Domäne Wachau: In 2019 noch einmal besser

Die Domäne Wachau erhält fast jedes Jahr höhere Bewertungen für ihre Weine. Auch Adi Schmid, ehemaliger Sommelier im Restaurant „Steirereck“ in Wien, findet die 2019er Kollektion grandios.

Dass die Domä­ne Wach­au die bes­te Genos­sen­schaft für Weiß­wein welt­weit ist, kann man immer wie­der lesen. Der gute Ruf fußt auf der Arbeit bei­den „Köp­fe“, des Lei­ters Roman Hor­vath MW und des Öno­lo­gen Heinz Fri­schen­gru­ber, die Wer­te wie Indi­vi­dua­li­tät, Natür­lich­keit und Her­kunfts­wahr­heit hoch hal­ten. Fri­schen­gru­ber kennt das Ter­ro­ir der Wach­au wie kein Zwei­ter, die 250 Mit­glie­der der Domä­ne ein­ge­schlos­sen. Auch hat er die „Frei­en Wein­gärt­ner Wach­au“, wie die Genos­sen­schaft bis 2007 hieß, behut­sam auf Öko-Kurs gebracht. Hor­vath hat, seit er 2005 die Geschäfts­füh­rung über­nahm, die Domä­ne stra­te­gisch neu aus­ge­rich­tet und die Qua­li­täts­schrau­be kräf­tig ange­zo­gen. Das Resul­tat: pro­fi­lier­te Eigen­stän­dig­keit. Die Rie­den­wei­ne erhal­ten Jahr für Jahr  höhe­re Bewer­tun­gen von den inter­na­tio­na­len Wein­kri­ti­kern, und das Niveau der ein­fa­chen classic- und Orts- und Ter­ras­sen­wei­ne steigt eben­falls sicht­bar. Oder bes­ser: schmeck­bar. Die 2019er Kol­lek­ti­on der Domä­ne ist gran­di­os.

Ein Pfund, mit dem die Domäne wuchern kann: Lagenvielfalt

Die Domä­ne arbei­tet wie ein pri­va­tes Wein­gut, erfreut sich aber gleich­zei­tig einer Lagen­viel­falt, die Ihres­glei­chen sucht in der Wach­au. Die 450 Hekt­ar Reben (3/4 davon fal­len auf die bei­den Reb­sor­ten Grü­ner Velt­li­ner und Ries­ling) ver­tei­len sich über das gesam­te Anbau­ge­biet. Begin­nend beim rech­ten, dem soge­nann­ten Süd­ufer der Donau: ein küh­le­res Gebiet, das vom Kli­ma­wan­del sehr pro­fi­tiert hat. Visa­vis lie­gen Loi­ben und Dürn­stein: eine wär­me­re Unter­zo­ne mit pan­no­ni­schen Ein­flüs­sen. Wei­ter geht es west­wärts nach Weis­sen­kir­chen, Joching, St. Micha­el, Wösen­dorf nach Spitz . Dort wie­der­um herrscht ein kon­ti­nen­ta­les Kli­ma vor. Ab Spitz geht es nörd­lich den Spit­zer Gra­ben hin­auf, der wie­der­um im Ein­fluß­be­reich küh­ler Luft­strö­mun­gen aus dem Wald­vier­tel liegt. Aus allen die­sen Unter­zo­nen kom­men eige­ne Ter­ras­sen­wei­ne, von denen jeder sei­nen eige­nen Cha­rak­ter hat.  An der Spit­ze der Qua­li­täts­py­ra­mi­de thro­nen die Rie­den­wei­ne, die es sowohl in der Kate­go­rie Feder­spiel als auch in der Kate­go­rie Sma­ragd gibt. Legen­där sind die Sma­rag­de der Rie­den Ach­lei­ten und Kel­ler­berg.

Grüner Veltliner Steinwerk: Hohe Schule

Zur Neu­aus­rich­tung der Domä­ne gehört auch die Schaf­fung eines Expe­ri­men­tier­be­reichs, in dem jen­seits des öno­lo­gi­schen Main­streams gear­bei­tet wird. BACKSTAGE haben Hor­wath und Fri­schen­gru­ber die­sen Bereich genannt. Dort ent­ste­hen bei­spiels­wei­se Oran­ge Wines, ein im Beton­ei ver­go­re­ner Müller-Thurgau MTX aus einer extrem hohen Ter­ras­sen­la­ge mit 60 Jah­re alten Reb­stö­cken, eine for­mi­da­ble Pinot Noir Reser­ve 20 Eigh­te­en  aus den küh­len Gegen­den der Wach­au wie Weis­sen­kir­chen und zwei wei­te­ren Orten am Süd­ufer. Ein Wein ragt jedoch aus die­ser BACKSTAGE-Serie her­aus: der  Grü­ne Velt­li­ner Stein­werk. Der 2019er ist ein groß­ar­ti­ger Wein von trans­pa­ren­ter Struk­tur, der die west­li­che Wach­au per­fekt prä­sen­tiert. Er ist im Spit­zer Gra­ben in extrem stei­len Lagen auf purem Gneis gewach­sen. Nach einer län­ge­ren Mai­sche­stand­zeit wur­de er spon­tan in Granit- und Mar­mor­ge­fä­ßen ver­go­ren (daher Stein­werk) und 12 Mona­te aus­ge­baut, um danach unge­schönt und unfil­triert auf Fla­sche gezo­gen zu wer­den, mini­mal  geschwe­felt: Hohe Schu­le des Wein­baus. In mei­nen Pro­be­no­ti­zen heisst es über den Wein: „Grün-gelbe Far­be, hell­fruch­tig, stei­ni­ge Wür­ze, kühl, glo­cken­klar, straff und eng, unge­mein sal­zig, Feu­er­stein, Kern­obst, Limet­te, krei­dig, tabaki­ge Nuan­cen, Pome­lo, ras­si­ge Säu­re, stah­lig tro­cken, eini­ger Grip am Gau­men, lang und fest. Erin­nert zunächst an nas­sen Stein, dann gesellt sich Wach­au­er Maril­le dazu. Braucht aller­dings Luft, um aus sich her­aus­zu­ge­hen, ent­wi­ckelt dann Druck.“ Fazit: Hier domi­niert der Boden und stellt die Reb­sor­te in den Hin­ter­grund.

Beeindruckende Serie von 2019er Smaragd-Weinen

Mit 17 Euro ist der Stein­werk äußerst güns­tig bepreist. Das Prei­s­ar­gu­ment gilt aber auch für die ande­ren Wei­ne der Domä­ne. Ich möch­te des­halb hier noch eini­ge Sma­rag­de aus dem gro­ßen Jahr­gang 2019 vor­stel­len, die alle aus­zeich­net, dass sie zumeist mit mode­ra­ten 13,5 % Vol. und (nahe­zu) ohne Rest­sü­ße auf die Fla­sche gekom­men sind..

2019 Grü­ner Velt­li­ner Sma­ragd Ried Kirn­berg   

Eine Rie­de in Ros­satz am rech­ten Ufer der Wach­au mit Terrassenschotter-Löss-Paragneis im Unter­grund: grü­ne Far­be, unge­mein küh­les Bou­quet, Grape­fruit­zes­ten, Bir­ne, gel­ber Apfel, wei­ßer Pfef­fer, kno­chen­tro­cken, schlan­ke, doch fes­te Struk­tur, wirkt karg, erfri­schen­de Säu­re, sehr pikant am Gau­men, gerad­li­nig und dyna­misch.

Ab-Keller-Preis: 23 Euro

2019 Ries­ling Sma­ragd Ried Loib­ner Loi­ben­berg   

Stein­obst, Rha­bar­ber, viel Maril­le, Man­da­ri­nen, Oran­gen­zes­ten, kan­dier­te Früch­te, Estra­gon, sehr prä­zi­se, sal­zig und mine­ra­lisch, ent­wi­ckelt viel Zug am Gau­men, leben­di­ge Säu­re, baut Frucht auf, ist in sei­ner for­dern­den Art der­zeit noch etwas unzu­gäng­lich.

Ab-Keller-Preis: 23 Euro

 

2019 Grü­ner Velt­li­ner Sma­ragd Ried Dürn­stei­ner Kel­ler­berg

Pfef­fer­wür­ze gepaart mit Exo­tik, Blü­ten­ho­nig, Man­go, Ana­nas, Wie­sen­kräu­ter, von fei­ner Mine­ra­li­tät durch­zo­gen, dezen­ter Schmelz, dunk­le Töne, zart rau­chig, sehr ele­gant, viel Sub­stanz, druck­voll: sehr fei­ner Grü­ner Velt­li­ner ganz am Beginn sei­ner Ent­wick­lung.

Ab-Keller-Preis: 26 Euro

2019 Ries­ling Sma­ragd Ried Dürn­stei­ner Kel­ler­berg 

Unge­mein stei­nig, Rha­bar­ber, Stein­obst, rei­fe Maril­len, Bir­ne, etwas rau­chig, Wein­gar­ten­pfir­sich, Citrus, unge­mein kom­plex, groß­ar­ti­ger Stoff, zeigt vie­le Facet­ten. Ein sub­s­tanz­rei­cher Ries­ling von sen­sa­tio­nel­lem Tief­gang.

Ab-Keller-Preis: 26 Euro

 

2019 Grü­ner Velt­li­ner Sma­ragd Ried Weis­sen­kirch­ner Ach­lei­ten

Ein gran­dio­ser Wein von sel­te­ner Viel­schich­tig­keit, gewach­sen auf sehr kar­gen Böden aus Gneis und Amphi­bo­lit­ge­stein: viel Stein­obst, Oran­gen­zes­ten, Ana­nas, Blü­ten­ho­nig, Limet­te, Scho­ko­touch, unge­mein ras­sig, wei­ße Blü­ten, ein kraft­vol­ler, doch zugleich fili­gra­ner Wein von end­lo­ser Tie­fe und Län­ge.

Ab-Keller-Preis: 26 Euro

 

2019 Ries­ling Sma­ragd Ried Wei­ßen­kirch­ner Ach­lei­ten 

Viel Mine­ral, Pfir­sich, Ana­nas, Feu­er­stein, ras­si­ge Säu­re, hin­ter­grün­dig, unglaub­lich prä­zi­se, total eng, von enor­mer Sub­stanz: der ver­hal­tens­te der Smaragd-Serie.

Ab-Keller-Preis: 26 Euro

 

2019 Grü­ner Velt­li­ner Sma­ragd  Ried Spit­zer Axpoint

Kräu­ter­wür­ze, eng­ma­schig, kühl, Exo­tik aus­strah­lend, Lit­schi, Grape­fruit, Man­da­ri­nen, Bie­nen­wachs, tol­ler Zug am Gau­men, Ries­ling­haf­te Anklän­ge, zart, ja fast zer­brech­lich erschei­nend, von sub­ti­ler Aus­prä­gung, vol­ler Fines­se.

Ab-Keller-Preis: 23 Euro

2019 Ries­ling Sma­ragd Ried Spit­zer Sin­ger­rie­del 

Kern­obst, Wein­gar­ten­pfir­sich, Melo­ne, Exo­tik, fein und zise­liert, sal­zi­ge Anklän­ge, trans­pa­ren­te Struk­tur, dezen­ter Scho­ko­ton, fines­se­reich, fei­ne Frucht, küh­le Anmu­tung: ein Ries­ling von dis­tin­gu­ier­ter Ele­ganz, in einer wind­ge­schütz­ten, stei­len Ter­ras­sen­la­ge auf Paragneis gewach­sen, ganz klar West­wach­au.

Ab-Keller-Preis: 26 Euro

 

Die Wei­ne kön­nen über fol­gen­de Adres­sen bezo­gen wer­den:

www.domaene-wachau.at (ab € 99 kos­ten­frei), www.tesdorpf.de, www.wirwinzer.de, www.neunweine.de, www.lakaaf.de, www.koelner-weinkeller.de, www.hawesko.de, www.weinco.at 

Über den Autor

Kommentar hinzufügen

Antwort schreiben