Château Bernadotte: Geheimtipp aus dem Haut-Médoc

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Die Weine von Château Bernadotte sind ein Geheimtipp für Leute, die gerne Bordeaux trinken, aber nicht der Gier der berühmten Châteaux anheimfallen möchten: ein Cru Bourgeois im Haut-Médoc, direkt an der Grenze zu Pauillac gelegen. Ulrich Sautter hat ein paar Jahrgänge verkostet und findet, dass der Glanz der berühmten Nachbarn auf seine Weine abstrahlt.

Grenz­zie­hun­gen ver­lau­fen im Wein­bau nicht von unge­fähr dort, wo sie ver­lau­fen: Boden und Mikro­kli­ma ändern sich vie­ler­orts von einem Meter zum nächs­ten. Das gilt selbst in groß­räu­mi­gen Gebie­ten wie Bor­deaux. Man muss also vor­sich­tig sein mit Lob­prei­sun­gen der Art, dass ein Wein in der Nach­bar­schaft zu einem Kult-Château gewach­sen sei und dem­zu­fol­ge höchs­te Wein­qua­li­tät garan­tie­re. Den­noch kann eine hoch­ran­gi­ge Nach­bar­schaft ein soge­nann­tes „klei­nes“ Châ­teau auf­wer­ten. So, wie es bei Châ­teau Ber­na­dot­te der Fall ist, das nur weni­ge hun­dert Meter außer­halb der AOC-Grenzen Pau­il­lacs liegt. „From the hin­ter­land of Pau­il­lac“ prei­sen eng­li­sche Jour­na­lis­ten den Wein mit Bezug auf sei­ne Nähe zu der berühm­te­ren Nachbar-Appellation an.

Von Pichon Lalande auf Vordermann gebracht

Weingut Chateau BernadotteDas Wein­gut wur­de näm­lich im Jahr 1996 von Madame de Lenc­que­saing erwor­ben, der dama­li­gen Inha­be­rin des Super Second-Château Pichon Longue­vil­le Com­tesse de Lalan­de. Die weit­bli­cken­de und erfah­re­ne Wein­guts­be­sit­ze­rin hat­te erkannt, dass Ber­na­dot­te über ein wert­vol­les Kies­pla­teau ver­fügt. Nicht unbe­dingt ein ter­ro­ir auf Augen­hö­he mit den klas­si­fi­zier­ten Gütern Pau­il­lacs – aber den­noch um vie­les inter­es­san­ter als die meis­ten Böden der regio­na­len Appel­la­ti­on Haut-Médoc, zu wel­cher das Châ­teau gehört. Madame de Lenc­que­saing inves­tier­te in neue Kel­ler­ein­rich­tun­gen, in eine wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung der Böden – und auch in eine  behut­sa­me Aus­wei­tung der Ertrags­flä­che.

Grand Vin du Chateau Bernadotte 2004Wein­bergs­pfle­ge und Kel­te­rung wer­den seit­her von der­sel­ben Equi­pe durch­ge­führt, die auch Pichon Lalan­de betreut. Dar­an hat sich auch nach dem Eigen­tü­mer­wech­sel des Jah­res 2006 nichts geän­dert: Seit­her gehö­ren Pichon Lalan­de und Ber­na­dot­te dem Cham­pa­gner­haus Lou­is Roede­rer.

Der Wein von Châ­teau Ber­na­dot­te wird mit einem rela­tiv hohen Merlot-Anteil gekel­tert – ähn­lich wie Pichon Lalan­de. Caber­net Sau­vi­gnon und Caber­net Franc tra­gen in den meis­ten Jah­ren zwi­schen 40 und 50 Pro­zent zur Cuvée bei. Trotz des leich­ten Merlot-Übergewichts ist Ber­na­dot­te jedoch kein auf Früh­rei­fe getrimm­ter, mil­der Wein. In der Jugend zeigt er sich mit einer gesun­den Stof­fig­keit, die ihn für eine mitt­le­re Rei­fe­dau­er von rund zehn, zwölf Jah­ren prä­de­sti­niert. Und auch der Preis bewegt sich im Bor­de­lai­ser Mit­tel­feld: Um die 15 Euro muss man pro Fla­sche inves­tie­ren. Dafür bekommt man zwar kei­nen ech­ten Pau­il­lac – aber einen grund­so­li­den Bor­deaux. Und einen Wein, auf den durch­aus der Glanz sei­ner guten Nach­bar­schaft abstrahlt.

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