Die En Primeur-Tastings sind vorbei, die Subskription für den Jahrgang 2025 beginnt. Andrew Black hat sich in St. Emilion und Pomerol umgehört.
Glaubt man den Aussagen der Chateau-Besitzer, gibt es keine schwachen Jahrgänge. Nur gute oder sehr gute. Aber so viele Superlative, wie man sie jetzt vom Jahrgang 2025 hört, sind dann doch selten. Hervorgehoben wird bei den 2025ern vor allem die Struktur mit ultrafeinen Tanninen und der Frische der Frucht. Das gilt für das Linke Ufer ebenso wie für das Rechte. Und besonders erfreulich: Die Qualität zeigt sich schon jetzt. Die Kommentare der Tester nach den Vorverkostungen Anfang April waren teilweise enthusiastisch. Und die Chateaux bestätigen deren Urteile. Repräsentativ haben wir mit den Régisseuren von Chateaux Figeac (St. Emilion) und von Vieux Chateau Certan (Pomerol) Interviews gemacht (siehe unten).
Warmes Frühjahr, heißer Sommer
Dabei sah es ursprünglich gar nicht nach einem großen Jahrgang aus. Der Vegetationszyklus begann spät, legte aber aufgrund des warmen, feuchten Frühlings rasch an Geschwindigkeit zu. Wegen der schwierigen Blüte im Vorjahr bildeten sich in 2025 weniger Knospen, was die Erträge erheblich reduzierte. Danach setzte dann sehr warmes, trockenes Wetter ein, im Sommer auch heißes, wodurch der Stoffwechsel der Reben heruntergefahren wurde und sich die Zuckerbildung in den Trauben verlangsamte. Die Folge waren schlussendlich moderate Alkoholgehalte.
Stars des Jahrgangs: Cabernet Sauvignon und Cabernet franc
Pünktlich zum 1. September gab es dann erste Niederschläge (auf dem Foto der Himmel über St. Emilion am 1. September), allerdings moderat. Sie gaben den Reben noch einmal einen richtigen Vitalschub, so dass der Hitze- und Trockenstress des Sommers für die Trauben weitgehend folgenlos blieb. Die Lese begann in 2025 so früh wie lange schon nicht mehr. Von den drei Sorten, die am Rechten Ufer angebaut werden, waren Cabernet franc und Cabernet Sauvignon die Stars des Jahrgangs. Die Merlot-Trauben war teilweise von der Hitze verbrannt und von der Trockenheit geschrumpelt. Sie mussten aussortiert werden. Wer das gewissenhaft tat, hatte am Ende Grund zum Jubeln: ein wunderbarer Jahrgang mit enormem Potenzial, der die zuletzt stark rückläufige Nachfrage nach Bordeaux stimulieren und den Subskriptionskauf anheizen könnte.
Chateau Figeac, St. Emilion Premier Grand Cru Classé „A“

Das Chateau besitzt 40 Hektar Reben und wurde 2022 in den Rang eines Grand Cru Classé „A“ erhoben, der höchsten Kategorie in St. Emilion. Die Besonderheit der Weine war und ist der relativ hohe Anteil an Cabernet Sauvignon, was für St. Emilion eher ungewöhnlich ist. Er beträgt bei Figeac normalerweise ein Drittel. Die Assemblage in 2025 sieht so aus: 38% Merlot, 32% Cabernet Sauvignon, 30% Cabernet franc. Das Chateau befindet sich seit über hundert Jahren im Besitz der Familie Manoncourt. Mit der Hochstufung und aufgrund des grandiosen Jahrgangs 2022, der von den einschlägigen Kritikern teilweise mit 100/100 Punkten bewertet wurde, war der Preis für den Wein zuletzt stark gestiegen, um mit dem Nachfragetief 2024 und 2025 wieder zu fallen. Frédéric Faye ist der Technische Direktor auf Figeac.

Andrew Black Während der Lese haben Sie gemeint, dass der 2025er Ähnlichkeiten mit dem großen 2022er aufweist, während er aromatisch eher dem 2019er ähnelt?
Frédéric Faye Was die Frische der Frucht angeht, würde ich sagen, dass er etwas vom 2019er hat. Insgesamt denke ich aber immer noch, dass er von seiner Struktur her dem 2022er ähnelt.
Andrew Black Inwiefern erinnert er Sie an Ihren 2022er?
Frédéric Faye In der Qualität der Tannine. Die Schalen und Kerne waren dank des Sommersonne wunderschön gereift, und das ist das Markenzeichen eines wirklich großartigen Jahrgangs. Da der Saftfluss wegen der Hitze nur reduziert vonstatten ging, wuchs auch der Zuckergehalt nur sehr langsam. Der Reifeprozess zog sich in die Länge, was in Bordeaux immer zu hoher aromatischer Intensität führt.
Andrew Black Gleichzeitig führte diese langsame Reifung zu moderateren Alkoholgehalten…
Frédéric Faye Ja, der Durchschnitt lag dieses Jahr trotz der heißen und trockenen Bedingungen bei 13,1 Vol.%.
Andrew Black Hat Sie das überrascht?
Frédéric Faye Eigentlich nicht. Unser Weinbau hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Trauben sind der Hitze nicht mehr so stark ausgesetzt wie früher, und das hilft, hohe Alkoholgehalte zu vermeiden.
Andrew Black Ihre ersten Eindrücke vom Jahrgang 2025 zur Erntezeit waren „sehr gut“. Hat sich Ihre Meinung sich inzwischen geändert?
Frédéric Faye Heute würde ich den 2025er als herausragend bewerten. Nicht nur bei Château Figeac, sondern auch bei vielen anderen Bordeaux-Weingütern.
Andrew Black Was dazu veranlasst Sie zu diesem Urteil?
Frédéric Faye Am beeindruckendsten ist die Textur des Weins. Er ist wunderbar cremig. Die Tannine sind reichlich vorhanden, aber sie sind so geschmeidig, dass sie fast nicht wahrnehmbar sind. Aromatisch kommen herrlich frische Noten von schwarzen Johannisbeeren aus dem Cabernet Sauvignon durch, sowie weiße Blüten vom Cabernet Franc. Was mich wirklich erstaunt, ist, dass das heiße, trockene Wetter bei dem Wein keine Spuren hinterlassen hat.
Andrew Black Sie haben erwähnt, dass die Homogenität der Parzellen die Auswahl des Zweitweins erschwert hat. Wie viel von der Ernte 2025 wird letztendlich in den Petit Figeac einfließen?
Frédéric Faye Sehr wenig. Nur 10 Prozent.
Andrew Black Wie sieht die endgültige Cuvée für den Château Figeac 2025 aus?
Frédéric Faye Nicht großartig anders als normal. Der Merlot mit seiner Rundheit und Weichheit hat für den Charme am Gaumenanfang gesorgt. Der Cabernet Franc, der dieses Jahr so gut war, dass es schwierig war, etwas für den Petit Figeac beiseite zu legen, hat Eleganz, Frische und Spannung beigesteuert. Der Cabernet Sauvignon hat, zusätzlich zu den bereits erwähnten Noten von schwarzen Johannisbeeren, für einen wunderschönen Abgang mit samtigen Tanninen und einem Hauch von Graphit gesorgt.
Andrew Black Das klingt nach Superlativ…?
Frédéric Faye Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass unser 2025er noch besser sein wird als der 2022er. Der Unterschied ist: Er wird früher trinkfertig sein. Der Alkoholgehalt ist niedriger. Am Gaumen ist er etwas weniger dicht. Dafür bietet er geradezu explosive Fruchtaromen.
Vieux Château Certan, Pomerol

Homogenität war ein Merkmal der diesjährigen Ernte. Trotz der Verlangsamung des Stoffwechsels der Reben während der Sommerhitze und der Trockenheit zeigten die 23 Parzellen des 14 Hektar-Besitzes, das in einem einzigen Rebenkörper auf dem Pomerol-Hochplateau liegt, keine großen Qualitätsunterschiede. Die Trauben wiesen normale Zuckerwerte zwischen 13,5 und 14 Grad auf. Allerdings fielen die Erträge aufgrund der kleinen Beeren geringer aus als erwartet, was jedoch eine wichtige Voraussetzung für die außerordentliche Qualität des 2025ers war. Die endgültige Cuvée besteht aus 80% Merlot, 15% Cabernet franc und 5% Cabernet Sauvignon. Vieux Chateau Certan gehört der Familie Thienpont (wie auch Le Pin und Chateau L‘If). Guilleaume Thienpont hat schon vor ein paar Jahren die Position des Direktors von seinem Vater Alexandre übernommen.
Andrew Black Wie würden Sie den Jahrgang 2025 einordnen?
Guillaume Thienpont Ein nahezu vollendeter Wein.Andrew Black Und wie würden Sie ihn charakterisieren?
Guillaume Thienpont Er hat die Üppigkeit des Jahrgangs 2022. Was die Struktur angeht, so liegt sie zwischen 2020 und 2022.

Andrew Black Als wir uns zuletzt zur Erntezeit unterhielten, waren Sie besonders begeistert von dem Cabernet Franc, der kurz vor der Lese stand…
Guillaume Thienpont Ja, und wie erwartet hat er sich als absolut großartig erwiesen. Er ist zu 15 Prozent in die Cuvée eingegangen, und er bildet tatsächlich die Grundlage unseres Grand Vin.
Andrew Black Im Vergleich zu vor einigen Jahren fügen Sie dem Grand Vin immer auch ein paar Prozent Cabernet Sauvignon zu. Liegt das am Klima?
Guillaume Thienpont Zum Teil, aber wir finden, dass der Cabernet Sauvignon eine wichtige aromatische Dimension mit sich bringt. Wir nennen das die „dritte Dimension“.
Andrew Black Der Merlot-Anteil in der Cuvée ist dieses Jahr recht hoch. Vermutlich war der Merlot, der sorgfältig sortiert wurde, von hoher Qualität.
Guillaume Thienpont Die Selektion zwischen den guten Beeren und dem, was aussortiert werden musste, war dieses Jahr einfach. Nur perfekt runde, gesunde Beeren durften in die Gärbehälter.
Andrew Black Vermutlich war es die Trockenheit, die sich auf die Saftmenge ausgewirkt hat…
Guillaume Thienpont Stimmt. Aber die geringere Menge war auch auf die Probleme bei der Blüte zurückzuführen. Da ist einfach viel durchgerieselt. Positiv ist wiederum zu vermerken, dass die Reben kleine Beeren produzierten, was immer eine wichtige Voraussetzung für einem hervorragenden Jahrgang ist.
Andrew Black Wie hoch war am Ende der Gesamtertrag?
Guillaume Thienpont: Mit unserer ursprünglichen Prognose lagen wir nicht weit daneben. Es waren 22 hl/ha.
Andrew Black Wie sieht es mit dem Alkoholgehalt aus? Sie haben 13,5 bis 14 Vol.% prognostiziert…
Guillaume Thienpont Es waren am Ende eher 14.








































































