Bardolino – Ein Wein mit zwei Gesichtern

Der Bardolino wird oft verkannt. Er liefert leichte Weine für den täglichen Genuss und Spitzenweine in D.O.C.G.-Qualität.

Seit rund 2000 Jah­ren wird in der Regi­on Vene­ti­en Wein ange­baut. Schon die Römer lab­ten sich an den vor­züg­li­chen Erzeug­nis­sen, die zwi­schen Gar­da­see im Wes­ten und Vene­dig im Osten her­an­reif­ten. Die Regi­on um die heim­li­che Wein­haupt­stadt Vero­na pro­fi­tiert dabei von ihrer Nähe zur Alpen­re­gi­on als auch von medi­ter­ra­nen Ein­flüs­sen. Dar­aus resul­tie­ren eine Diver­si­tät an Mikro­kli­ma­ta mit tro­cke­nen mil­den Win­tern und ange­neh­men Som­mern im Ver­bund mit ver­schie­de­nen Boden­struk­tu­ren, wel­che für den Wein­an­bau prä­de­sti­niert sind. So wer­den im Vene­to, wie die Regi­on auf Ital­ei­nisch heisst, heu­te rund 8 Mil­lio­nen Hek­to­li­ter Wein gekel­tert und jeder Ken­ner soll­te eine Aus­wahl davon in sei­nem Wein­re­gal ein­la­gern. Rund ein Drit­tel davon sind Wei­ne mit kon­trol­lier­ter Ursprungs­be­zeich­nung D.O.C (deno­mi­na­zio­ne di ori­gi­ne con­trolla­ta) und D.O.C.G. (deno­mi­na­zio­ne di ori­gi­ne con­trolla­ta e garan­ti­ta). Am süd­öst­li­chen Ende des Gar­da­sees liegt die Wein­re­gi­on Bar­do­li­no, benannt nach dem gleich­na­mi­gen male­ri­schen Städt­chen am Ufer des größ­ten Bin­nen­sees Ita­li­ens.

Bar­do­li­no bie­tet leich­te, fruch­ti­ge Wei­ne eben­so wie schwe­re, sam­ti­ge Trop­fen

Die Weine des Bardolino zählen zu den elegantesten der Region

Das Anbau­ge­biet des Bar­do­li­no, wel­ches von der 70 Kilo­me­ter lan­gen male­ri­schen Stra­da del Vino durch­zo­gen wird, umfasst die Zone um Bar­do­li­no, Affi, Cavai­on, Cos­ter­ma­no sowie Lazi­se und Gar­da. Hier ist die vor­al­pi­ne Umge­bung ange­rei­chert mit medi­ter­ra­nen Far­ben und Düf­ten. Die Wein­ber­ge spie­geln sich mit­un­ter im See wider. Das per­fek­te Gleich­ge­wicht zwi­schen Regen und Tem­pe­ra­tur, das mil­de Kli­ma und die Viel­falt der Böden aus Ton, Sand und Kie­sel lie­fern im Zusam­men­spiel mit dem Kön­nen der Win­zer ein her­vor­ra­gen­des Ter­ro­ir. Bis in die 60er-Jahre des letz­ten Jahr­hun­derts wur­de Bar­do­li­no clas­si­co in der nörd­li­chen Regi­on ange­baut. Auf­grund der gro­ßen Nach­fra­ge wur­de das Gebiet nach Süden erwei­tert. Wach­sen in der klas­si­schen Regi­on eher mil­de und leich­te Gewäch­se, sam­meln sich in der frucht­ba­ren Ebe­ne des Südens schwe­re­re Sor­ten mit höhe­rem Alko­hol­ge­halt. Das Cuvée setzt sich aus den Reb­sor­ten Cor­vina, Ron­di­nel­la und Moi­n­a­ra zusam­men, wobei natür­lich jeder Win­zer sei­ne ganz eige­ne Kom­po­si­ti­on pflegt.

Bardolino ist vielfältig kombinierbar

Wer Bar­do­li­no als Mas­sen­wein abtut, der kennt nur die eine Sei­te der Medail­le. Vie­le ört­li­che Win­zer schau­ten in der Ver­gan­gen­heit eher auf Quan­ti­tät als auf Qua­li­tät. Dass Bar­do­li­no in Super­märk­ten wie Aldi und Lidl für unter 2 Euro ange­bo­ten wird, um ita­lie­ni­sches Urlaubs­fee­ling zu ver­spre­chen, hat nicht gehol­fen, bei Bar­do­li­no an Spit­zen­wein zu den­ken. Zudem ist der klas­si­sche Trop­fen eher ein leich­tes Gewächs und mit sei­nen 10 Volu­men­pro­zent Alko­hol als Tisch­wein prä­de­sti­niert. In der Regel ent­steht ein jun­ger Wein von hel­lem Rubin­rot mit fruch­ti­gen Noten und einem Anklang von Zimt, Nel­ken und schwar­zem Pfef­fer, der inner­halb weni­ger Jah­re getrun­ken wer­den soll­te. Er ist mit Spei­sen leicht zu kom­bi­nie­ren und passt zur Sala­mi und Piz­za eben­so wie zu Risot­to, Nudeln, Huhn und rotem Fleisch und soll­te von Kel­ler­tem­pe­ra­tur bis leicht gekühlt getrun­ken wer­den. Wie in ande­ren Län­dern der Welt wird auch in Ita­li­en seit eini­gen Jahr­zehn­ten wie­der mehr auf Qua­li­tät geach­tet und die o.g. Klas­si­fi­zie­run­gen beglei­te­ten die­ses Vor­ha­ben ent­spre­chend. Die Her­stel­ler redu­zier­ten den Ertrag pro Hekt­ar, und mit dem Bar­do­li­no supe­rio­re in D.O.C.G.-Qualität kön­nen heu­te Spit­zen­ge­wäch­se pro­du­ziert wer­den. Die­ser Wein ist min­des­tens ein Jahr im Fass gela­gert wor­den, besitzt mehr Struk­tur und Kör­per als der clas­si­co und zeich­net sich durch ein wür­zi­ges Aro­ma aus. Er behält sei­ne Eigen­schaf­ten auch nach mehr­jäh­ri­ger Rei­fung und eig­net sich her­vor­ra­gend zu Wild und rei­fem Käse.

Novello und Chiaretto runden den Bardolino ab

Ver­voll­stän­digt wird das Ange­bot des Bar­do­li­no durch den Novel­lo D.O.C. und den Chia­ret­to D.O.C. Ers­te­rer wird als „Neu­er Wein“ bezeich­net und soll­te bal­digst und etwas gekühlt getrun­ken wer­den. Er ist leicht koh­len­säu­re­hal­tig und von inten­si­ver rubin­ro­ter Far­be. Sein fri­scher und duf­ti­ger Geschmack har­mo­niert vor­züg­lich mit Fisch und wei­ßem Fleisch. Der Chia­ret­to eig­net sich mit sei­ner hell­ro­ten Far­be gut als Aperitif-Wein. Der blu­mi­ge Roséwein soll­te bei 10–12 Grad ser­viert wer­den und passt zur tra­di­tio­nel­len Anti­pas­ta sowie zu Fisch, Huhn und Risot­to. Die Regi­on Bar­do­li­no hat also erfolg­reich ihren Ruf als Mas­sen­pro­du­zent abge­legt. Das brei­te Spek­trum an Sti­len und unter­schied­li­chen Qua­li­tä­ten wird inzwi­schen welt­weit aner­kannt.

 

 

 

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