Report Frankreich

Alexandre Thienpont über Bordeaux 2011- Reben mit Sonnenbrand

Wie wird 2011 in Bordeaux? Die Hitzewelle im Mai und im Juni hat zumindest in Pomerol große Schäden verursacht. Vieux Château Certan hat 20 Prozent seiner Ernte durch Sonnenbrand verloren. Andrew Black sprach mit Alexandre Thienpont, Manager und Mitbesitzer, über die Aussichten, die frühe Lese, die Begrünung der Weinberge und natürlich über den Markt.

Begrünung der Weinberge wäre eine Hilfe gewesen

Andrew Black: Was hät­ten Sie tun kön­nen, um die Schä­den zu ver­mei­den?
Alex­andre Thi­en­pont: Wir hät­ten die Reben­flu­re begrü­nen müs­sen. Wein­ber­ge mit Grün­saat zwi­schen den Reb­zei­len sind von der Hit­ze­wel­le nicht in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wor­den.
Andrew Black: Auch nicht in den früh rei­fen­den Ter­ro­irs von Pome­rol?
Alex­andre Thi­en­pont: Auch dort nicht. Châ­teau Gom­bau­de Guil­lot, das orga­nisch arbei­tet und eine Grün­de­cke zwi­schen den Reben ange­legt hat, regis­triert kei­ne Son­nen­schä­den.
Andrew Black: Das heißt: Jene Nach­barn, die wie Sie zwi­schen den Zei­len pflü­gen, haben die glei­chen Pro­ble­me wie Vieux Châ­teau Cer­tan?
Alex­andre Thi­en­pont: Ja, außer Pétrus, so weit ich weiß. Pétrus hat etwas küh­le­re Böden.
Andrew Black: Als die Hit­ze­wel­le vor­bei war, hat es ziem­lich viel gereg­net …
Alex­andre Thi­en­pont: 25 Mil­li­me­ter. Aber nicht alles auf ein­mal, son­dern in Schü­ben, so dass die Reben sich zwi­schen­durch immer wie­der vom Was­ser­stress erho­len konn­ten.
Andrew Black: Wie sind jetzt Ihre Ein­schät­zun­gen für den Jahr­gang 2011?
Alex­andre Thi­en­pont: Schwie­rig zu sagen. Einen sol­chen Son­nen­brand wie im Juni habe ich noch nie erlebt. Ich weiß also nicht, wie die Reben auf einen so frü­hen Hit­zes­tress reagie­ren. Der Juli war dann küh­ler als nor­mal. Ins­ge­samt ein unge­wöhn­li­cher Vege­ta­ti­ons­ver­lauf. Wenn ich einen Ver­gleich her­an­zie­hen müß­te, wür­de ich sagen: ähn­lich wie 1983.
Andrew Black: Viel hängt vom Wet­ter im August ab. „Août fait le moût“ sagt man in Bor­deaux (frei über­setzt: der August bringt die Oechs­le, Anm. der Red.). Kann man von einer sehr frü­hen Lese aus­ge­hen?

Vegetationsvorsprung von drei Wochen

Alex­andre Thi­en­pont: Wir hat­ten einen Vege­ta­ti­ons­vor­sprung von drei Wochen, der durch die küh­le Peri­ode wie­der etwas zusam­men­ge­schmol­zen ist. Aber dann hat der Regen wäh­rend der Ver­ai­son (Blau­fär­bung der Trau­ben, Anm. d. Red.) wie­der den alten Abstand her­ge­stellt. Ich wür­de also sagen, dass wir immer noch drei Wochen Vor­sprung haben.
Andrew Black: Wann wer­den Sie dann mit der Ern­te begin­nen?
Alex­andre Thi­en­pont: Gleich Anfang Sep­tem­ber.
Andrew Black: Wird die Men­ge gerin­ger aus­fal­len durch die Hit­ze­wel­le?
Alex­andre Thi­en­pont: Nein, der Behang ist der­zeit üppig. Die Bee­ren sind dick. Wir sind dabei aus­zu­dün­nen, um ein Gleich­ge­wicht her­zu­stel­len und um den Trau­ben Luft zum Atmen zu geben.
Andrew Black: Frü­he Lese bedeu­tet gewöhn­lich einen guten Jahr­gang, bei der Sor­te Caber­net Franc sogar einen sehr guten Jahr­gang …
Alex­andre Thi­en­pont: Die Aus­sich­ten sind zwei­fel­los gut. Ende August wer­den wir wis­sen, ob wir nur einen rei­chen oder auch einen guten Jahr­gang bekom­men.

Der 2010 Vieux Câteau Cer­tan ist im Ver­gleich zu qua­li­ta­tiv ähn­li­chen Pomerol-Weinen preis­wert. In der Sub­skrip­ti­on kos­tet er ab 235 Euro/Flasche (inkl. MwSt).

Bezug:  www.alpinawein.de, www.aux-fins-gourmet.de, www.bacchus-vinothek.de, www.c-und-d.de, www.gute-weine.de, www.pinard.de, www.ungerweine.de, www.weinco.at u.a.

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