Verunsicherung in Bordeaux: Preise rauf oder Preise runter?

Fässerreihen Chateau Mouton-Rothschild
Ende Mai – und noch immer kaum Preise für die 2010er Weine. Der Grund liegt auf der Hand: Verunsicherung. Die ersten klassifizierten Châteaux, die mit ihren Preisen rausgekommen sind, zeigen eine widersprüchliche Tendenz: Beychevelle +23, Cantemerle +5,5, Sociando-Mallet – 15 Prozent. Es scheint, dass Bordeaux fürchtet, sein traditionelles Klientel zu verlieren. „China ist nicht alles“, hört man zum Beispiel von Château Palmer. Von Jens Priewe

Noch nie lief die Pri­meur­kam­pa­gne so schlep­pend an wie in die­sem Jahr. Außer ein paar klei­ne­ren Wei­nen sind bis­lang kaum Prei­se bekannt, zu denen der neue Jahr­gang  ange­bo­ten wird. Dabei sind sich die Kri­ti­ker nahe­zu einig: 2010 ist ein gro­ßer Jahr­gang, der denk­wür­di­ge Wei­ne her­vor­ge­bracht hat. Also eigent­lich eine kla­re Sache.

Wird die Preiserhöhung mitgeschluckt?

Doch dies­mal zögern die Châ­teaux. Denn eben­so deut­lich ist, dass die tra­di­tio­nel­le Kund­schaft in Euro­pa und in Ame­ri­ka einer wei­te­ren Preis­er­hö­hung nach den exor­bi­tan­ten Preis­stei­ge­run­gen von 2009 kri­tisch gegen­über steht. Chi­na ist inzwi­schen zwar der größ­te Bordeaux-Markt der Welt gewor­den. Doch „Chi­na ist nicht alles“, gab Ber­nard de Laa­ge de Meux, Ver­kaufs­di­rek­tor von Châ­teau Pal­mer, letz­te Woche auf dem Lon­don Wine Fair zu. Außer­dem weiß nie­mand, ob der Bordeaux-Durst in Fern­ost tat­säch­lich so groß ist, dass die Chi­ne­sen auch gleich eine wei­te­re Erhö­hung der Prei­se mit­schlu­cken.

Etikett Sociando MalletEnt­spre­chend groß ist die Ver­un­si­che­rung bei den Châ­teaux. Vor­ges­tern kam Bey­che­vel­le als ers­tes klas­si­fi­zier­tes Gewächs mit einem Preis­plus von 24 Pro­zent gegen­über 2009 her­aus. „Die Erde bebt“, kom­men­tier­te die Fach­zeit­schrift Decan­ter. Ges­tern oute­te sich dann Soci­an­do Mal­let und bot eine ers­te Tran­che für 15 Pro­zent unter dem Vor­jah­res­ni­veau an. Das Para­do­xe: Soci­an­do Mal­let ist mit 91-93 Punk­ten bei Par­ker einer der Top-Performer unter den Crus Bour­geois, wäh­rend Bey­che­vel­le mit 90-92 Punk­ten eher auf dem Zweitwein-Niveau ande­rer Châ­teaux liegt als auf dem eines viert­klas­si­fi­zier­ten Gewäch­ses. Etikett BeychevelleAußer­dem kos­tet Bey­che­vel­le mehr als dop­pelt so viel wie Sociando-Mallet.

Doch mit Qua­li­tät im Glas haben die Prei­se in Bor­deaux wenig bis nichts zu tun. Bei Bey­che­vel­le muss der neue 50-Prozent-Eigentümer Cas­tel, einer der größ­ten Wein­händ­ler der Welt, der die Geschi­cke des Châ­teau zusam­men mit der japa­ni­schen Suntori-Gruppe bestimmt, ver­su­chen, sei­nen hohen Kauf­preis wie­der ein­zu­spie­len. Dabei spielt die chi­ne­si­sche Dhau auf dem Eti­kett des Weins eine wich­ti­ge Rol­le. Sie übt angeb­lich einen gro­ßen Reiz auf die chi­ne­si­sche Kund­schaft aus.

Signale für ein Ende des Bordeaux-Hype

Doch ob die Nach­fra­ge so hoch ist wie die Eröff­nungs­prei­se, wird sich erst bei der zwei­ten Tran­che zei­gen, die die Châ­teaux frei­ge­ben. Zwei­fel dar­an sind erlaubt. Denn trotz der unstrit­ti­gen Qua­li­tät des 2010ers gibt es Signa­le, die zur Vor­sicht gemah­nen. Ers­tens sind die Prei­se für den 2009er zuletzt leicht gefal­len. Zwei­tens liegt ein gro­ßer Teil der 2009ers noch unver­kauft in den Kel­lern der Châ­teaux. Drit­tens hat Par­ker den Jahr­gang 2008 kürz­lich abge­wer­tet. Und vier­tens ver­kauft sich der 2007er, der jüngs­te phy­sisch auf dem Markt befind­li­che Jahr­gang, der­zeit außer­or­dent­lich zäh.

Château LatourZum ers­ten Mal hat die Uni­on des Grands Crus de Bor­deaux, die Ver­ei­ni­gung der klas­si­fi­zier­ten Bordeaux-Châteaux, des­halb in der letz­ten Woche im Rah­men des Lon­don Wine Fair zu einem Tas­ting die­ses klei­nen – vie­le Fach­leu­te sagen: über­flüs­si­gen – Jahr­gangs gela­den. „Eng­land ist ein wich­ti­ger Kun­de, zu dem wir his­to­risch gewach­se­ne Bin­dun­gen haben“, erklär­te Moni­que Mont­epi­ni vom Pomerol-Château Cli­net. „Wir möch­ten auch in Zukunft auf die­sem Markt prä­sent sein.“

Syl­vie Cazes, Prä­si­den­tin der UGCB, füg­te etwas zwei­deu­tig hin­zu: „Wir möch­ten unse­re Ver­bun­den­heit mit Eng­land und dem inter­na­tio­na­len Wein­han­del inten­si­vie­ren und allen Betei­lig­ten die Mög­lich­keit bie­ten, den 2007er Jahr­gang nach­zu­pro­bie­ren.“

Die klei­nen Jahr­gän­ge für die lie­ben euro­päi­schen Freun­de, die Per­len für Chi­na.

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