Unter zehn Euro Italien

Der neue Cotarella: 2009 Tellus Syrah

Etikett 2009 Tellus Syrah
Hoch prämierte, teure Weine aus Italien liegen derzeit wie Blei in den Regalen. Warum? Weil viele Basisweine inzwischen von so hoher Qualität sind, dass Konsumenten keinen Grund sehen, mehr als nötig auszugeben. Einer dieser Weine ist der Tellus. Kein Terroirwein, aber so gut, dass man fast glauben könnte, es sei einer.

Hoch prä­mier­te, teu­re Wei­ne aus Ita­li­en lie­gen der­zeit wie Blei in den Rega­len. War­um? Weil vie­le Basis­wei­ne inzwi­schen von so hoher Qua­li­tät sind, dass Kon­su­men­ten kei­nen Grund sehen, mehr als nötig aus­zu­ge­ben. Einer die­ser Wei­ne ist der Tel­lus. Kein Ter­ro­ir­wein, aber so gut, dass man fast glau­ben könn­te, es sei einer.

2009 Tellus SyrahDie­ser Rot­wein kommt aus der wein­mä­ßig blas­ses­ten Regi­on Ita­li­ens: Lati­um. Es ist die Regi­on um die Haupt­stadt Rom. Eige­ne auto­chtho­ne Reb­sor­ten gibt es dort nur weni­ge, und die weni­gen sind nicht unbe­dingt dazu ange­tan, den Ruhm Lati­ums zu meh­ren. Orvie­to, Est! Est!! Est!!! und Fras­ca­ti sind die bekann­tes­ten Wei­ne aus Lati­um, und es ist nicht bekannt, dass die Men­schen rei­hen­wei­se in Ohn­macht fal­len, wenn sie die Namen die­ser Wei­ne hören.

Natür­lich wird, wer sich näher mit Lati­um beschäf­tigt, auch ein paar sehr gute Wein­gü­ter fin­den. Eines davon heißt Fales­co und liegt in dem Städt­chen Mon­te­chio gleich hin­ter der Gren­ze in Umbri­en. Berühmt ist das Wein­gut vor allem wegen sei­ner Besit­zer. Sie hei­ßen Ric­car­do und Ren­zo Cotarel­la. Ren­zo ist im Haupt­be­ruf Che­fö­no­lo­ge von Antin­o­ri, Ric­car­do ist Ita­li­ens wohl bekann­tes­ter Wein­be­ra­ter. Rund 50 Wein­gü­tern geht er zur Hand, die meis­ten in Ita­li­en, aber auch meh­re­re in Bor­deaux und den USA.

Kontroverser Weinmacher

Riccardo CotarellaCotarel­la ist zum Bei­spiel der Vater des Mon­tia­no, des Spit­zen­weins des Wein­guts Fales­co und eines der bes­ten ita­lie­ni­schen Mer­lots. Auf Ver­kos­tun­gen sorgt der Wein immer wie­der für Schlag­zei­len – posi­ti­ve und nega­ti­ve. Vie­le neh­men es Cotarel­la übel, dass er die auto­chtho­nen Sor­ten so wenig pro­te­giert und so häu­fig Mer­lot oder Syrah anpflan­zen lässt. Dabei hat er sei­ne guten Grün­de: „Wo kei­ne hoch­wer­ti­gen Sor­ten exis­tie­ren, arbei­te ich lie­ber mit Mer­lot, als schlech­te Wei­ne aus auto­chtho­nen Sor­ten zu machen.“

Ric­car­do Cotarel­la ist auch der Vater des Tel­lus. Die­sen Wein gibt es schon seit meh­re­ren Jah­ren. Er war immer eine Cuvée aus Mer­lot und Syrah. Mit dem Jahr­gang 2009 wird er erst­mals nur noch aus Syrah gekel­tert. Die Syrah-Reben sind inzwi­schen alt genug, um den Wein allein zu tra­gen. Mer­lot braucht er nun nicht mehr.

Die Sensation ist der Preis

Der Wein hat dadurch gewal­tig gewon­nen: blau­rot in der Far­be, Duft von Brom­bee­ren und Rote Bete, Edel­höl­zern und Nel­ken­ge­würz, am Gau­men druck­voll, aber gleich­zei­tig frisch mit fei­nem, per­fekt ver­schmol­ze­nen Tan­nin und fei­ner Extrakt­sü­ße, der bei aller Viel­schich­tig­keit leicht und unkom­pli­ziert zu trin­ken ist. Vom Mon­tia­no ist er gar nicht weit ent­fernt. Nur kos­tet die­ser rund 25 Euro, wäh­rend der Tel­lus für 6,75 Euro ange­bo­ten wird.

Um fal­schen Erwar­tun­gen vor­zu­beu­gen: Der Tel­lus ist kein Terroir-Wein, obwohl er aus einem ein­zi­gen Wein­berg stammt. Er kommt ohne spe­zi­el­le Würz- und Boden­no­ten aus. Auch fehlt ihm die Stren­ge und Mine­ra­li­tät der Syrah-Weine von der Nörd­li­chen Rho­ne. Er ist kein „Her­mi­ta­ge für arme Leu­te“, wie ein ita­lie­ni­scher Jour­na­list ein­mal geschrie­ben hat, um beson­ders ori­gi­nell zu sein.

Mediterraner Syrah

Er ist ein medi­ter­ra­ner Syrah: straff gewo­ben, gut kon­zen­triert und mit zar­tem, fruch­ti­gen Schmelz aus­ge­stat­tet und – um in der Umgangs­spra­che zu blei­ben – unge­heu­er lecker. Es dürf­te nur ganz weni­ge ita­lie­ni­sche Wei­ne geben, die eine so hohe Qua­li­tät zu einem so nied­ri­gen Preis bie­ten. Auch Men­schen mit gut gefüll­tem Bank­kon­to wür­den die­sen Wein mit Sicher­heit mehr­heit­lich einem Her­mi­ta­ge vor­zie­hen.

Bleibt die Fra­ge, wie­so der Wein so preis­wert sein kann. Cotarel­las Erklä­rung lau­tet: „Das Mit­tel­seg­ment und selbst die Basis der ita­lie­ni­schen Wei­ne sind schlicht und ergrei­fend so gut gewor­den, dass die Kon­su­men­ten kei­nen Grund sehen, mehr aus­zu­ge­ben als unbe­dingt nötig.“

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