Doppio Passo: Darum ist er jetzt in aller Munde

Doppio Passo Flaschen
Ein cremefarbenes Etikett mit drei Worten in rubinroten Lettern: Doppio Passo und Primitivo. So heißt einer der beliebtesten Rotweine in Deutschland. Hier erfahren Sie alles, was Sie über diesen Kultwein wissen müssen.

Wein­ken­ner oder nicht, die Fla­sche des Dop­pio Pas­so Pri­mi­tivo haben Sie bestimmt schon mal gese­hen. Viel­leicht haben Sie die den Wein schon, der zu den best ver­kauf­ten Rot­wei­nen in Deutsch­land gehört. Wenn Sie noch ein biss­chen mehr über ihn wis­sen wol­len, etwa wie der Pri­mi­tivo Dop­pio Pas­so her­ge­stellt wird, dann sind Sie hier gold­rich­tig.

Doppio Passo ist eine Marke, kein Herstellungsverfahren

Zur Klä­rung vor­weg: Dop­pio Pas­so ist der Name einer Mar­ke, nicht einer Her­stel­lungs­wei­se. Es gibt genau fünf Rot- und Roséwei­ne, die unter dem Begriff Dop­pio Pas­so auf den Markt kom­men: drei rote Pri­mi­tivo, einen Rosé Pri­mi­tivo und einen roten Negro­ama­ro. Die Mar­ke gehör­te jahr­zehn­te­lang der Casa Vini­co­la Bot­ter, einer gro­ßen Kel­le­rei in Nord­ita­li­en, die 1928 gegrün­det wur­de und und im süd­ita­lie­ni­schen Apu­li­en ein Wein­gut namens Dop­pio Pas­so besaß. Dop­pio Pas­so hat also nichts mit Ripas­so oder Appas­si­men­to zu tun – Her­stel­lungs­tech­ni­ken, bei denen geschrum­pel­te, ein­ge­trock­ne­te Trau­ben eine Rol­le spie­len und die für Rot­wei­ne wie den Ama­ro­ne aus dem Val­po­li­cel­la ange­wen­det wer­den. Dop­pio Pas­so ist ein Begriff, der heu­te vor allem im Fuß­ball ver­wen­det wird. Er bedeu­tet “Dop­pel­pass”. Damals hin­ge­gen war Dop­pio Pas­so eine Meta­pher für eine beson­ders gelun­ge­ne Arbeits­ko­ope­ra­ti­on im Sin­ne von Team­work, wie sie die Ehe­leu­te Car­lo und Maria Bot­ter prak­ti­zier­ten, die Besit­zer des Wein­guts. Auf sie geht der Begriff zurück.

Rotkäppchen-Mumm hat die Marke gekauft

Die Casa Vini­co­la Bot­ter wird noch heu­te von der Fami­lie Bot­ter gelei­tet, die ihren Sitz in Pie­ve di Fos­s­al­ta hat, nicht weit von den Strän­den von Jeso­lo und Ligna­no ent­fernt. Die Mar­ke Dop­pio Pas­so gehört hin­ge­gen den deut­schen Rotkäppchen-Mumm Sekt­kel­le­rei­en in Elt­vil­le. Die­ses größ­te Kel­le­rei­un­ter­neh­men Deutsch­lands hat 2020 mit Casa Vini­co­la Bot­ter eine gemein­sa­me Gesell­schaft namens Dop­pio Pas­so gegrün­det, die für die Ver­mark­tung des Weins zustän­dig ist. Das bedeu­tet: Die Dop­pio Passo-Weine wer­den nach wie vor in der gleich­na­mi­gen Kel­le­rei in Apu­li­en pro­du­ziert. Ver­mark­tet wer­den die Wei­ne aber von der neu­en Gesell­schaft unter Betei­li­gung von Rotkäppchen-Mumm.

Die Herstellung des Doppio Passo

Der Dop­pio Pas­so Pri­mi­tivo wird in zwei Schrit­ten her­ge­stellt – inso­fern paßt der Name zur Her­stel­lungs­wei­se. Anfang Sep­tem­ber wer­den die Primitivo-Trauben , kaum dass sie reif sind, geern­tet und ganz nor­mal wie ein Rot­wein mai­sche­ver­go­ren, also ohne Stie­le und mit Scha­len. Der zwei­te Teil der Trau­ben bleibt zunächst hän­gen und reift wei­ter. Er wird rund zehn Tage spä­ter mit höhe­ren Zucker­wer­ten geern­tet. Das Resul­tat: eine süße Spät­le­se, die zusam­men mit der ers­ten Par­tie ver­schnit­ten den Dop­pio Pas­so ergibt: einen leicht rest­sü­ßen Rot­wein mit mode­ra­ten 13 Vol.% Alko­hol.


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Die Rebsorte: Doppio Passo ist Primitivo…ist Zinfandel…ist Crljenak kastelanski

Dop­pio Pas­so – Pri­mi­tivo, so steht es nicht nur in roten Let­tern auf dem Eti­kett des ein­gangs erwähn­ten Klas­si­kers. Her­stel­lungs­me­tho­de und Reb­sor­te schei­nen auf natür­li­che Wei­se mit­ein­an­der ver­bun­den. Den Gegen­be­weis lie­fert der 2014er Dop­pio Pas­so Riser­va Brin­di­si DOC aus den Reb­sor­ten Mal­va­sia Nera und Negro­ama­ro – aber das nur am Ran­de.

Die in Süd­ita­li­en ver­brei­te­te Primitivo-Traube ist und bleibt die typi­sche Dop­pio Pas­so-Reb­sor­te, bei der es sich lohnt, ein­mal genau­er hin­zu­schau­en. Denn der ita­lie­ni­sche Pri­mi­tivo ist tat­säch­lich gene­tisch iden­tisch mit dem kali­for­ni­schen Zin­fan­del und der kroa­ti­schen Crl­je­n­ak kastelanski-Rebe (tsurl-ye-nak kas-tel-yanskee). Bis die­se wirk­lich auf­se­hen­er­re­gen­de Tat­sa­che fest­stand, hat­te man auf dem Weg der Erkennt­nis­ge­win­nung aller­dings ein paar Umwe­ge ein­ge­schla­gen. Zuerst hieß es: Zin­fan­del ist Pri­mi­tivo. Dann wur­de die­se Theo­rie wie­der ver­wor­fen und man fand her­aus, dass Zin­fan­del eigent­lich mit der kroa­ti­schen Trau­be, Pla­vac Mali, iden­tisch ist. Lei­der war auch das nicht rich­tig. Die Debat­te über die Her­kunft des Pri­mi­tivo, die haupt­säch­lich durch die Kon­kur­renz zwi­schen ita­lie­ni­schen Primitivo-Produzenten und kali­for­ni­schen Zinfandel-Produzenten ange­feu­ert wur­de, war über Jahr­zehn­te lei­den­schaft­lich, manch­mal hit­zig, geführt wor­den.

Primitivo ist eine kroatische Traubensorte

2001 war schließ­lich Schluss damit. Seit­dem weiß man, dass die unter­schied­li­chen Namen (Pri­mi­tivo, Zin­fan­del, Crl­je­n­ak kas­tel­an­ski) eine gene­tisch iden­ti­sche Reb­sor­te bezeich­nen. Ein Team aus For­schern und For­sche­rin­nen um die ame­ri­ka­ni­sche Gene­ti­ke­rin Caro­le Mer­edith konn­te durch den Fund der kroa­ti­schen Reb­sor­te und einer anschlie­ßen­den DNA-Analyse den Beweis für die­se Theo­rie lie­fern. Die Fra­ge, woher die Reb­sor­te nun ursprüng­lich stammt, kann heu­te auf­grund des jüngs­ten DNA-Nachweises mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit abschlie­ßend beant­wor­tet wer­den: die Reb­sor­te stammt aus Kroa­ti­en – also weder aus Ita­li­en noch aus dem ame­ri­ka­ni­schen Kali­for­ni­en.

Der Charakter: Viel Frucht, satte Tannine und etwas mehr Alkohol

Ganz gleich woher die Reb­sor­te ursprüng­lich stammt, unum­strit­te­ne Hei­mat des Pri­mi­tivo ist heu­te der süd­ita­lie­ni­sche Stie­fel­ab­satz, die Halb­in­sel Salen­to. Die für die Her­stel­lung von Dop­pio Passo-Weinen vor­ge­se­he­nen Primitivo-Trauben pro­fi­tie­ren vom war­men, tro­cke­nen Kli­ma, vie­len Son­nen­stun­den und den Böden aus Kalk­stein­fel­sen, Lehm oder Sand­stein, die den Trau­ben zu kräf­ti­gen Aro­men und viel Struk­tur ver­hel­fen. Die­se Trau­ben erge­ben Wei­ne mit viel Frucht, sat­ten Tan­ni­nen und einem etwas erhöh­tem Alko­hol­ge­halt. Vor allem die Bee­ren, die etwas spä­ter geern­tet wer­den, wei­sen dank des Flüs­sig­keits­ver­lus­tes eine höhe­re Kon­zen­tra­ti­on an Aro­men und einen höhe­ren Zucker­ge­halt auf. Die­se Eigen­schaf­ten der Bee­ren sind im Ver­lauf der Vini­fi­ka­ti­on für die Ent­wick­lung einer kom­ple­xe­ren Struk­tur des Wei­nes und für den leicht erhöh­ten Alko­hol­ge­halt ver­ant­wort­lich. Der für Rot­wein eigent­lich noch mode­ra­te Alko­hol­wert von 13 Vol.% wird aber sel­ten über­schrit­ten.

Unter­bo­ten wird die­ser Wert von einem als Roséwein gekel­ter­tem Dop­pio Pas­so Rosa­to aus 100% Primitivo-Traube. Der lachs­far­be­ne Rosé­ton im Glas wird beglei­tet von einer voll­mun­di­gen Struk­tur und fruch­ti­gen Aro­men von Brom­bee­ren und Johan­nis­bee­ren – untrüg­li­che Spu­ren der Primitivo-Rebe. Den Dop­pio Pas­so Pri­mi­tivo gibt es auch in Bio-Qualität. Er ist tro­cken und wird aus 100% bio­lo­gisch ange­bau­ten Primitivo-Trauben erzeugt. Zu die­sem eben­falls tief­dunk­len, voll­mun­di­gen Rot­wein mit der klas­si­schen Beeren-Note der Primitivo-Traube passt dunk­les Fleisch oder kräf­ti­ger Käse.


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