Die Weine von Allée Bleue: So schmeckt Südafrika

Christian Muerau
Während der Fußball-WM treffen sich FIFA-Funktionäre gern auf dem Weingut Allée Bleue, um die Spiele ohne Vuvuzela-Lärm, aber mit einem Glas guten Rotwein in der Hand auf der Leinwand zu verfolgen. Man muß dafür aber nicht nach Südafrika reisen. Denn die Weine sind in Deutschland weit verbreitet. Der TV-Moderator Christian Mürau aus München, Fußballfan und ausgebildeter Sommelier, hat sie während des Spiels Deutschland gegen England seinen Freunden ausgeschenkt - statt Bier. Von Christian Mürau

Der Name Allée Bleue löst bei Fans des FC Bay­ern Mün­chen kei­ne Jubel­stür­me aus. Alles was blau ist, erin­nert an den Stadt­ri­va­len 1860 Mün­chen. Aber an die­ser Stel­le geht es nicht um den Fuß­ball­ver­ein, son­dern um ein süd­afri­ka­ni­sches Wein­gut die­ses Namens. Es heißt Allée Bleue – blaue Allee – und liegt knapp eine Auto­stun­de von Kap­stadt ent­fernt in Fran­schoek. Ein Freund hat­te mich auf das Wein­gut auf­merk­sam gemacht, und da die­ser das Ergeb­nis des ers­ten deut­schen Spiels gegen Aus­tra­li­en (4:0) sen­sa­tio­nell rich­tig getippt hat­te, habe ich kei­ne Sekun­de gezö­gert, auch sei­nem Wein­tipp zu ver­trau­en.

Eventpavillon Allée BleueSo hat­te ich zum Ach­tel­fi­na­le Deutsch­land gegen Eng­land zehn Freun­de in mei­ne Schwa­bin­ger Dach­ter­ras­sen­woh­nung ein­ge­la­den. Kei­ne aus­ge­wie­se­nen Wein­ex­per­ten – aber alle­samt Wein­lieb­ha­ber. Mit ihnen woll­te ich die Allée Bleue-Weine ver­kos­ten. Also habe ich mir ein Pro­be­pa­ket bestellt. Die Wei­ne sind in Deutsch­land leicht erhält­lich. Denn das Wein­gut gehört Fried­rich Wil­helm Dau­phin, einem Indus­tri­el­len aus Ober­fran­ken. Er stellt Büro­stüh­le her. Von sei­nem Fir­men­sitz in Hers­bruck bei Nürn­berg aus ver­treibt er die Wei­ne.

Eine Fuß­ball­über­tra­gung ohne Bier – das sorg­te bei mei­nen Freun­den erst­mal für Ver­wir­rung: „Du willst uns doch nicht mit Wein abspei­sen?“ Doch. Das woll­te ich. „Und wie­so dann süd­afri­ka­ni­sche Wei­ne?“ Weil sie gut schme­cken. Na, hof­fent­lich. Zuerst mach­ten wir den 2009 Sau­vi­gnon Blanc auf: ein fri­scher, stroh­gel­ber Wein mit zar­ten Frucht­aro­men von Sta­chel­bee­ren und Grape­fruit. Die Säu­re kna­ckig, der Alko­hol gut ein­ge­bun­den (bei 13 Vol% natür­lich wich­tig). Nicht jeder liebt das kräf­ti­ge Sauvignon-Aroma. Doch wer damit klar­kommt, kann die­sem Wein, wenn er gut gechillt ist, durch­aus ein gan­zes Fuß­ball­spiel lang treu blei­ben. In unse­rem Fall war die Fla­sche leer, bevor das Spiel begann.

Isabaeu und PinotageKom­pli­zier­ter ist der 2008 Isa­beau, eine Cuvée aus zwei Trau­ben­sor­ten: Sémil­lon und Char­don­nay. Ein üppi­ger, kör­per­rei­cher Weiß­wein, der teil­wei­se in Bar­ri­ques gereift ist und die dafür typi­schen Röst-/Holzaromen auf­weist. Nor­ma­ler­wei­se kein Wein für den deut­schen Geschmack und mit 13,5 Vol.% Alko­hol auch nicht gera­de ein Ter­ras­sen­wein. Den­noch war auch er bei Anpfiff des Spiels bereits aus­ge­trun­ken.

Gut so. Denn nun wur­de es Ernst – auf dem Rasen des Free State-Stadions in Blo­em­font­ein eben­so wie bei uns. Die Roten war dran. Sie sind der Stolz und die Stär­ke Süd­afri­kas. Das war­me Kli­ma Süd­afri­kas ist für die Rot­wei­ne wie gemacht. Auch bei Allée Bleue. Der 2007 Pino­ta­ge war als ers­ter aus­ge­trun­ken. Die vier Frau­en in der Run­de hat­ten sich die Fla­sche geschnappt und nicht wie­der raus­ge­rückt. Wir sechs Män­ner muss­ten uns not­ge­drun­gen an die drei ande­ren Rot­wei­ne hal­ten. Doch so groß war die Not nicht. Sowohl der 2006 Shiraz als auch der 2006 Caber­net Sauvignon/Merlot (bei­de 13,90 Euro) waren lecke­re Wei­ne.

Ich weiß, lecker darf man nicht sagen. Aber die bei­den schmeck­ten ein­fach gut: bei­de sehr dunk­le Far­be, nicht zu schwer im Kör­per, dafür mit kräf­ti­gen Frucht­aro­men – zwei voll­mun­di­ge, dem Gau­men schmei­cheln­de Wei­ne, an denen man gedan­ken­ver­lo­ren und unent­wegt nip­pen könn­te, wenn man die Hän­de an die­sem Nach­mit­tag nicht immer wie­der zum Jubeln gebraucht hät­te. Der Cabernet/Merlot besaß mehr Säu­re, der Shiraz duf­te­te etwas flei­schi­ger, was durch­aus nor­mal ist bei die­ser Sor­te. Die Häu­fig­trin­ker bemän­gel­ten, dass der Geschmack etwas belie­big sei. Die Gele­gen­heits­trin­ker irri­tier­te das aller­dings nicht.

F.W. Dauphin mit Frau und Freunden„Wir woll­ten eigent­lich nur ein Haus in der Nähe von Kap­stadt kau­fen“, hat­te mir Elke Dau­phin, die Ehe­frau des Besit­zers, vor­her am Tele­fon ver­ra­ten. „Aber eine gute Freun­din wies uns auf eine her­un­ter gewirt­schaf­te­te Obst­farm hin, die zum Ver­kauf stand. Nach lan­gem Hin und Her lie­ßen wir uns auf das Aben­teu­er Wein ein. Das war Anfang 1998. Wir stan­den damals vor dem Nichts. Kei­ne Reb­stö­cke, kein Wein-Know-How. Aber wir sind Geschäfts­leu­te und wuss­ten, was wir wol­len. Schon 2001 haben wir den ers­ten Jahr­gang vini­fi­ziert. Seit­dem sind wir vom Wein infi­ziert“.

Der Flaggschiff-Rotwein von Allée Bleue ist heu­te der L’Amour Tou­jours, eine Cuvée aus Caber­net Sau­vi­gnon, Mer­lot, Gren­ache Noir, Shiraz und Petit Ver­dot. Mit 24,90 Euro ist er der teu­ers­te Wein des Gutes. Die­sen Trop­fen genos­sen wir in der zwei­ten Halb­zeit, nach­dem Deutsch­land 3:1 in Füh­rung gegan­gen war. Er ist kon­zen­trier­ter als die ande­ren Rot­wei­ne. Neben den Frucht- und Bee­ren­aro­men zeigt er Noten von Scho­ko­la­de und Zedern­holz, dazu einen Hauch von Gewürz­nel­ke.

Weingut in Franschoek„Der L’Amour Tou­jours ist mein abso­lu­ter Lieb­lings­wein“, erzähl­te Elke Dau­phin. „Der Name war mei­ne Erfin­dung. Er soll­te ‚Ewi­ge Lie­be’ hei­ßen. Mein Mann hat mich dann dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ‚ewi­ge Lie­be“ tou­jours l’amour’ heißt, wäh­rend ‚l’amour tou­jours’ bedeu­tet: den gan­zen Tag Lie­be.“ Sie lacht. „Heu­te ist Allée Bleue mehr als ein Wein­gut. Geschäfts­leu­te hal­ten Mee­tings ab, Urlau­ber über­nach­ten und Ver­lieb­te hei­ra­ten bei uns. Es hat sich her­um­ge­spro­chen, wie schön es bei uns ist“.

Einer mei­ner Freun­de, der frü­her selbst Regio­nal­li­ga­ki­cker war, konn­te das mit dem Lieb­lings­wein gut nach­voll­zie­hen und war des­we­gen nicht ein­mal sau­er, dass er beim Nach­schen­ken das 4:1 ver­pass­te. Den Ande­ren hat der Wein eben­falls gut geschmeckt, mich ein­ge­schlos­sen. Wenn­gleich ich zuge­ben muss: Das ganz gro­ße Gau­men­ki­no ist auch er noch nicht. Der letz­te Kick fehlt. Das letz­te Quänt­chen, das nötig wäre, um einen Schluck die­ses Weins als kur­zen Moment voll­kom­me­nen irdi­schen Glücks zu emp­fin­den. Aber die­ses Glück lie­fer­te an jenem Sams­tag­nach­mit­tag ja der Fuß­ball. Gegen ihn wäre sowie kein Wein der Welt ange­kom­men.

Sauvignon Blanc und Lamour ToujoursAm Ende war gab es noch eine faust­di­cke Über­ra­schung. Nicht beim Eng­land­spiel. Da blieb es beim 4:1. Aber beim Wein. Der 2007 Pino­ta­ge ent­pupp­te sich näm­lich als ein Klas­se­wein. In der Fla­sche, die unse­re vier Frau­en zurück­ge­las­sen hat­ten, ent­deck­ten wir noch einen klei­nen Rest die­ses Trop­fens – gera­de genug für ein paar Pro­bier­schlu­cke. Nach mehr­heit­li­cher Mei­nung der männ­li­chen Gäs­te ist die­ser Pino­ta­ge der bes­te Wein im Allée Bleue-Sortiment. Auf mei­nem Zet­tel stand: herr­lich tie­fer Duft von Brom­bee­ren und schwar­zen Johan­nis­bee­ren. Wuch­tig, aber nicht über­la­den. Kei­ne Alkohol- und Frucht­bom­be. An die­sem Wein kom­men die Her­ren von der FIFA eben­so wenig vor­bei wie am Video­be­weis.

Apro­pos Besuch: Mei­ne Frau und ich haben beschlos­sen, uns Süd­afri­ka selbst mal anzu­schau­en. Natür­lich erst nach der WM. Wir haben im Fern­se­hen gese­hen, welch wun­der­schö­nes Land Süd­afri­ka ist. Und dass man auf Wein nicht ver­zich­ten muss, ist ein Rie­sen­vor­teil: mit 110 000 Hekt­ar ist die Reb­flä­che Süd­afri­kas sogar grö­ßer als die deut­sche. Wir wer­den uns mit Sicher­heit auch bei Allée Bleue sehen las­sen, um den Pino­ta­ge noch ein­mal in sei­ner natür­lich Umge­bung zu trin­ken. Das steht fest. Aber erst­mal sind wir nach dem Spiel raus auf die Leo­pold­stra­ße gegan­gen. Zum Fei­ern und – par­don – zum Bier­trin­ken.

Übri­gens: Alle Wei­ne kön­nen Sie direkt unter www.alleebleue.de im deut­schen Web­shop des Wein­guts bestel­len.

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