2023 war in Bolgheri ein sehr guter, aber kein großer Jahrgang. Der neuen Stilistik des Ornellaia kommt das sehr entgegen.
Touristisch war 2023 ein Bilderbuchsommer: heiß, aber ohne Extreme und ohne Regen. Besser konnte das Wetter für einen Strandurlaub an der toskanischen Mittelmeerküste nicht sein. Als sich der Himmel dann Ende August eintrübte und ein paar Regentropfen fielen, waren die Urlauber längst wieder weg – die italienischen jedenfalls. Die Anderen, die noch da waren, erlebten einen wunderschönen, spätsommerlichen September mit kühlen Nächten ohne Hitzestress und blauem Himmel tagsüber. Ein Italienträumchen.
2023 Ornellaia Bolgheri Superiore
Die Reben müssen den Sommer ähnlich genossen haben. Kein Trockenstress, sondern mild-warmes Klima, in dem die Trauben langsam ausreifen konnten. Und da im Frühjahr, also in der Vegetationsperiode, viel Regen gefallen war, waren die Wasserreserven im Boden ausreichend, um die Rebstöcke während des Sommers zu versorgen. Die Lese begann für Bolgheri-Verhältnisse relativ spät, nämlich erst am 15. September – zwei Wochen später als im Vorjahr. Dann aber wurden die Trauben zügig eingebracht, um Alkoholexzesse zu vermeiden und die Frische zu bewahren. Diesmal war es die außerordentliche Qualität der Cabernet Sauvignon, die den Jahrgang geprägt hat (entsprechend weniger Cabernet franc enthält der Jahrgang). Herausgekommen ist am Ende ein Wein, der sich weniger durch Struktur, sondern durch seine natürliche Eleganz auszeichnet. Monica Larner, die für Robert Parker degustiert, hat ihm sogar noch einen Punkt mehr gegeben als dem Ornellaia aus dem gemeinhin als „groß“ geltenden Jahrgang 2022, nämlich 98/100. Ich würde nicht ganz so weit gehen und würde, wenn ich eine Bewertung abgeben müsste, ihm 97/100 zugestehen – genauso viel wie dem Vorgänger. Damit ist allerdings klar, dass der 2023 Ornellaia in jedem Fall ein grandioser Wein ist.
97/100

Ein Wein ohne Unwuchten mit perfekter Balance
Marco Balsimelli, der Winemaker, bezeichnet 2023 als „klassischen“ Jahrgang. Gemeint ist, dass er aufgrund der moderaten September-Temperaturen eine perfekte Balance besitzt von Körper, Alkohol, Säure und Frucht. Daraus resultiert die natürliche Eleganz, das seidige Tannin, die reife Säure, die präzise Frucht mit viel schwarzer Johannisbeere, Piniennadeln, jodig-salziger Würze und der straffen Dichte. Der Wein besitzt keine Unwuchten, sondern läuft ruhig und glatt über den Gaumen. Ein Ornellaia nach dem Geschmack der internationalen Weinklientel, die perfekte, makellose Weine liebt und bereit ist, dafür viel Geld hinzublättern (der Preis für den 2023er dürfte, wenn der Wein im Regal steht, in Richtung 300 Euro gehen). Ihm fehlt vielleicht die Fülle, mit der der 2022er prunken kann, dafür besitzt er eine enorme Tiefe. Ich glaube, dass die klimatischen Voraussetzungen für Eleganz in 2023 besser waren als in 2022 (deshalb haben wir für diesen Artikel auch die Überschrift elegant by nature gewählt).
2016 Ornellaia Bolgheri Superiore
Vorgestellt wurde der Wein diesmal im 2 Sterne Michelin-Restaurant Konstantin Filippou in Wien. Und es war nicht nur der 2023er, der ins Glas kam. Balsimelli und Lamberto Frescobaldi als Präsident der Marchesi Frescobaldi-Gruppe öffneten noch ein paar ältere Jahrgänge, um das Entwicklungspotenzial des Ornellaia zu demonstrieren. Der 2016er gilt toskanaweit als der größte Jahrgang der letzten 20 Jahre, und der Ornellaia machte ihm alle Ehre. Er ist der Inbegriff eines vertikalen Weins, der Eleganz mit Fülle und Tanninstrktur verbindet: Veilchenduft in der Nase, kraftvoll und strukturiert am Gaumen, konzentriert, fleischig, hochkomplex. Ein dramatischer Wein, stark geprägt von Merlot und Cabernet franc
98/100
2013 Ornellaia Bolgheri Superiore
Ein in der gesamten Toskana überschätzter Jahrgang, so auch bei Ornellaia. Der zeitweise extrem heiße und trockene Sommer hat den Stoffwechsel der Reben zu Beginn der Reifephase immer wieder zum Erliegen gebracht. Im kühlen September konnten die Trauben jedoch gut ausreifen. Die Lese begann spät, die Merlot ist dank guter Qualität überproportional stark in der Assemblage vertreten (38%). Der Wein besitzt eine kräftige Struktur und eine gute Frische, geblieben sind nur einige grüne Noten und ein hartes, trockenes Tannin. Trotz guter Konzentration (dank geringen Ertrags) insgesamt ein rustikaler Wein mit delikater Frucht, relativ kurz im Abgang.
93/100
2009 Ornellaia Bolgheri Superiore
Ein Old-Style-Ornellaia, wie er typischer kaum sein kann: dunkle Farbe, komplexes Bouquet von Brombeeren und Preisselbeeren, Süßlakritz, poliertes Leder, üppiger Körper, hohe Konzentration bei relativ niedriger Säure. Ein dramatisch voller, ja opulenter Wein aus einem unnormal warmen Jahrgang, in dem die Merlot bereits Ende August, die Cabernet franc und die Petit Verdot nach einer langen Lesepause erst am 6. Oktober eingebracht wurden. Die beiden letzteren Sorten haben dem Wein den nötigen Tick an Frische und Würze gegeben.
97/100
2004 Ornellaia Bolgheri Superiore
Dieser Wein aus dem guten, aber nicht großen Jahrgang 2004 ist jetzt perfekt: mittlerer Körper mit fein ausgeprägten Nuancen, im Bouquet reife Waldbeeren, Kirschen, heller Tabak, dazu ein Gewürzstrauß von Thymian, Nelken, Curry. Jammy Sweetness sagte Marco Balsimelli dazu. Auf jeden Fall ein Wein, der einen ungeheuren Charme versprüht. Er tritt jetzt in die letzte Reifephase ein, in der er voraussichtlich noch zehn Jahre bleiben wird. Er ist sicher nicht der größte Ornellaia der letzten Jahre, aber wenn man einen Wein für heute Abend braucht, gäbe es keine bessere Wahl.
95/100
Folgende Händler führen den Ornellaia im Sortiment (der 2023er ist derzeit noch nicht angekommen):
www.bremer-weinkeller.de, www.unger-weine.de, www.c-und-d.de, www.gute-weine.de, www.moevenpick.wein.de, www.tesdorpf.de, www.getraenkewelt-weiser.de, www.genuss7.de, www.pese-wein.de, www.lieblings-weine.de, www.silkes-weinkeller.de, www.weinhandel-fertsch.de, www.vinum-maximum.de, www.weinfreunde.de, www.weinco.de, www.vinello.de, www.bindella.ch, www.vinorama.at







































































