Wein-News Frankreich

Fehlendes Degorgierdatum: Viele alte Champagner auf dem Markt?

Reihen von Champagnerflaschen
Silvester ist Champagner-Zeit. Doch Ärger ist vorprogrammiert. Experten warnen: Zum Jahreswechsel 2010/2011 stehen viele Ladenhüter im Regal. Die Flaschen, die im letzten Jahr wegen der Wirtschaftskrise liegen blieben, werden jetzt abverkauft. Da 90 Prozent der Champagner jahrgangslos sind und auf dem Rücketikett kein Degorgierdatum tragen, wissen die Konsumenten erst nach dem Öffnen, ob sie einen frischen jungen oder einen faden alten Champagner gekauft haben.

Sil­ves­ter ist Champagner-Zeit. Doch Ärger ist pro­gram­miert. Exper­ten war­nen: Zum Jah­res­wech­sel 2010/2011 ste­hen vie­le Laden­hü­ter im Regal. Die Fla­schen, die im letz­ten Jahr wegen der Wirt­schafts­kri­se lie­gen blie­ben, wer­den jetzt abver­kauft. Da 90 Pro­zent der Cham­pa­gner jahr­gangs­los sind und auf dem Rücke­ti­kett kein Degor­gi­er­da­tum tra­gen, wis­sen die Kon­su­men­ten erst nach dem Öff­nen, ob sie einen fri­schen jun­gen oder einen faden alten Cham­pa­gner gekauft haben.

ChampagnerflaschenAnto­nio Gal­lo­ni, der für den ame­ri­ka­ni­schen Wein­kri­ti­ker Robert Par­ker Cham­pa­gner tes­tet, ärgert sich maß­los: „Auf mei­ner fran­zö­si­schen But­ter steht das Verpackungs- und Min­dest­halt­bar­keits­da­tum“, berich­tet er in der Dezember-Ausgabe des elek­tro­ni­schen News­let­ters www.erobertparker.com. „Dass der Ver­brau­cher auf einer Cham­pa­gner­fla­sche, die das Zehn­fa­che kos­tet, nichts der­glei­chen vor­fin­det, regt mich auf.“

Er hat Recht. Jahr­gangs­lo­se Cham­pa­gner, die fast 90 Pro­zent des Mark­tes aus­ma­chen, tra­gen fast nie das Degor­gi­er­da­tum auf dem Rücke­ti­kett. Das Degor­gi­er­da­tum ist der Zeit­punkt, zu dem der Cham­pa­gner vom Kel­ler­meis­ter für trink­reif erklärt, von der Hefe befreit (degor­gi­ert) und end­ver­korkt wird, um danach in den Ver­kauf zu gehen. An die­sem Datum kann man erken­nen, wie jung oder wie alt ein Cham­pa­gner ist.

Grund­sätz­lich gilt, dass der Zeit­punkt des Degor­gie­rens nicht mehr als 12 Mona­te zurück­lie­gen soll­te – nach Mög­lich­keit weni­ger. Je dich­ter das Degor­gi­er­da­tum und das Datum des Kon­sums zuein­an­der lie­gen, des­to fri­scher ist der Cham­pa­gner.

Rücketikett Cava BohegaVor allem die preis­wer­ten Marken-Champagner und die Han­dels­mar­ken ver­lie­ren schon nach weni­ger als einem Jahr ihre pri­ckeln­de Fri­sche. Sie ten­die­ren farb­lich ins Gold­gel­be, zei­gen plötz­lich Petrol­no­ten, rie­chen mög­li­cher­wei­se unfrisch und alt. Auch  die teu­ren Cham­pa­gner der berühm­ten Mar­ken sind gegen das schnel­le Altern nicht immer gefeit. Wäh­rend ein­zel­ne Mar­ken drei oder auch vier Jah­re nach dem Degor­gie­ren pro­blem­los frisch blei­ben, ver­lie­ren ande­re schnell an Sprit­zig­keit und Fines­se – beson­ders dann, wenn sie nach dem Degor­gie­ren län­ger als nötig im Kel­ler gele­gen haben.

Genau das ist in den letz­ten 18 Mona­ten pas­siert. 2009 war das schlech­tes­te Champagner-Jahr seit lan­gem. Die Welt­wirt­schafts­kri­se hat­te zu einer Absatz­kri­se beim Cham­pa­gner geführt. Anfang 2010 lagen nach Anga­ben der Cham­pa­gner­in­dus­trie noch 1,5 Mil­li­ar­den Fla­schen unver­kauft in den Krei­de­kel­lern in und um Reims. Danach erhol­te sich die Cham­pa­gner­in­dus­trie. Die Nach­fra­ge zog an, die Stocks wur­den lang­sam abge­baut. Das heißt: Gro­ße Men­gen von Alt-Champagner flos­sen auf den Markt – und befin­den sich dort ver­mut­lich noch immer.

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