Adi Schmid über Kollwentz: „Österreichs bestes Weingut“

Adi Schmid war 30 Jahre lang Sommelier in dem berühmten Wiener Restaurant Steirereck. Er hält das Weingut Kollwentz für das beste Österreichs.

Ich leh­ne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fens­ter: Das Wein­gut Koll­wentz aus Groß­höf­lein im Bur­gen­land ist nach mei­ner Mei­nung das bes­te Wein­gut Öster­reichs. Sei­ne Wei­ne kön­nen sich mit den größ­ten die­ser Welt mes­sen. Die Weiß­wei­ne – vor­wie­gend Char­don­nay und Sau­vi­gnon Blanc – haben Welt­ni­veau. Die Rot­wei­ne sind von unglaub­li­cher Tief­grün­dig­keit, die Süß­wei­ne vom aller­feins­ten – wenn der Jahr­gang mit­spielt. Das ist nicht nur mei­ne Mei­nung. Das ist Fakt. Was die Fami­lie Koll­wentz geleis­tet hat und leis­tet, ist vor­bild­lich.

Kollwentz stand schon früh für Qualität und Innovation

Doch von Anfang an. Anton Koll­wentz wuchs in einem Betrieb mit gemisch­ter Land­wirt­schaft auf mit Äckern, Wie­sen, Tier­hal­tung und Wein. Ihn inter­es­sier­te aber nur der Wein­bau. Schon mit 18 Jah­ren – also 1958 – über­nahm er den Kel­ler. Er absol­vier­te die Wein­bau­schu­le in Eisen­stadt und stieg 1966 mit sei­ner Frau Mar­ga­re­te den elter­li­chen Betrieb ein. Sein Bru­der über­nahm die land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen und ist heu­te einer der größ­ten Agrar­un­ter­neh­mer im Bur­gen­land. Anton Koll­wentz kon­zen­trier­te sich auf den Wein­bau. Als Wein­bau­er stand er von Anfang an für Qua­li­tät und Inno­va­ti­on. Er war einer der ers­ten, der den Zwei­gelt auf ein hohes Qua­li­täts­ni­veau hob und schon früh im Blau­frän­ki­schen die wich­tigs­te rote Reb­sor­te des Bur­gen­lands erkann­te.

Andi und Anton Koll­wentz, © Wein­gut Koll­wentz

Chardonnay statt Weißburgunder

Dabei erwies sich Koll­wentz schon in sei­nen frü­hen Jah­ren als ein Mar­ke­ting­ge­nie. Er hat nicht auf Kun­den gewar­tet, son­dern ging auf die­se zu. Er hat Wei­ne aus dem gro­ßen Jahr­gang 1969 in sein Auto gepackt und begab sich gen Wes­ten. Die gro­ßen Häu­ser am Arl­berg waren sein Ziel. Schon auf sei­ner ers­ten Sta­ti­on in Saal­bach hat­te er Erfolg und konn­te – über­wie­gend Süß­wei­ne – plat­zie­ren. In wei­te­rer Fol­ge hat er auch am Arl­berg reüs­siert und stand mit sei­nen Wei­nen bald auf den Wein­kar­ten der bes­ten Restau­rants – anfangs halt nur mit sei­nen Süß­wei­nen. Doch er hat­te den Fuß in der Tür. Und bald griff er mit sei­nen tro­cke­nen Wei­nen an. Er hat­te früh­zei­tig erkannt, dass er mit dem Weiß­bur­gun­der nicht reüs­sie­ren wür­de und setz­te auf Char­don­nay. Bin­go! Auf den küh­len Kalk­bö­den des Lei­tha­ge­bir­ges war der Char­don­nay genau die rich­ti­ge Wahl.

Seine Liebe gilt dem Blaufränkisch, aber auch dem Cabernet Sauvignon

Bei den Rot­wei­nen galt und gilt sei­ne Lie­be dem Blau­frän­kisch. Über­haupt inter­es­sier­ten ihn Rot­wei­ne mit Tan­nin und Kör­per. So kam er auch auf den Caber­net Sau­vi­gnon, den er mit­tels einer Son­der­ge­neh­mi­gung des Lan­des aus­pflan­zen durf­te, qua­si als Ver­suchs­wein. Die ers­te Ern­te gab es 1983: ein war­mer Jahr­gang, kli­ma­tisch eine Sen­sa­ti­on in der dama­li­gen Zeit. Folg­lich ein tol­ler Wein, der in jenem Jahr aus die­ser Sor­te ent­stand. Gegen Mit­te der 1980er Jah­re – also zu Beginn des öster­rei­chi­schen Rot­wein­booms – reis­te Koll­wentz nach Bor­deaux. Sein Inter­es­se galt dem bio­lo­gi­schen Säu­re­ab­bau, den man in Öster­reich bis dato nicht kann­te. Auch in den Wein­bau­schu­len war der BSA damals noch kein The­ma. In den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren ent­wi­ckel­te Koll­wentz dann den Stein­zei­ler, eine Rieden-Cuvée aus Blau­frän­kisch, Caber­net Sau­vi­gnon, Zwei­gelt und bis heu­te einer der größ­ten Rot­wei­ne Öster­reichs, mitt­ler­wei­le auch von inter­na­tio­na­ler Repu­ta­ti­on.

1971er Steinzeiler: ein historischer Wein

Ich hat­te heu­er Gele­gen­heit, einen 1971 Blau­frän­kisch Stein­zei­ler zu trin­ken (als Erzeu­ger stand auf dem Eti­kett noch Römerhof/Groß Höf­lein). Natür­lich war es schon ein etwas zer­brech­li­cher Wein mit dezen­ten Anklän­gen an Dörr­zwetsch­gen, Him­bee­ren, Rauch & Tabak, Rosen­blü­ten. Aber der Gerb­stoff tän­zel­te noch ziem­lich behän­de auf der Zun­ge, das Säu­re­spiel war fein, der gan­ze Wein sub­til und ele­gant: ein wein­ge­schicht­li­ches Erleb­nis.

Präsident der Renommierten Weingüter Burgenland

Im Jahr 1995 wur­de der Ver­ein Renom­mier­te Wein­gü­ter Bur­gen­land gegrün­det, dem Anton Koll­wentz zehn Jah­re lang als Prä­si­dent vor­stand. Ich habe ihn in so man­cher Wein­ver­kos­tung in die­ser Zeit erlebt. Auch wenn sei­ne Wei­ne nicht immer auf den vor­ders­ten Plät­zen lan­de­ten, gra­tu­lier­te er fai­rer­wei­se sei­nen Mit­be­wer­bern zum Erfolg. Neid ist ein Cha­rak­ter­zug, den man bei Koll­wentz nicht antrifft.  Übri­gens war er auch ein pas­sio­nier­ter Waid­mann. Nach der Jagd kehr­te die Jagd­ge­sell­schaft meist in ein Gast­haus ein. Es gab Wild. Die meis­ten sei­ner Kol­le­gen tran­ken Bier dazu, er trank natür­lich Rot­wein. Ein­mal hat er mir sein Leid geklagt. Die Natur, sag­te er, lie­fe­re ihm nur ein­mal im Jahr Trau­ben. Soll­te es aus irgend­wel­chen Grün­den nicht klap­pen, einen guten Wein hin­zu­krie­gen, müs­se er ein gan­zes Jahr lang war­ten, um es bes­ser zu machen. Ein Koch hät­te es da leich­ter. Wenn ein Gericht nicht so gelun­gen ist, macht er es halt noch ein­mal. Vom über­aus gro­ßen Jahr­gang 1997 gab es erst­mals einen Rot­wein namens PRIVAT, erzeugt von den ältes­ten Reben sei­nes Besit­zes und bes­ten Fäs­sern im Kel­ler: ein herr­li­cher Wein, der bei Kri­ti­kern höchs­te Belo­bi­gun­gen erfuhr.  Den­noch ver­folg­te Koll­wentz die­ses Pro­jekt nicht wei­ter. Das  Schie­len nach 100/100 Punk­ten war ihm fremd.

80 Jahre alt und immer noch in den Reben

Im Juni 2020 hat Anton Koll­wentz sei­nen 80. Geburts­tag gefei­ert. Das Wein­gut hat­te er bereits 2001 sei­nem Sohn Andre­as über­schrie­ben. Andi, wie er über­all in Öster­reich geru­fen wird, hat sich ein stu­pen­des Wis­sen über die Wei­ne die­ser Welt ange­eig­net und das Wein­gut in neue Höhen kata­pul­tiert. Inzwi­schen steht Andis Toch­ter Chris­ti­na, Absol­ven­tin der Wein­bau­schu­le Klos­ter­neu­burg, schon in den Star­lö­chern. Und Anton Koll­wentz selbst geht nach wie fast täg­lich in die Wein­gär­ten, um sie in Schuss zu hal­ten – immer­hin 25 Hekt­ar. Um die Zukunft der Koll­went­z­schen Wei­ne muss einem also nicht ban­ge sein.

Ich habe die Wei­ne der Jahr­gän­ge 2019, 2018 und 2017 ver­kos­tet, die jetzt im Han­del sind. Hier sind mei­ne Kom­men­ta­re:

2019 Sau­vi­gnon Blanc Stein­müh­le
Eine Gra­na­te, in die­sem Jahr­gang floss der Methusalem-Part – die ältes­ten Reben – in die­sen Wein ein. Ein Sau­vi­gnon Blanc von unglaub­li­cher Fines­se. Preis: ca. 25 Euro

2018 Sau­vi­gnon Blanc Stein­müh­le „Methu­sa­lem­re­ben“
Ein mäch­ti­ger, kom­pak­ter Wein mit einen Hauch Rest­zu­cker, der ihm eine ver­füh­re­ri­sche Opu­lenz ver­leiht, von uralten Reb­stö­cken, gewach­sen auf kar­gen Flintstein- und Silex­bö­den. Enor­mes Lager­po­ten­zi­al. Preis: ca. 41 Euro

2019 Char­don­nay Leitha­kalk
Schon Koll­wentz ein­fachs­ter Char­don­nay vom Leit­ha­berg ist unge­mein poin­tiert, besitzt eine cre­mi­ge Tex­tur, einen Hauch Vanil­le und eine aus­ge­präg­te kal­ki­ge Sal­zig­keit. Preis: ca. 22 Euro

2018 Ried Neu­satz
Die­ser Char­don­nay aus Koll­wentz’ wärms­ter Lage am Leit­ha­berg besticht durch vibrie­ren­de Fri­sche, ist straff und dicht gewo­ben, besitzt eine außer­or­dent­li­che mine­ra­li­sche Fein­strah­lig­keit, Duft und Geschmack erin­nern an gel­be Früch­te. Preis: ca. 45 Euro

2018 Ried Tat­sch­ler
Ein kraft­vol­ler Char­don­nay vol­ler Wür­ze und mit tol­lem Kör­per, per­fekt struk­tu­riert. Gewach­sen auf kalk­hal­ti­gen Schie­fer­ver­wit­te­rungs­bö­den in einer beson­de­ren Lage, die schon im Spät­mit­tel­al­ter urkund­lich erwähnt wur­de. Preis: ca. 52 Euro

2018 Ried Kat­ter­stein
Ein beein­dru­cken­der Char­don­nay, in vie­len klei­nen, hoch gele­ge­nen Par­zel­len auf Kalk­bo­den gewach­sen, vol­ler Spann­kraft, dunk­le Mine­ra­li­tät aus­strah­lend, von enor­mer Tie­fe. Bur­gund lässt grü­ßen. Preis: ca. 54 Euro

2018 Ried Glo­ria
Ein Char­don­nay vol­ler Fines­se und Ele­ganz, aus den am höchs­ten gele­ge­nen und kühls­ten Wein­ber­gen am Leit­ha­berg kom­mend, vie­le Facet­ten zei­gend, von bur­gun­di­scher Exo­tik. Muschel­kalk­bö­den. Preis: ca. 58 Euro

2017 Blau­frän­kisch Leitha­kalk
Ein unge­mein ani­mie­ren­der Rot­wein von den war­men Süd­hän­gen des Leit­ha­ber­ges, wo ihm die Böden eine unglaub­li­che Fri­sche und Ras­se ver­lei­hen. Preis: ca. 21 Euro

2017 Eich­ko­gel
Eine Cuvee aus Blau­frän­kisch (70%) und Zwei­gelt (30%): feins­te Frucht­wür­ze, dun­kel­bee­rig, Wald­bee­ren, Tabakno­ten, Extrakt­sü­ße, sehr nuan­ciert. Preis: ca. 31 Euro

2017 Blau­frän­kisch Ried Setz
Ein zart struk­tu­rier­ter Wein aus einer war­men Rie­de am Leit­ha­berg: fei­ne Wür­ze, gro­ße Ele­ganz, hoch­kom­plex. Preis: ca. 55 Euro

2017 Blau­frän­kisch Ried Point
Die Süd­la­ge und der kal­ki­ge Lehm­bo­den haben einen voll­mun­di­gen, aus­drucks­star­ken Wein geschaf­fen: wür­zig mit Nou­gat­no­ten, per­fek­ter Holz­ein­satz, mund­fül­lend. Preis: ca. 55 Euro

2017 Caber­net Sau­vi­gnon’
Reich struk­tu­rier­ter Wein, der im war­men Kli­ma des Bur­gen­lan­des zu beein­dru­cken­der Grö­ße reift, strah­len­des Frucht­spiel, vie­le Cassis-Noten, fes­te Tan­ni­ne, tol­le Län­ge, gro­ße Zukunft.

2017 Stein­zei­ler (BF, CS, ZW)
Hoch­kom­ple­xer Rot­wein von inter­na­tio­na­ler Klas­se, enorm dicht gewo­ben mit Nougat-, Kräuter-, Tabak- und Schwarzkirsch-Aromen, saf­ti­ge Fül­le, betö­rend char­mant. Welt­klas­se.

 

Die Kollwentz-Weine gibt es in Deuts­c­land bei www.bremer-weinkolleg.de, www.wein-baule.de, www.weinfurore.de, www.weingrube.de u.a., in der Schweiz bei www.vonsalis.ch, in Öster­reich bei www.weinco.at, www.weinshop24.at und natür­lich beim Wein­gut selbst: www.kollwentz.at

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