Portrait Frankreich

Domaine Boudau: Grenache Noir aus Roussillon

Veronique und Pierre Boudau
Véronique und Pierre Boudau erzeugen in der südfranzösischen Süßwein-Metropole Rivesaltes trockene Rotweine von einer Qualität, wie man sie in Roussillon selten findet - und daher kaum für möglich hält. Die Weine besitzen Charakter und sind in Zeiten explodierender Weinpreise wohltuend maßvoll kalkuliert. In Deutschland haben sich die Boudau-Geschwister schon einen festen Platz im Weinhandel gesichert.Von Sonja Graminski

Véro­ni­que und Pierre Bou­dau erzeu­gen in der süd­fran­zö­si­schen Süßwein-Metropole Rive­s­al­tes tro­cke­ne Rot­wei­ne von einer Qua­li­tät, wie man sie in Rouss­il­lon sel­ten fin­det – und daher kaum für mög­lich hält. Die Wei­ne besit­zen Cha­rak­ter und sind in Zei­ten explo­die­ren­der Wein­prei­se wohl­tu­end maß­voll kal­ku­liert. In Deutsch­land haben sich die Boudau-Geschwister schon einen fes­ten Platz im Wein­han­del gesi­chert. Von Son­ja Gra­min­ski

Veronique und Pierre BoudauRouss­il­lon liegt da, wo Frank­reich auf­hört und Spa­ni­en noch nicht ganz begon­nen hat. Eine male­ri­sche, son­nen­be­schie­ne­ne Land­schaft, auf der einen Sei­te von den Pyre­nä­en, auf der ande­ren vom Mit­tel­meer ein­ge­fasst. An der Küs­te ist Rouss­il­lon quir­lig, laut und heiß, im Hin­ter­land ein­sam und von wil­der Schön­heit. Am schöns­ten ist Rouss­il­lon frei­lich da, wo der Wein wächst: in den Hügeln hin­ter Per­pi­gn­an, der Haupt­stadt, wo sich klei­ne Par­zel­len mit meist alten Reb­stö­cken aus rost­ro­ten Böden die Hän­ge hin­auf­zie­hen, ein­ge­klemmt zwi­schen zer­furch­ten Kalk­fel­sen und wil­der gar­ri­gue, der typi­schen medi­ter­ra­nen Krüp­pel­ve­ge­ta­ti­on. Der Wein­bau gehört zu den weni­gen land­wirt­schaft­li­chen Kul­tu­ren, die im Rouss­il­lon über­lebt haben – aller­dings mit Mühe. Die Pfle­ge der Wein­ber­ge ist auf­wen­dig, die Erträ­ge sind nied­rig, und mit der lang­sa­men Umstel­lung von alko­hol­ver­stärk­ten Süß­wei­nen vom Typ Vin Doux Natu­rel auf tro­cke­ne Rot­wei­ne ist die Kon­kur­renz zu den Wei­nen aus dem Langue­doc, den Côtes-du-Rhône und dem benach­bar­ten Spa­ni­en grö­ßer gewor­den. Doch es gibt im Rouss­il­lon gute, ja sehr gute Wei­ne, die den Weg auf die feins­ten Wein­kar­ten Frank­reichs gefun­den haben und auch von den Deut­schen schon ent­deckt wur­den. Eini­ge der bes­ten kom­men aus der Domai­ne Bou­dau.

Die Basis bildet immer die Grenache Noir

RoussillonDie Boudau-Weine, das sind ein schlan­ker, wür­zi­ger Weiß­wein, ein Rosé, zwei Süß­wei­ne und eine Serie von Rot­wei­nen. Letz­te­re bil­den das Rück­grat und sind das Aus­hän­ge­schild die­ses 100 000 Flaschen-Weinguts. An den Rot­wei­nen fällt drei­er­lei auf: Auch die ein­fachs­ten sind über­ra­schend dicht, fast kom­pakt. Sie besit­zen ein fei­nes, wei­ches Tan­nin, das am Gau­men weder tro­cken ist noch pelzt. Sie sind auch nicht alko­ho­lisch, was ange­sichts der hohen Tem­pe­ra­tu­ren, die im Rouss­il­lon herr­schen, durch­aus ver­mu­tet wer­den könn­te. Und noch etwas zeich­net die Wei­ne aus, was nicht ganz unwich­tig ist: Die Wei­ne sind preis­güns­tig. Exzes­se à la Bor­deaux gibt es im Rouss­il­lon nicht, obwohl sich die bes­ten Boudau-Gewächse qua­li­ta­tiv mit man­chem Cru Bour­geois mes­sen kön­nen. Alle Rot­wei­ne sind übri­gens Cuvées. Die Basis bil­det immer die Grenache Noir. Die­se Sor­te, aus dem Cha­teau­neuf impor­tiert, ist heu­te der wich­tigs­te Qua­li­täts­trä­ger im Rouss­il­lon. In der Assem­bla­ge macht die Grenache Noir min­des­tens 40 Pro­zent aus. Dazu kom­men Cari­gn­an und Syrah.

Zum Aprikosenfest füllen sich die Gassen

Auszeichnungen des Guide HachetteDie Domai­ne Bou­dau (www.domaineboudau.fr) liegt in Rive­s­al­tes, einem ver­schla­fe­nen Städt­chen von knapp 9000 Ein­woh­nern nicht weit vom Mit­tel­meer ent­fernt. Der inter­na­tio­na­le Flug­ha­fen von Per­pi­gn­an liegt gleich vor der Haus­tür. Meis­tens sind es Tou­ris­ten, die dort lan­den, und die zieht es direkt an die wei­ßen Strän­de des Mit­tel­mee­res mit ihren rie­si­gen Hotel­bur­gen. Der Air­port hat Rive­s­al­tes kei­nen Auf­schwung beschert. Höchs­tens zum Apri­ko­sen­fest im Juli fül­len sich die Gas­sen des Städt­chens mit Men­schen. Sie kom­men, um Apri­ko­sen­eis, Apri­ko­sen­crê­pes, Apri­ko­sen­kon­fi­tü­re und Apri­ko­sentar­te zu genie­ßen. Danach kehrt wie­der Ruhe ein. Der süße, alko­hol­ver­stärk­te Weiß­wein aus Mus­cat­trau­ben, für den Rive­s­al­tes einst in ganz Frank­reich berühmt war, ist heu­te kaum mehr eine Attrak­ti­on. Der moder­ne Fran­zo­se trinkt lie­ber einen Whis­ky als einen die­ser anspruchs­vol­len Vins Doux Natu­rels. Es sei denn, die­ser wird mit Apri­ko­sen­saft auf­ge­gos­sen. Abri­co­ta­de heißt die­ses unhei­li­ge Gemisch, des­sen Rezept der ört­li­che Tou­ris­mus­ver­ein vol­ler Stolz hütet. Scha­de um den Wein.

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