Die Preise Burgund, Bordeaux, Champagne befinden sich auf dem tiefsten Stand der letzten drei Jahre, konstatiert die Londoner Fine Wine-Börse Liv-Ex
Auf der Fine Wine Plattform Liv Ex werden Weine wie an einer Börse gehandelt, und zwar rund um die Uhr. Für viele Beobachter und Marktakteure ist Liv-Ex deshalb der zuverlässigste Seismograph für die Entwicklung auf den Märkten für feine Weine. 2022 hatten die Indizes für die 50 beziehungsweise 1000 wichtigsten Weine der Welt (nach Marktwert) ihren Höchststand erreicht. Danach ging es kontinuierlich bergab. Da Burgunder und Champagner im Bullenmarkt 2020–2022 die stärksten Preissteigerungen verzeichnet hatten, traf es sie im Abschwung auch am härtesten. Roederer Cristal, Champagne Salon und Taittinger gehörten zu den am stärksten betroffenen Weinen, jeweils mit Preisrückgängen von über 30 Prozent. Am stärksten fielen die Jahrgangchampagner von Cristal 2012 und Salon 2008.
Burgund und Bordeaux leiden derzeit am meisten
In Burgund traf es Domaine Georges Roumier am härtesten: Die Jahrgänge 2013, 2014 und 2015 belegen die letzten drei Plätze aller Weine des Burgundy-Indexes 150 mit Abschlägen von über 50 Prozent. Armand Rousseau musste ebenfalls rund 40 Prozent abgeben. Auch die Premiers Crus aus Bordeaux haben massiv Federn gelassen. Insbesondere die Zweitweine verzeichneten starke Rückgänge. Die Jahrgänge 2018 und 2019 waren mit Abschlägen von 25 Prozent bzw. 30 Prozent besonders stark betroffen, während frühere Jahrgänge wie 2013 und 2014 etwas widerstandsfähiger waren und um weniger als 16 Prozent fielen. Die Konsumenten werden von dem Wertverlust allerdings kaum profitieren. Denn die (zu) teuer eingekauften Weine liegen wie Blei in den Kellern der Händler und fließen nur langsam ab.
Künstliche Verknappung hält die Preise höher als nötig
Überhaupt verliert Bordeaux nach wie vor Marktanteile im internationalen Weinmarkt. Die misslungene En Primeuer-Kampagne für den 2024er und die viel zu hohen Preise, mit denen die Chateaux den Jahrgang 2022 angeboten hatten, haben der Nachfrage massiv geschadet. Bevor sie ihren Wein mit Abschlägen auf den Markt bringen, halten die Chateaux ihn in der Hoffnung auf bessere Zeiten zurück. Ob die bald kommen, steht angesichts der wirtschaftlichen Großwetterlage und der politischen Unsicherheiten in den Sternen. Im Moment gilt noch das Gesetz der hohen Preise durch künstliche Verknappung.
„Andere Herkünfte“ auf dem Vormarsch
Gepunktet haben unterdessen die Weine anderer Herkünfte, die Liv-Ex unter der Bezeichnung „Rest der Welt“ zusammenfasst. Dazu zählen die Weine von Vega Sicilia, Opus One und vor allem die Blue Chips aus Italien, allen voran Giacomo Conternos Barolo Riserva Monfortino und Frescobaldis Masseto. Die größten Volumenzuwächse auf dem Fine Wine-Markt verzeichneten zuletzt preiswertere, weniger ikonische Weine wie zum Beispiel der Barbaresco von Produttori del Barbaresco, die Brunello von Argiano und Fuligni, der Supertucan Testamatta von Bibi Graetz und Antinoris Tignanello.
Vorsichtiger Optimismus zum Jahresende angesagt
In seinem Report zum Jahresende signalisiert Liv-Ex jetzt allerdings vorsichtigen Optimismus. Die wichtigsten Liv-ex-Indizes – der Liv-ex 50, 1000 und Bordeaux 500 – verzeichneten erstmals seit Anfang 2023 wieder Zuwächse. Heisst: Die Preise für wichtige Weine scheinen sich zu stabilisieren, also Bordeaux, Burgund, Champagne. Vor allem aus Großbritannien und aus Asien sei eine vorsichtige Nachfrage spürbar. Ob dies das Ende des aktuellen Marktrückgangs markiert, bleibe jedoch ungewiss. Es gibt keine Ampel, die anzeigt, wann der Tiefpunkt erreicht ist. Sollten die Preise weiterhin auf ihrem niedrigen Niveau verharren, werden vielleicht auch Endkunden Gelegenheit haben, von der Baisse zu profitieren. Denn der Nachkauf der Weine gestaltet sich für den Handel jetzt wesentlich günstiger als vor einem Jahr oder zwei Jahren. Dann könnten die Preise wirklich purzeln.








































































