Wenn von deutschen Weinregionen die Rede ist, denken viele zuerst an Mosel, Pfalz oder Rheinhessen. Bayern taucht in dieser Reihe seltener auf, obwohl der Freistaat das drittgrößte weinbautreibende Bundesland ist. Auch München hat eine längere Beziehung zum Wein, als es die heutige Bierstadt-Erzählung vermuten lässt. Ein Blick auf Zahlen, Handelsgeschichte und aktuelle Verkostungsformate zeigt, wie eng bayerische Weinkultur mit der Landeshauptstadt verwoben ist.
Franken prägt den bayerischen Weinbau
Bayerns Rebfläche liegt laut Bayerischem Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei rund 6.300 Hektar, von denen mehr als 6.200 Hektar auf die geschützte Ursprungsbezeichnung Franken entfallen. Kleinere Anbauflächen befinden sich am bayerischen Bodensee sowie im Landweingebiet Regensburg. Rund 3.700 Betriebe erzeugen Trauben, überwiegend in Kleinstrukturen mit weniger als einem halben Hektar Fläche.
Leitrebsorte ist der Silvaner. Nach Angaben von Deutsche Weine bedeckt er etwa 1.536 Hektar, was rund einem Viertel der fränkischen Rebfläche entspricht. Müller-Thurgau folgt mit 1.298 Hektar auf Platz zwei, Bacchus ergänzt das Weißweinprofil, das insgesamt etwa 83 Prozent der Produktion ausmacht. Kalk- und Keuperböden entlang des Mains liefern die mineralische Grundlage, für die fränkische Weine bekannt sind. Als Speisebegleiter wird der Silvaner hoch geschätzt.
München im mittelalterlichen Weinhandel
Der Blick auf die Stadtgeschichte macht deutlich, wie stark München früher vom Weinhandel geprägt war. Bereits im 14. Jahrhundert fand nordwestlich des Marienplatzes ein öffentlicher Weinmarkt statt, an den heute noch die Weinstraße erinnert. Münchner Kaufleute bezogen Weine aus Südtirol, Österreich, Italien und Württemberg und verkauften sie weiter, meist zusammen mit Gewürzen, Reis, Feigen und Rohseide. Wer sich heute für die aktive Verkostungskultur der Stadt interessiert, findet mit einem Wine Tasting München eine moderne Fortsetzung dieser jahrhundertealten Beziehung zwischen Stadt und Rebensaft.
Der Handel mit italienischen Weinen ist bis heute prägend. Der Weinimporteur Saffer betrieb ab 1924 in Obergiesing eine Abfüllanlage samt Fasskeller, dessen historische Substanz laut Abendzeitung München bis heute erhalten ist. Solche Orte zeigen, dass München über Jahrzehnte hinweg ein bedeutender Umschlagplatz für Weine aus dem Süden geblieben ist.
Qualitätsprüfung und Verkostungspraxis
Wer sich mit bayerischen Weinen beschäftigt, stößt schnell auf ein festes Prüfsystem. Für die Anerkennung als Qualitätswein, Qualitätswein mit Prädikat oder Qualitätsperlwein ist eine sensorische Prüfung vorgeschrieben. Die Geschäftsführung dieser Prüfung liegt bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, die dabei das DLG-5-Punkte-Schema anwendet. Bewertet werden Farbe, Geruch, Geschmack und die Harmonie des Gesamteindrucks.
Diese methodische Herangehensweise findet sich auch in geführten Verkostungen wieder. Teilnehmende lernen dort, Weine in einer festen Reihenfolge zu prüfen, angefangen bei der visuellen Beurteilung über die olfaktorische Analyse bis zur Geschmacksbewertung. In München bieten mehrere Anbieter solche Formate an, teils mit Fokus auf fränkische Weine, teils auf internationale Vergleichsproben. Für Interessierte ist das eine niedrigschwellige Möglichkeit, sensorische Fähigkeiten aufzubauen und regionale Weine im direkten Vergleich mit Erzeugnissen aus Österreich, Italien oder Frankreich einzuordnen.
Regionale Wurzeln, urbane Weinszene
Wer die Verbindung zwischen fränkischem Weinbau und Münchner Weinkultur nachvollziehen möchte, findet zahlreiche Ansatzpunkte. Ein Besuch in Würzburg oder Iphofen zeigt die Herkunft der Trauben. Eine Verkostung in München ordnet das Ergebnis in einen breiteren Kontext ein. Beide Perspektiven ergänzen sich und machen deutlich, dass Bayern nicht nur eine Bier-, sondern auch eine Weinkultur besitzt, die auf gewachsenen Strukturen und klaren Qualitätsstandards beruht.


















































