Jubel zum Jubiläum: Die Becksteiner Winzer sorgen mit zwei Schwarzriesling-Weinen für Furore

Fasskeller
© Becksteiner Winzer
Es ist eine Punktlandung: 125 Jahre nach ihrer Gründung bringt die Becksteiner Winzergenossenschaft zwei Rotweine auf den Markt, die sogleich für große Aufmerksamkeit in der Weinwelt sorgen.

Ful­mi­nan­te 91 Punk­te sind dem Wein- und Gour­met­ma­ga­zin Fal­staff der 2016 Ger­lachs­hei­mer Her­ren­berg Schwarz­ries­ling Reser­ve der qua­li­täts­ver­ses­se­nen Genos­sen aus dem Tau­ber­tal wert. „Leicht rau­chig, aber auch Prei­sel­bee­re, ein nuan­cier­ter Sor­ten­typ. Zeigt am Gau­men Stoff und Cre­mig­keit, Kern und Volu­men, rei­fes (holz­un­ter­stütz­tes) Tan­nin“, notiert der renom­mier­te Ver­kos­ter Dr. Ulrich Sau­ter. Und wei­ter: „Fein abge­stimm­te Struk­tur, bur­gun­der­haft, dicht, den­noch nicht mas­siv. Hat Poten­zi­al und aro­ma­ti­sche Län­ge, ein ganz erwach­se­ner Rot­wein.“ Die­ses Lob von höchs­ter Stel­le ist das Resul­tat genau­er Arbeit an vie­len Details.

Stammvater des Pinot Noir

Da ist zunächst die Wahl der Reb­sor­te: Der Schwarz­ries­ling, Stamm­va­ter des Pinot Noir (Spät­bur­gun­der) spielt in Deutsch­land mit zwei Pro­zent der Reb­flä­che eine klei­ne Neben­rol­le, auf dem Muschel­kalk­hän­gen des Tau­ber­tals hat er aber einen gro­ßen Auf­tritt. Statt­li­che 65 Hekt­ar der ins­ge­samt 245 Hekt­ar der Beck­stei­ner Genos­sen­schaft sind mit der der alten Sor­te bestockt. Der 200 Mil­lio­nen Jah­re alte Unter­grund sorgt für Fines­se und Tief­gang, für die Wei­ne aus Bur­gun­der­sor­ten auf dem gan­zen Glo­bus geschätzt wer­den, beson­ders, wenn sie aus küh­le­ren Wein­bau­re­gio­nen stam­men. Und eine sol­che ist das Tau­ber­tal gewiss, sein nord­west­li­cher Abschnitt wird gele­gent­lich süf­fi­sant als „Badisch Sibi­ri­en“ bezeich­net; die Trau­ben dan­ken die dadurch beding­te lang­sa­me­re Rei­fe mit beson­ders tief­grün­di­ger Aro­ma­tik.

Akribische Arbeit im Weinberg

Ansicht Weinberg
© Beck­stei­ner Win­zer

Von enor­mer Bedeu­tung ist die Arbeit im Wein­berg, die von den akri­bi­schen Genos­sen­schafts­mit­glie­dern geleis­tet wird. Für die­se bedeu­tet das vor allem Hand­ar­beit, von der Laub­pfle­ge am Wein­stock bis zur Lese. Wobei die­se beim Schwarz­ries­ling Reser­ve nicht zu spät erfolg­te, um Fri­sche und Klar­heit erst ins Fass und dann in die Fla­sche zu brin­gen. Apro­pos Fass: Auch da spa­ren die Beck­stei­ner nicht und set­zen auf Bar­ri­ques (klei­ne Eichen­holz­fäs­ser) aus bes­ter fran­zö­si­scher Pro­duk­ti­on, die welt­weit nach wie vor das Maß der Din­ge dar­stel­len.

Seit mehr als fünf Jah­ren arbei­tet das ver­jüng­te Team um Vor­stand Micha­el Braun und die bei­den Kel­ler­meis­ter Man­fred Braun und Flo­ri­an Döl­ler an die­sem Premium-Projekt. Rund 600 Fla­schen wur­den vom Schwarz­ries­ling Reser­ve abge­füllt.

Der gar nicht so kleine Bruder

Da mag es fast für ein Auf­at­men unter den Wein­freun­den sor­gen, dass es noch einen – gar nicht so klei­nen – Bru­der gibt. Der hat es mit 90 Punk­ten vom Fal­staff auch beacht­lich weit nach oben geschafft und von ihm gibt es glück­li­cher­wei­se etli­che Fla­schen mehr. Für den 2015er Schwarz­ries­ling aus der Edi­ti­on „Kili­an“ ver­merkt Ulrich Sau­ter: „Old­school im Duft: Pflas­ter­strei­fen, bal­sa­misch, etwas Wachol­der und Pini­men­thol. Am Gau­men sehr weit gefasst, weich und geschmei­dig, mil­des, aber dezent kör­ni­ges Tan­nin, rund bei eher ver­hal­te­ner Säu­re, cre­mi­ger Abklang, eine unge­wöhn­li­che Gau­men­struk­tur, die fast etwas aus­le­se­ar­tig wirkt, aber dabei gut zusam­men­hält. Das ist kein biss­chen plump.“

Zwei Unter­schie­de der bei­den Brü­der las­sen sich auf jeden Fall fest­ma­chen: Der Schwarz­ries­ling Reser­ve hat ein Quänt­chen mehr Kraft und mit Sicher­heit das grö­ße­re Rei­fe­po­ten­zi­al, der Schwarz­ries­ling Kili­an hin­ge­gen ist bereits zugäng­li­cher und muss nicht auf die beson­de­re Gele­gen­heit war­ten, die dem Reser­ve zwei­fel­los gebührt. Eine sol­che könn­te ein fest­li­cher Gän­se­bra­ten sein, fei­nes Wild, ein edles Stück Rind vom Grill, gebra­te­ne Stein­pil­ze oder eine Aus­wahl gereif­ter Hart­kä­se.


2016 Ger­lachs­hei­mer Her­ren­berg
2016 Gerlachsheimer Herrenberg

Reser­ve Schwarz­ries­ling Spät­le­se tro­cken | im Bar­ri­que gereift | Preis: 24 Euro


2015 Beck­stei­ner Kirch­berg
2015 Becksteiner Kirchberg

Schwarz­ries­ling tro­cken Kili­an | im Bar­ri­que gereift | Preis: 12 Euro

Über den Autor
Jossi Loibl

Der Chef­re­dak­teur des Mün­che­ner Restau­rant­füh­rers Deli­ka­tEs­sen Jossi Loibl schreibt seit 1986 über Essen und Trin­ken. Nach Sta­tio­nen beim Stadt­ma­ga­zin Mün­chen und als Chef der Lokal­re­dak­ti­on der tz-München (bis 1999), wid­met er sich heu­te aus­schließ­lich Food & Wine-Themen. Seit­her sam­mel­te Loibl unter ande­rem redak­tio­nel­le Erfah­run­gen mit euro­päi­scher Ster­ne­kü­che beim Maga­zin apé­ro und ver­fass­te ein Koch­buch. Er ist außer­dem Mit­glied des Ver­kos­tungs­teams des Gault&Millau Deutsch­land und arbei­tet als Food-Seminarleiter und Dozent zum The­ma Wein.

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