ri­a­to
  • 2012 Etna Ros­so Arcurìa, Gra­ci
  • 2011 Mal­va­sia del­le Lipa­ri Riser­va, Hau­ner
  • 2012 Il Frappa­to, Occhip­in­ti
  • 2011 Faro, Parla­ri
  • 2011 Etna Ros­so Vigna Bar­ba­gal­li, Pie­t­ra­dol­ce
  • 2012 Cera­suo­lo di Vit­to­ria Clas­si­co Doril­li, Pla­ne­ta
  • 2013 Alca­mo Bele­da, Ral­lo
  • 2010 Con­tea di Sclafa­ni Ros­so del Con­te, Tas­ca d’Almerita
  • 2012 Etna Ros­so ‚A Rina, Rus­so
  • 2012 Etna Ros­so San­to Spi­ri­to, Terre Nere

Sardinien

Sar­di­ni­en ist nicht nur tou­ris­tisch inter­es­sant. Der Wein wird – so stel­len die Gambero-Rosso-Tester fest – jedes Jahr bes­ser. Das Jahr 2013 hat zum Bei­spiel Weiß­wei­ne der Extra­klas­se her­vor­ge­bracht, beson­ders beim Ver­men­ti­no. Der berühm­tes­te kommt aus der Gallu­ra. Aber auch in ande­ren Gegen­den der Insel sind die Resul­ta­te höchst erfreu­lich: Usi­ni und Ser­dia­na zum Bei­spiel. Dazu der rote Can­no­nau: Er geht von der schwe­ren, alko­hol­rei­chen Sti­lis­tik immer wei­ter weg und ten­diert zu fri­sche­ren Aro­men und ele­gan­te­ren Tex­tu­ren. Zum ers­ten Mal ist auch ein Man­dro­li­sai prä­miert wor­den, eine his­to­ri­sche Rot­wein­cu­vée aus Muristel­lu, Can­no­nau und Monica-Trauben. Und der Cari­gnas­no del Sul­cis 6Mura ist mit rund 10 Euro, die er in Ita­li­en kos­tet, einer der preis­güns­tigs­ten Rot­wei­ne unter den Prä­mier­ten. Jahr­gangs­be­dingt ist die Zahl der 3-Gläser-Weine dies­mal aller­dings geschrumpft. Spitzen-Erzeuger wie Puni­ca, Sedi­les­cu, Dei­a­na sind durch das Ras­ter gefal­len.


  • 2009 Alg­he­ro Mar­che­se di Vill­ama­ri­na,  Sel­la & Mos­ca
  • 2011 Bar­ri­le, Con­ti­ni
  • 2011 Can­no­nau di Sar­degna Bar­ro­su Fran­zis­ca Riser­va, Mon­ti­sci
  • 2011 Can­no­nau di Sar­degna Clas­si­co Dule,  Gab­bas
  • 2012 Can­no­nau di Sar­degna Riser­va, Pala
  • 2012 Capi­che­ra, Capi­che­ra
  • 2010 Cari­gna­no del Sul­cis 6Mura, Can­ti­na Giba
  • 2009 Cari­gna­no del Sul­cis Supe­rio­re Arru­ga, Sardus Pater
  • 2010 Cari­gna­no del Sul­cis Supe­rio­re Terre Bru­ne, San­ta­di
  • 2011 Man­dro­li­sai Supe­rio­re Antio­gu, Fra­di­les
  • 2010 Turri­ga, Argio­las
  • 2013 Ver­men­ti­no di Gallu­ra Supe­rio­re Sci­a­la, Surrau
  • 2013 Ver­men­ti­no di Gallu­ra Supe­rio­re Sien­da, Mura

3 Kommentare

  • Muss ich das jetzt ver­ste­hen ? Dass sie Herr Priewe- ausgerechnet- sich gegen einen sol­chen Herr­li­chen Cha­rak­ter­dar­stel­ler wie den Sagran­ti­no di Mon­te­fal­co aus­spre­chen ? Ein Wein der noch nicht zu Tode gerich­tet wur­de durch den drö­gen Geschmeidigkeitseinheitsbre-i“Geschmack“…?
    Ein Wein der wann immer er mir begeg­net (in den ver­gan­ge­nen wochen 2 wei­ne von Anto­nel­li einer von Per­ti­ca­ia und einer von Adan­ti) woh­li­ge Schau­er über den Rücken wal­len lässt, gera­de WEIL er unan­ge­passt ist und selbst wenn die Aro­ma­ti­sche Kom­ple­xie­rung und also die Reife- lang­sam ! – vor­an­schrei­ten wie beim 2006er Ein­zel­la­gen­se­lek­ti­on Chi­u­sa di Pan­no­ne von Anto­nel­li (Himm­lisch!)
    die Tan­ni­ne eben immer noch sacht über dem Frucht­pe­gel ve3rnehmbar sind un noch Jah­re brau­chen biss Sie sich ein­ge­bun­den haben ins kom­ple­xe gan­ze ? Na Und?? Wer eine sol­chen Wein nicht zu schät­zen weiss und Ihm MINDESTENS 15 ja bes­ser 20 Jah­re Kel­ler­rei­fe gönnt in der Hofffnung den Tag selbst noch zu erle­ben da solch ein Gna­den­ge­schenk der Natur sich in volls­ter Schön­heit offen­bart, der soll sich um ande­re Din­ge kümmern- und die Wein­kul­tur denen über­las­sen, wel­che Wis­sen, was die­sel­be über­haupt ist- und zu denen Rech­nen Sie sich doch Herr Priewe ? (ich Sie bis­her übri­gens auch!)

    • Lie­ber Herr Hage,
      Sie haben sich sehr lei­den­schaft­lich für den Sagran­ti­no stark gemacht. Ich fin­de das sehr sym­pa­thisch. Das Pro­blem der heu­ti­gen Wein­welt sind ja nicht die vie­len schlech­ten Wei­ne, son­dern das Meer der uni­for­men Wei­ne, übri­gens auch auf hohem Niveau. Inso­fern ist das Ein­tre­ten für indi­vi­du­el­le Wei­ne und Wein­sti­le lobens­wert. Aber das darf ja nicht heis­sen, dass alles, was unan­ge­passt ist (oder auto­chthon), auch gut gefun­den wer­den muß. Vie­le Sagrantino-Weine sind, wenn sie jung getrun­ken wer­den, lei­der kein Genuß. Fin­de ich. Man trinkt prak­tisch nur Tan­nin. 15- oder 20jährige Sagran­ti­no gibt es nur weni­ge, die Appel­la­ti­on ist noch zu jung. Aus­nah­me Caprai. Trinkt man sei­ne 95er oder 97er, stellt man fest, dass die Frucht schon fast ver­blüht, das Tan­nin aber immer noch hart ist – auch nicht das, was man sich beim Kauf erhofft hat. Per­ti­ca­ia gehört zu den weni­gen Sagran­to­no, die ich schät­ze, Anto­nel­lis jün­ge­re Saran­ti­no auch (die älte­ren Jahr­gän­ge sind nicht son­der­lich auf­re­gend). Vor allem schät­ze ich Col­le­di­la – nach mei­nem Ein­druck der bes­te Betrieb der Zone. Bei Adan­ti fin­de ich den Mon­te­fal­co Ros­so am gelun­gens­ten, also jenen Wein, in dem die Sagrantino-Traube mit San­giove­se ver­schnit­ten wird. Ich fra­ge mich des­halb: War­um muß ein Sagran­ti­no unbe­dingt rein­sor­tig sein? Ist es ein Sakri­leg, die Auf­fas­sung zu ver­tre­ten, dass die meis­ten Sagrantino-Erzeuger bes­ser bera­ten wären, wenn sie ihr DOCG-Statut änder­ten und San­giove­se als Ver­schnitt­part­ner zulas­sen wür­den? Wäre das ein Kul­tur­ver­lust? Ich füch­te, in 15 oder 20 Jah­ren, wenn Sie glau­ben, dass das „Gna­den­ge­schenk“ Sagran­ti­no end­lich reif ist, wer­den die meis­ten Betrie­be von heu­te nicht mehr exis­tie­ren. Sie wer­den plei­te sein. Auf Dau­er wird auch Lidl (oder war es Aldi?) mit dem Sagran­ti­no nicht glück­lich wer­den, den ihm die Wein­pro­du­zen­ten der Zone man­gels Nach­fra­ge im Faß not­ver­kau­fen und der dann für 9,90 Euro beim Dis­coun­ter im Regal steht.

      • Sehr geehr­ter Herr Priewe! Herz­lichs­ten Dank für Ihre freund­li­che aus­führ­li­che stel­lung­nah­me! Das ist für mich eine beson­de­re Ehre da „Ita­li­ens Gro­ße Wei­ne“ in den 80ern für mich das 2. und mit abstand Wich­tigs­te „Ein­tritts­bil­let“ in die Welt der Ita­lie­ni­schen Wei­ne war (das ers­te war für mich als damals so 18-20 Jäh­ri­gem der herl­lich süf­fi­ge Bar­be­ra den ich bei mei­nem Lieb­lings­ita­lie­ner bei mei­nen Wöchent­lich Pizza-Freßattacken zu schät­zen lernte- etwas ande­res als die Dün­nen Badi­schen „Spät­bur­gun­der“ mei­ner Hei­mat die DAMALS gekel­tert wur­den…) Das Wis­sen das ich bei Ihnen auf­neh­men durf­te war unge­heu­er und beglei­tet mich bei mei­ner eige­nen re4ise durch die Welt der Wei­ne seither- Vie­len Dank ! Zu Ihren Bezug­nah­men zur Wirt­schaft­li­chen und Markt­li­chen Situa­ti­on weiss ich ehr­lich nichts zu Entgegnen- da muss ich betrübt Ihren Aus­füh­run­gen Glau­ben Schen­ken. Was die Lebens­er­war­tung von diver­sen Wei­nen angeht so habe ich vor 2 Jah­ren im Win­ter 12/13 mit gröss­tem Ver­gnü­gen eine flsche 94er von Caprai mit einem Freund geleert- -sicher wei­ter zu war­ten wäre unan­ge­bracht gewe­sen aber mit nomi­nell 18 Jah­ren war er kein biss­chen müde- die Tan­ni­ne sau­ber ein­ge­bun­den leicht Mür­be, die Aro­ma­tik wie ein schön gereif­ter San­giove­se PLUS ein kräf­ti­ger Schuß Pflau­me und leicht ins Led­ri­ge gehend- genau Das was ich sehr schät­ze! Jetzt hof­fe ich dass mei­ne fla­sche 25Anni die ich noch schlum­mern habe mich nicht ver­ra­ten wird… Was ich Sicher sagen möch­te ist dass mit so ca 350 Hekt­ar ?- Anbau­ge­biet von Sagran­ti­no die Mon­te­fal­co dies eh Nie ein „Welt­wein“ für Kre­ti und Ple­ti wer­den kann- zum Glück!
        Für die und die „Hap­py Few“ und die „Beau­ty and Rich“ gibt es ja die Marem­ma… Sie wer­den aus die­sen wor­ten her­aus­le­sen was ich von der Tau­sends­ten Merlot//Cabernet-Cuvee aus Mit­tel­ita­li­en halte- näm­lich rein Gar Nichts !
        Da sind mir Cha­rak­ter­ty­pen Tau­send­mal lie­ber !! Es müs­sen nicht immer die Tan­nin­hal­ti­gen Bro­cken sein- ein Rosso-Piceno aus den Mar­ken ist mir auch viel zu unter­be­wer­tet in der Wein­welt von so was wun­der­ba­rem wie einem KLa­cri­ma di Mor­ro d alba gar nicht zu rden usw… sie ver­ste­hen wo mei­ne Prä­fe­ren­zen lie­gen ?
        Sie haben ja einun­ge­heu­er Umfang­rei­ches Glos­sar auf­ge­baut mit Cha­rak­te­ri­sie­run­gen vo nWei­nen und reben wel­che ich sehr schät­ze. Zum bei­spiel mei­ne gelieb­ten Aglai­ani­co der Tra­di­tio­ne­len eher hell­far­be­ne­ren Spielart- auch da: beim Ping­Pong Tra­di­ti­on ver­sus Moder­ne bin ich Idealistisch-verliebt bei den Tra­di­tio­na­lis­ten anzu­tref­fen (Taurasi-Riserva von Sal­va­to­re Molettieri/ Tenuta Cin­que Querce- usw…hmmm) Und beson­ders freue ich mich dass in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so vie­le alte Reb­sor­ten des Ita­lie­ni­schen südens wie­der­ent­deckt wurden- lang sol­len Sie leben! Nichts ande­res woll­te ich mit mei­nem Leser­brief ins­ge­samt zum Aus­druck bringen- auf dass die Wein­viel­falt Ita­li­ens und ande­rer Län­der noch lan­ge lebe- Salu­te ! Ihnen sehr Ver­bun­den, Ihr: Dani­el Hage
        (P.S. Bald 30 Jah­re nach „Ita­li­ens Gro­ße Wei­ne“ müss­te es doch Irgend­wann eine Ne3uausgabe/auflage, geben mit viel mehr Raum für die Wei­ne des Mez­zo­gior­no !?)

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