Doppio Passo: Darum ist er jetzt in aller Munde

Doppio Passo Flaschen
Drei rubinrote Wörter heben sich deutlich von dem cremefarbenen, mit Ornamenten verzierten Etikett ab: Doppio Passo – Primitivo. Das sagt zwar nicht viel, aber eigentlich alles was man über diesen fabelhaft fruchtbetonten, dichten Wein mit kräftigen Tanninen wissen muss.

Wein­ken­ner oder nicht, die Fla­sche des sor­ten­rei­nen Dop­pio Pas­so Pri­mi­tivo Salen­to haben Sie bestimmt schon mal gese­hen. Viel­leicht haben Sie die Fla­sche mit dem anti­ken Look, auf der Suche nach einem gehalt­vol­len, aber erschwing­li­chen Rot­wein, auch bereits in Ihren off- oder online Waren­korb gelegt.

Wenn Sie doch noch ein biss­chen mehr dar­über wis­sen wol­len, was genau sich hin­ter der tra­di­tio­nel­len Her­stel­lungs­me­tho­de des Dop­pio Pas­so ver­birgt und inwie­fern sie sich von den Metho­den Appas­si­men­to und Ripas­so unter­schei­det, sind Sie hier gold­rich­tig.

Obwohl der Wein an sich kein Geheim­tipp mehr sein dürf­te, kön­nen Sie Ihre Wein­freun­de und Wein­freun­din­nen viel­leicht noch mit dem pas­sen­den Wein­wis­sen über­ra­schen.


Die Herstellungsweise: Doppio Passo – nicht Appassimento, nicht Ripasso

Appas­si­mane­to, Ripas­so und Dop­pio Pas­so klin­gen für deut­sche Ohren zum Ver­wech­seln ähn­lich. Die Begrif­fe bezie­hen sich aller­dings auf unter­schied­li­che Her­stel­lungs­me­tho­den im Wein­bau, die in unter­schied­li­chen Regio­nen Ita­li­ens prak­ti­ziert wer­den.

Appassimento

Appas­si­men­to, zu Deutsch ‚welk wer­den‘ oder ‚aus­dör­ren‘, ist eine Metho­de, die bei der Her­stel­lung von Amarone-Weinen im nord­ita­lie­ni­schen Val­po­li­cel­la (Vene­ti­en) ange­wandt wird. Die Wein­bee­ren (z.B. Cor­vina Vero­ne­se) wer­den dabei spät gele­sen und zusätz­lich noch­mal für bis zu 100 Tage auf Holz­ge­stel­len aus­ge­legt und getrock­net. Die sehr kon­zen­trier­ten, süßen Bee­ren erin­nern danach eher an Rosi­nen, als an saf­ti­ge Trau­ben.

Ripasso

Die Ripas­so-Metho­de, was so viel heißt wie ‚erneu­ter Durch­gang‘, hängt direkt mit der Pro­duk­ti­on des Ama­ro­ne zusam­men. Der Ripas­so del­la Val­po­li­cel­la (Vene­ti­en) wird auf dem Tres­ter (den beim Kel­tern anfal­len­den fes­ten Rück­stän­den) des Ama­ro­ne noch ein­mal ver­go­ren. Der Ripas­so erhält dadurch dich­te­re Aro­men, ist aber ins­ge­samt leich­ter und vor allem preis­wer­ter als der Ama­ro­ne.

Doppio Passo

Dop­pio Pas­so, wört­lich ‚dop­pel­ter Gang‘, ist ein Her­stel­lungs­ver­fah­ren, wel­ches vor allem im süd­ita­lie­ni­schen Apu­li­en prak­ti­ziert wird. Die im Salen­to – dem Stie­fel­ab­satz Ita­li­ens – bes­tens gedei­hen­de Reb­sor­te Pri­mi­tivo wird zwei­fach und unter Ein­satz unter­schied­lich rei­fer Bee­ren ver­go­ren. Das Trau­ben­ma­te­ri­al für die Dop­pio Pas­so-Wei­ne wird zu zwei unter­schied­li­chen Zeit­punk­ten gele­sen. Die ers­te Lese fin­det am Höhe­punkt der Rei­fung der Bee­ren im August statt, die zwei­te Lese drei bis vier Wochen spä­ter. Die zunächst voll­rei­fen Bee­ren trock­nen also bis zum zwei­ten Lese­zeit­punkt an der Rebe aus. Sie ver­lie­ren etwas von ihrer Flüs­sig­keit, schrum­peln und lan­den erst dann aus­ge­stat­tet mit kon­zen­trier­ten Aro­men in der Kel­ter. Der bereits ver­go­re­ne Most aus den zuerst geern­te­ten Trau­ben wird unter Zuga­be des Mos­tes aus den Trau­ben der zwei­ten Lese ein zwei­tes Mal ver­go­ren. Der dop­pel­te Gang (Dop­pio Pas­so) sorgt für ein inten­si­ves, dich­tes Geschmacks­pro­fil im End­pro­dukt.

Neben der begriff­li­chen Nähe zwi­schen Appas­si­mane­to, Ripas­so und Dop­pio Pas­so spielt die Reduk­ti­on der Flüs­sig­keit in den Bee­ren für alle Her­stel­lungs­me­tho­den eine Rol­le. Jedoch sind Dau­er und Ort der Aus­trock­nung unter­schied­li­cher Natur. Die Bee­ren für die Her­stel­lung des Ama­ro­ne (und für den Ripas­so) trock­nen erst nach der Lese und in der Regel über einen län­ge­ren Zeit­raum. Für die Berei­tung von Dop­pio Pas­so-Wei­nen blei­ben die Trau­ben hin­ge­gen einen knap­pen Monat län­ger an der Rebe, um dort Flüs­sig­keit zu ver­lie­ren und dich­te­re Aro­men zu ent­wi­ckeln.


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Die Rebsorte: Doppio Passo ist Primitivo…ist Zinfandel…ist Crljenak kastelanski

Dop­pio Pas­so – Pri­mi­tivo, so steht es nicht nur in roten Let­tern auf dem Eti­kett des ein­gangs erwähn­ten Klas­si­kers. Her­stel­lungs­me­tho­de und Reb­sor­te schei­nen auf natür­li­che Wei­se mit­ein­an­der ver­bun­den. Den Gegen­be­weis lie­fert der 2014er Dop­pio Pas­so Riser­va Brin­di­si DOC aus den Reb­sor­ten Mal­va­sia Nera und Negro­ama­ro – aber das nur am Ran­de.

Die in Süd­ita­li­en ver­brei­te­te Pri­mi­tivo-Trau­be ist und bleibt die typi­sche Dop­pio Pas­so-Reb­sor­te, bei der es lohnt ein­mal genau­er hin­zu­schau­en. Denn der ita­lie­ni­sche Pri­mi­tivo ist tat­säch­lich gene­tisch iden­tisch mit dem kali­for­ni­schen Zin­fan­del und der kroa­ti­schen Crl­je­n­ak kastelanski-Rebe (tsurl-ye-nak kas-tel-yanskee). Bis die­se wirk­lich auf­se­hen­er­re­gen­de Tat­sa­che fest­stand, hat­te man auf dem Weg der Erkennt­nis­ge­win­nung aller­dings ein paar Umwe­ge ein­ge­schla­gen. Zuerst hieß es: Zin­fan­del ist Pri­mi­tivo. Dann wur­de die­se Theo­rie wie­der ver­wor­fen und man fand her­aus, dass Zin­fan­del eigent­lich mit der kroa­ti­schen Trau­be, Pla­vac Mali, iden­tisch ist. Lei­der war auch das nicht ganz rich­tig. Die Debat­te über die Her­kunft des Pri­mi­tivo, die haupt­säch­lich durch die Kon­kur­renz zwi­schen ita­lie­ni­schen Primitivo-Produzenten und kali­for­ni­schen Zinfandel-Produzenten ange­feu­ert wur­de, war über Jahr­zehn­te lei­den­schaft­lich, manch­mal hit­zig, geführt wor­den.

2001 war schließ­lich Schluss damit. Seit­dem weiß man, dass die unter­schied­li­chen Namen (Pri­mi­tivo, Zin­fan­del, Crl­je­n­ak kas­tel­an­ski) eine gene­tisch iden­ti­sche Reb­sor­te bezeich­nen. Ein Team aus For­schern und For­sche­rin­nen um die ame­ri­ka­ni­sche Gene­ti­ke­rin, Caro­le Mer­edith, konn­te durch den Fund der kroa­ti­schen Reb­sor­te und einer anschlie­ßen­den DNA-Analyse den Beweis für die­se Theo­rie lie­fern. Die Fra­ge, woher die Reb­sor­te nun ursprüng­lich stammt, kann heu­te auf­grund des jüngs­ten DNA-Nachweises mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit abschlie­ßend beant­wor­tet wer­den: die Reb­sor­te stammt aus Kroa­ti­en – also weder aus Ita­li­en noch aus dem ame­ri­ka­ni­schen Kali­for­ni­en.


Der Charakter: Viel Frucht, satte Tannine und etwas mehr Alkohol

Ganz gleich woher die Reb­sor­te ursprüng­lich stammt, unum­strit­te­ne Hei­mat des Pri­mi­tivo ist heu­te der süd­ita­lie­ni­sche Stie­fel­ab­satz, die Halb­in­sel Salen­to. Die für die Her­stel­lung von Dop­pio Pas­so-Wei­nen kul­ti­vier­ten Primitivo-Trauben pro­fi­tie­ren vom war­men, tro­cke­nen Kli­ma, vie­len Son­nen­stun­den und den Böden aus Kalk­stein­fel­sen, Lehm oder Sand­stein, die den Trau­ben zu kräf­ti­gen Aro­men und viel Struk­tur ver­hel­fen. Aus die­sen Trau­ben ent­ste­hen durch den Dop­pio Pas­so schließ­lich Wei­ne mit viel Frucht, sat­ten Tan­ni­nen und einem etwas erhöh­tem Alko­hol­ge­halt. Vor allem die Bee­ren, die etwas spä­ter geern­tet wer­den, wei­sen dank des Flüs­sig­keits­ver­lus­tes eine höhe­re Kon­zen­tra­ti­on an Aro­men und einen höhe­ren Zucker­ge­halt auf. Die­se Eigen­schaf­ten der Bee­ren sind im Ver­lauf der Vini­fi­ka­ti­on für die Ent­wick­lung einer kom­ple­xe­ren Struk­tur des Wei­nes und für den leicht erhöh­ten Alko­hol­ge­halt ver­ant­wort­lich. Der für Rot­wein eigent­lich noch mode­ra­te Alko­hol­wert von 13% wird aber sel­ten über­schrit­ten.

Unter­bo­ten wird die­ser Wert von einem als Roséwein gekel­ter­tem Dop­pio Pas­so Rosa­to aus 100% Primitivo-Trauben vom Her­stel­ler Casa Vini­co­la Car­lo Bot­ter. Der lachs­far­be­ne Rosé­ton im Glas wird beglei­tet von einer voll­mun­di­gen Struk­tur und fruch­ti­gen Aro­men von Brom­bee­ren und Johan­nis­bee­ren – untrüg­li­che Spu­ren der Primitivo-Rebe. Den Roten Dop­pio Pas­so gibt es von dem im Aus­land wahr­schein­lich bekann­tes­ten Her­stel­ler von Dop­pio Pas­so-Wei­nen, der Casa Vini­co­la Bot­ter, auch in Bio-Qualität. Der tro­cken aus­ge­bau­te 2017er Dop­pio Pas­so BIO wird aus 100% bio­lo­gisch ange­bau­ten Primitivo-Trauben gepresst. Zu die­sem eben­falls tief­dunk­len, voll­mun­di­gen Rot­wein mit der klas­si­schen Beeren-Note der Primitivo-Traube passt dunk­les Fleisch oder kräf­ti­ger Käse.


Der Verkaufsschlager

Was zunächst mit nur einer Sor­te begon­nen hat, ist mitt­ler­wei­le zu einer gan­zen Wein-Linie gewor­den. Der Wein war so erfolg­reich, dass Mei­nin­ger ihn als gro­ßen LEH-Erfolg bezeich­net:

“Dop­pio Pas­so Pri­mi­tivo” zählt zu den erfolg­reichs­ten LEH-Marken der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit”

Dies ist durch­aus mög­lich, wenn man den Ver­kaufs­zah­len Glau­ben schen­ken darf. Seit 2014 soll sich der Umsatz des Dop­pio Pas­so ver­drei­facht haben. Bei all dem Erfolg ist es auch nur die logi­sche Kon­se­quenz, dass dem Klas­si­ker (Dop­pio Pas­so Salen­to) seit Mit­te 2017 wei­te­re Geschwis­ter zur Sei­te gestellt wur­den.

 

Weine aus diesem Artikel


“Einer der belieb­tes­ten Primitivo-Weine Deutsch­lands”
Dop­pio Pas­so Pri­mi­tivo Salen­to | Vino­co­la Bot­ter | 6,95 €


“Ein Wein, den man ger­ne trinkt!”

Dop­pio Pas­so Riser­va Brin­di­si DOC | Vino­co­la Bot­ter | 9,50 €


“Der Kun­den­lieb­ling jetzt auch in Bio”
Dop­pio Pas­so Pri­mi­tivo BIO | Vino­co­la Bot­ter | 8,95 €


“Der Klas­si­ker auch als leich­ter Rosé”

Dop­pio Pas­so Pri­mi­tivo Rosa­to | Vino­co­la Bot­ter | 5,99 €


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