Wenn in Tauberfranken die Reben ruhen und der Nebel im lieblichen Taubertal hängt, verlagert sich der Genuss vom Weinberg in die Tassen und Gläser. Dann haben die Becksteiner Winzer Hochsaison – mit klassisch ausgebauten Weinen, aber auch mit einem Winzerglühwein, der zeigt, dass selbst ein heißes Wintergetränk echten Herkunftscharakter haben kann.
Eine Genossenschaft mit Geschichte und Anspruch
Die Geschichte der Becksteiner Winzer beginnt 1894: 18 Winzer schließen sich damals zu einer Genossenschaft zusammen. Heute sind es rund 250 Mitglieder, die gemeinsam etwa 270 Hektar bewirtschaften – damit ist die eG der größte Weinproduzent der Region.
Das Einzugsgebiet umfasst 21 Weinorte im Herzen des Taubertals, im nördlichsten Weinbaubereich Badens, der Region Tauberfranken. Das kühle Klima und der kalkreiche Untergrund prägen die Stilistik der Weine und Sekte: eher filigran und elegant statt laut und opulent, klar in der Frucht und unkompliziert im Auftritt.
Anspruchslos ist man in Beckstein deshalb aber nicht. Baden gehört zur europäischen Weinbauzone B – ein Qualitätsversprechen, das die Genossenschaft ernst nimmt. Prämierungen belegen das: „Beste Winzergenossenschaft Deutschlands“ 2014 und 2020, vier schwarze Trauben und der Titel „Winzergenossenschaft des Jahres 2024“ im Gault&Millau, dazu hohe Bewertungen bei Falstaff, Berliner Wein Trophy und dem Badischen Weinbauverband.
Rebsortenvielfalt von Tauberschwarz bis Chardonnay
Die Rebsortenpalette ist breit – typisch für eine große Genossenschaft, aber stilistisch zusammengehalten durch das Cool Climate Tauberfrankens.
Ein kurzer Überblick:
Weißweine: Im Sortiment finden sich klassische Sorten wie Silvaner, Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay, dazu Bacchus, Müller-Thurgau, Scheurebe, Gewürztraminer, Muskateller, Kerner, Sauvignon Blanc und der pilzwiderstandsfähige Souvignier Gris.
Rotweine: Bei den roten Rebsorten reicht die Bandbreite vom regionalen Tauberschwarz über Spätburgunder, Schwarzriesling und Zweigelt bis hin zu Merlot und Regent. Hinzu kommen Rosé, Rotling und Blanc de Noir.
Strukturiert ist das Programm nach einer klaren Qualitätspyramide: Gutsweine für jeden Tag, Ortsweine, Lagenweine und „Große Weine“. An der Spitze stehen die „Flaggschiffe“ Reserve (Wein und Sekt) sowie die Linie „Alte Reben“, die aus geringeren Erträgen besonders konzentrierte Qualitäten in die Flasche bringt.
Alle Wein- und Sektspezialitäten, einschließlich des Glühweins, werden im Übrigen vegan erzeugt.
Was den Winzerglühwein aus Beckstein besonders macht
Glühwein ist im deutschen Winter allgegenwärtig – aber Winzerglühwein ist eine eigene Kategorie. Hier dient kein anonymer Massenwein als Basis, sondern die eigenen Qualitätsweine der Genossenschaft, gewürzt und trinkfertig abgefüllt.
Der Winzerglühwein der Becksteiner Winzer wird in Rot und Weiß angeboten und kommt im Sixpack (6 × 0,75 Liter) aus dem Online-Shop ins Haus. „So schmeckt der Winter“, heißt es dazu knapp – und genau darauf zielt das Produkt: unkomplizierter, fruchtiger Genuss, der trotzdem Herkunft und Stil der Genossenschaft erkennen lässt.
Roter Winzer-Glühwein
Im Glas zeigt sich ein sattes Rubinrot. In der Nase dominieren dunkle Kirschen und Waldbeeren, dazu kommen Orangenschale, etwas Hagebutte und eine warme Würzmischung aus Zimt, Nelke und Piment. Am Gaumen wirkt der Glühwein dicht und saftig, mit weicher Textur und einer feinen Süße, die von einer milden Säure getragen wird. Im Abgang bleiben rote Frucht, Kakao-Noten und ein Hauch Pfeffer zurück – genau das Richtige, wenn man nach einem Winterspaziergang die Hände und die Stimmung aufwärmen möchte.
Weißer Winzer-Glühwein
Der weiße Glühwein duftet nach reifen Äpfeln, Birnen und einem Hauch Quitte, begleitet von kandierter Zitrone, Vanille und zarter Sternanis-Würze. Am Gaumen ist er etwas leichter als die rote Variante, mit frischerer Säure und einem zitrischen Zug, der die Süße ausbalanciert. Die Gewürze sind fein dosiert, eher elegant als laut – ein Glühwein, der auch Fans trockener Weißweine abholt und hervorragend zu Weihnachtsgebäck oder einem Stück Apfelstrudel passt.
Ein wichtiger Servicetipp gehört bei den Becksteinern immer dazu: Der Glühwein sollte nicht „kochend heiß“ auf den Tisch kommen, sondern nur behutsam bis knapp unter den Siedepunkt (etwa 70–78 °C) erhitzt werden. Wird er aufgekocht, verliert er nicht nur einen Teil seines Alkohols, auch der Zucker kann karamellisieren – die Farbe wird dunkel, der Geschmack bitter.
Weinempfehlung neben dem Glühwein: 2022 „Reserve“ Chardonnay
Wer nach dem Glühwein Lust auf ein Glas „klassischen“ Wein bekommt – oder das Wintermenü im Warmen lieber mit einem großen Weißwein als mit einer Tasse Glühwein begleitet –, findet in Beckstein gleich mehrere Optionen. Besonders ins Auge sticht der Wein, der auf Ihrem Falstaff-Visual zu sehen ist:
2022 »Reserve« Gerlachsheim Herrenberg Bildweinberg Chardonnay trocken, Becksteiner Winzer
Der Chardonnay aus dem Gerlachsheimer Herrenberg zeigt im Glas ein kräftiges Strohgelb mit goldenen Reflexen. In der Nase verbinden sich reife gelbe Früchte – etwa Birne, gelber Pfirsich und ein Hauch Ananas – mit Noten von gerösteten Haselnüssen, feinem Karamell und einer dezenten Holzprägung. Dahinter liegt eine würzige, fast mediterrane Kräuternote, die dem Wein zusätzliche Tiefe gibt.
Am Gaumen präsentiert sich die „Reserve“ cremig und druckvoll, ohne schwer zu wirken. Die Frucht erinnert an Mango und Mirabelle, dazu gesellen sich würzige Anklänge von Muskat und getrockneten Kräutern. Die Säure ist moderat, aber präzise genug, um der üppigen Struktur Frische zu verleihen. Im langen Nachhall bleiben Nussaromen, feine Röstaromen und ein salziger mineralischer Hauch zurück.
Ein Chardonnay, der perfekt in die kalte Jahreszeit passt und sich besonders gut mit kräftigen Gerichten versteht – etwa zu Geflügel mit sahniger Sauce, zu cremiger Pilz-Pasta oder zu einem aromatisch gewürzten Fischgericht.
Foodpairing-Tipps:
- Zu kräftigen Geflügelgerichten wie Perlhuhn oder Ente mit Orangenjus
- Zu cremiger Pasta mit Steinpilzen oder Trüffel
- Zu würzigem, aber nicht zu scharfem Curry mit Geflügel oder Gemüse
Der Wein hat genug Substanz und Würze, um sich gegen winterliche Küche zu behaupten – und gleichzeitig die Eleganz, die man vom Cool-Climate-Tauberfranken erwartet.
Wintergenuss in zwei Varianten
Die Becksteiner Winzer zeigen, wie breit das Spektrum einer modernen Genossenschaft sein kann: Vom filigranen Gutswein über prämierte Lagen- und Reserveweine bis hin zum Winzerglühwein, der den Winter unkompliziert und doch qualitätsbewusst ins Glas bringt.
Wer draußen mit einer Tasse roten oder weißen Winzerglühwein die Hände wärmt und später am Tisch den 2022er Chardonnay „Reserve“ einschenkt, erlebt zwei Seiten derselben Philosophie: Herkunft, Sorgfalt im Ausbau – und viel Genuss, ganz ohne Chi-Chi.









































































