„Die Entscheidung ist praktisch schon gefallen“, erklärt Odilon de Varine dem Weinportal Vitisphere gegenüber. Der Kellermeister des Champagnerhauses Gosset in Epernay hat Most mit einem potenziellen Alkoholgehalt von über 13 Vol.% im Keller und muss überlegen, was damit geschieht, wenn die Gärung beendet ist. „Für eine spätere Flaschengärung fehlen Frische und Mineralität. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass wir die entsprechenden Partien als Stillwein verwenden.“ Also keinen Champagner.
Bei Pinot Noir und Pinot Meunier hat de Varine bereits die Extraktion erhöht, beim Chardonnay die Bâtonnage intensiviert. Das Ziel: einen Coteaux Champenois zu erzeugen. So lautet der Appellationsname für die Stillweine aus der Champagne. Mit diesen Vorbereitungen steht de Varine nicht allein. „Mehrere Kollegen ziehen in Betracht, diesen heißen Jahrgang 2026 zu nutzen, um ihren Kunden etwas Neues anzubieten“, berichtet er.
Auch Maxime Toubart, Vorsitzender der Winzervereinigung der Champagne (SGV), hält das Jahr 2026 eher für geeignet, um stillen Coteaux Champenois zu erzeugen als Champagner. „Die Qualität der Trauben böte die Möglichkeit, hervorragende Stillweine zu schaffen.“
Mehr noch. Da aufgrund des Klimawandels schon seit mehreren Jahren in der Champagne Trauben mit hohen Mostgewichten geerntet werden, hat die Winzervereinigung beim Nationalen Institut für die Herkunft und Qualität des Weins (INAO) vorübergehende Änderungen der Produktionsvorschriften für die Appellation Champagne beantragt. „Wir möchten die Beschränkung aufheben, die es untersagt, dass Weine mit einem Alkoholgehalt von mehr als 13 Vol.% nach der Flaschengärung abgefüllt werden dürfen“, bestätigt Toubart. Und: „Unser Ziel ist, dass Champagnerhäuser, die den Jahrgang 2026 nicht mit Reserveweinen verschneiden können oder einen Jahrgangs-Blanc-de-Blancs erzeugen möchten, daran nicht gehindert werden.“ Er plädiert für eine Anpassung an europäisches Recht, nach dem Grundweine mit bis zu 15 Vol.% versektet werden dürfen. Das INAO wird voraussichtlich am 8. September eine Entscheidung treffen.



















































