Die Legende des White Horse – Vintage 1957 und America’s Cup 1987

Historische Aufnahme der Lagavulin-Brennerei mit dem White Horse
Der White Horse Blend ist einer der traditionsreichsten und besten Blends weltweit. Viele alte Jahrgangsabfüllungen und Special Releases sind neben dem heutigen Standard noch auf dem Markt zu finden. Damals kam der Löwenanteil von Lagavulin, was sich auch deutlich auf den Geschmack auswirkte. Wie gut die alten „Dinger“ wirklich sind und wie White Horse zu seinem Namen kam, erfahrt ihr hier.

Die Wur­zeln des White Hor­se Blends gehen zurück bis ins Jahr 1742, als die heu­ti­ge Lagavulin-Destillerie noch eine Schwarz­bren­ne­rei war. Erst 1816 wur­de die­se durch den ansäs­si­gen Far­mer John Johnston lega­li­siert und als Grün­dungs­jahr von Lag­a­vu­lin geführt.

Peter Mackie, Nef­fe von James Logan Mackie, der seit 1861 Mit­ei­gen­tü­mer der Lagavulin-Brennerei war, begann sei­ne Arbeit bei der Bren­ne­rei. 29 Jah­re spä­ter, im Jah­re 1890, über­nahm Peter die Posi­ti­on sei­nes Onkels als Fir­men­in­ha­ber. Kurz dar­auf begann er Destil­la­te mit Tier­na­men und -bil­dern zu pro­du­zie­ren – unter ande­rem auch „das wei­ße Pferd“.

Die­ser White Hor­se Whis­ky wur­de fort­an als Export­mar­ke ver­trie­ben. Der Name White Hor­se Cel­lar lehnt sich höchst­wahr­schein­lich an Mackie’s Edin­burg­her Fami­lie an, die das legen­dä­re White Hor­se Inn führ­te. 1890 wur­de die Mar­ke auch in Groß­bri­tan­ni­en regis­triert, sechs Jah­re spä­ter in den USA.

Die ältes­ten Nach­wei­se, die die Aus­fuhr des Blends doku­men­tie­ren, stam­men aus dem Jah­re 1900. Acht Jah­re spä­ter wur­de White Hor­se Hof­lie­fe­rant von King Edward VII. und gewann im glei­chen Jahr die Grand Prix Medail­le.

In der Fol­ge­zeit wur­de das Pro­duk­ti­ons­vo­lu­men durch gutes Mar­ke­ting und die uner­müd­li­che Arbeit von Peter Mackie, der dar­auf­hin sei­nen Spitz­na­men „Rest­less Peter“ bekam, immer wei­ter gestei­gert. 1924, kurz vor Mackie’s Tod, wur­de die Gesell­schaft umbe­nannt in White Hor­se Distil­lers Ltd. Sein Sohn über­nahm das Geschäft und führ­te 1926 als ers­te Whis­ky­ge­sell­schaft den Dreh­ver­schluss ein.

1978 wur­de die Com­pa­ny mit dem Queen’s Award für außer­ge­wöhn­li­che Leis­tun­gen im Export­ge­schäft geadelt. Die­ser Preis beruh­te dar­auf, dass die Export­men­ge inner­halb von zwei Jah­ren noch­mals ver­dop­pelt wur­de. Der White Hor­se Extra Fine, exklu­siv nur für den japa­ni­schen Markt pro­du­ziert, wur­de 1983 ein­ge­führt.

Im Früh­jahr 1987 trat die Com­pa­ny als Haupt­spon­sor des America’s Cup, die welt­weit berühm­tes­te Segel­re­gat­ta in Aus­tra­li­en, auf und brach­te eine limi­tier­te Abfül­lung auf den Markt, um die­ses Ereig­nis gebüh­rend zu fei­ern. Für die­sen spe­zi­el­len White Hor­se wähl­te man Destil­la­te, die min­des­tens zwölf Jah­re alt waren. Älte­rer Whis­ky wur­de von White Hor­se nie­mals abge­füllt.

Seit der 250-Jahrfeier des White Hor­se Cel­lar in Edin­burgh gibt es die­sen Blend in neu­er und heu­te auch noch aktu­el­ler, glo­cken­för­mi­ger Fla­schen­form, die 1992 zum Jubi­lä­um vor­ge­stellt wur­de. Er besteht aus 60% Grain Whis­ky und 40% Sin­gle Malt (ein Ver­schnitt aus etwa 40 aus­ge­wähl­ten Whis­kys). Lag­a­vu­lin bil­det aber immer noch das Herz­stück neben Crai­gel­la­chie, Glen Elgin, Caol Ila, Link­wood und Talis­ker.

Russ­land, Bra­si­li­en, Japan, USA, Süd­ame­ri­ka, Por­tu­gal, Chi­le, Grie­chen­land und Spa­ni­en sind heu­te die wich­tigs­ten Ein­fuhr­län­der und tra­gen größ­ten­teils dazu bei, dass sich die­se Kult­mar­ke auf dem Markt hal­ten kann.


Die könig­li­chen Wap­pen:
1901 bis 1910 regier­te König Edward VII. (1908 Roy­al War­rant).
1910 bis 1936 regier­te König Geor­ge V. (neu­es Wap­pen blieb bis 1937).
1936 regier­te König Edu­ard VIII. (sein Wap­pen blieb bis 1938).
1936 bis 1952 regier­te König Geor­ge VI. (The Late King Geor­ge, Wap­pen erst­mals von 1938 bis 1955).
1952 bis heu­te Queen Eli­sa­beth II. (das Wap­pen der Queen kommt erst­mals 1956 zum Tra­gen).


Für unser Tas­ting such­ten wir natür­lich zwei beson­de­re Abfül­lun­gen aus: ein­mal eine Jahr­gangs­ab­fül­lung für UK aus dem Jahr 1957 und die besag­te limi­tier­te Abfül­lung mit 43% zu Ehren der welt­weit ältes­ten und wich­tigs­ten Regat­ta. Letz­te­re gab es in ver­schie­de­nen Ver­sio­nen, ein­mal mit 40%, ein­mal mit 43% und als 12y old.

Tasting Notes


White Horse Blend 12y 1975-1987 America's Cup in Australien, 0,75l – 43%White Horse Blend 12y 1975-1987 America’s Cup in Australien, 0,75l – 43%
89

Far­be: Blas­ses Gold
Nase: Leicht mari­ti­me, „typi­sche“ Lagavulin-Noten, Boh­ner­wachs, lodern­des Lager­feu­er, Tabak, Zigar­ren­rauch und Räu­cher­speck mit etwas Torf. Hin­zu kom­men leicht fruch­ti­ge, tro­pi­sche Aro­men, die von sal­zi­gen Zitro­nen und Limo­nen ange­führt wer­den. Oran­gen, Vanil­le und fei­ne Gar­ten­kräu­ter run­den die Palet­te ab.
Geschmack: Süßer Honig, Oran­gen­saft, Vanil­le, wür­zig und leicht herb, getrock­ne­te Kräu­ter, Torf und Tabak­rauch. Immer fruch­ti­ger wer­dend.
Finish: Mit­tel­lang mit salzig-torfigem Malz, tro­cke­nem Rauch und fruch­ti­gen Vanil­le­no­ten. Lecke­re Aro­men von Kakao und zart­bit­te­rer Scho­ko­la­de, ja sogar Anklän­ge von Rosi­nen, geben dem Finish das gewis­se Etwas!
89 Punk­te (Nase: 90 / Geschmack: 88 / Finish: 89)


White Horse Cellar 8y 1949-1957, 0,75l 70 Proof – 40%White Horse Cellar 8y 1949-1957, 0,75l 70 Proof – 40%
92

Far­be: Mais­gelb
Nase: Mal­zi­ge Kräu­ter­aro­men mit fri­schen Noten von Ing­wer und Peter­si­lie, Gin­ger Ale und der Abrieb von Zitro­nen­scha­len. Altes, sal­zi­ges Sher­ry­fass, erdig-dumpfe und leicht pfeff­ri­ge Noten mit genia­len, rauchig-torfigen Sherr­ya­ro­men.
Geschmack: Sehr weich und abso­lut rund auf der Zun­ge, jedoch schnell mäch­ti­ger wer­dend, das Salz kommt stär­ker durch, Sherr­ya­ro­men mit gei­lem, altem  Malz, immer schwe­rer wer­dend, unvor­stell­bar aus­ba­lan­ciert mit Kräu­ter­aro­men, die auf dem Islay-Torfland wuch­sen.
Finish: Lang, mit viel mal­zi­ger Vanil­le, tro­cke­nem Torf, altem Sher­ry und rau­chi­gem Eichen­holz. Aro­men von wil­dem Honig  run­den das Finish per­fekt ab.
Bemer­kung: Mit Abstand der bes­te Blend, den wir bis dato hat­ten!
92 Punk­te (Nase: 93 / Geschmack: 92 / Finish: 92)


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