2019er Rosso Conero von Umani Ronchi: Rotwein von der Adria

Überall steigen die Weinpreise. Gute Rotweine unter zehn Euro zu finden, wird schwieriger. Doch es gibt sie, zum Beispiel aus der italienischen Region Marken.

Die Mar­ken sind eine Regi­on mit zwei Gesich­tern. Da ist die azur­blaue Adria mit ihren wei­ßen Sand­strän­den auf der einen Sei­te. Auf der ande­ren, rück­wär­ti­gen Sei­te erhebt sich der wil­de Apen­nin mit end­lo­sen Wäl­dern, in denen Braun­bä­ren leben, und fel­si­gen Gip­feln, auf denen Stein­bö­cke her­um­klet­tern. Zwi­schen die­sen bei­den Land­schafts­ex­tre­men liegt eine sanft wel­li­ge Hügel­land­schaft mit Wie­sen, Fel­dern, Äckern, mit­tel­al­ter­li­chen Dör­fern und Städ­ten. Und Wein­ber­gen.

Weicher als ein Chianti

Die Mar­ken sind ein ehr­gei­zi­ges Wein­an­bau­ge­biet in Mit­tel­ita­li­en, bekannt für ihre Verdicchio-Weißweine und für diver­se Rote. Der bekann­tes­te ist der Ros­so Cone­ro: ein klas­si­scher medi­ter­ra­ner Wein, fruch­tig, voll­mun­dig, leicht tan­nin­be­tont, wei­cher als ein Chi­an­ti zum Bei­spiel, und mit einer spe­zi­el­len Wür­ze, die an einen Cock­tail dunk­ler Bee­ren, Rote Bete und Jod erin­nert.

Die Trau­ben­sor­te, aus der er gewon­nen wird, heißt Mon­te­pul­cia­no. Sie ist eine uralte, ein­hei­mi­sche Sor­te, die sich im mild-warmen Adria­kli­ma extrem wohl fühlt und dort seit Jahr­hun­der­ten ange­baut wird. Mit der gleich­na­mi­gen Stadt in der Tos­ka­na hat sie nichts zu tun. Die Namens­gleich­heit ist rein zufäl­lig.

Dicht gewoben und feine Texturen

Die obi­ge Beschrei­bung gilt auch für den Wein, den ich hier vor­ge­schla­gen möch­te: den Ros­so Cone­ro „San Loren­zo“ aus dem Wein­gut Uma­ni Ron­chi. Ein Lagen­wein, der beson­ders dicht gewo­ben ist und mit fei­nen Tex­tu­ren auf­war­tet. Sein Tan­nin ist per­fekt ver­schmol­zen, die Frucht ist reif und süß und kon­tras­tiert mit der zar­ten Säu­re. So ent­steht eine Span­nung, die sich im Mund glei­cher­ma­ßen als Fri­sche und Fül­le bemerk­bar macht.

Dass der „San Loren­zo“ auch schon im jun­gen Sta­di­um gut zu trin­ken ist, brau­che ich nicht extra zu erwäh­nen. Alles was um zehn Euro her­um kos­tet, ist nicht für eine län­ge­re Lage­rung vor­ge­se­hen. Zu Chi­li con Car­ne, ein Käse­fon­due oder zu dem wohl popu­lärs­ten Gericht der ita­lie­ni­schen Küche, spa­ghet­ti bolo­gne­se, gibt es nichts Bes­se­res.

 

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Gehaltvoll und dennoch unkompliziert

Gehalt­voll und den­noch unkom­pli­ziert zu trin­ken – das schafft nicht jeder Rot­wein, auch nicht jeder Ros­so Cone­ro. Die Wei­ne die­ses Namens sind oft ein biss­chen unge­stüm, um nicht zu sagen: rus­ti­kal. Die Montepulciano-Traube ist züch­te­risch wenig bear­bei­tet. Die Bee­ren haben eine dicke Scha­le, so dass es pas­sie­ren kann, dass der Wein, wenn der Kel­ler­meis­ter nur Rou­ti­ne wal­ten lässt, hart und streng aus­fällt. Auch neigt die Montepulciano-Rebe zu hohen Zucker- respek­ti­ve Alko­hol­ge­hal­ten, wenn die Trau­ben zu spät gele­sen wer­den. Außer­dem ist sie ertrag­stark. Wenn man nicht auf­passt, ern­tet man mühe­los 15.000 Kilo­gramm Trau­ben pro Hekt­ar.

Das D.O.C.-Statut hat den Ertrag auf 13.000 Kilo­gramm begrenzt, was immer noch viel ist. Bei Uma­ni Ron­chi wer­den für den „San Loren­zo“ aber nur zwi­schen 7000 und 9000 Kilo­gramm geern­tet – von Hand selbst­ver­ständ­lich und in zer­ti­fi­zier­ter Bio­qua­li­tät. Das macht den Unter­schied aus. Weil der „San Loren­zo“ ent­spre­chend kräf­tig ist, wird er je zur Hälf­te im gro­ßen Holz­fass und in gebrauch­ten Bar­ri­ques aus­ge­baut, bevor er auf den Markt kommt. Sicher, für Fili­gran­trin­ker ist die­ser Wein nicht geeig­net, für Blockbuster-Liebhaber auch nicht. Alle ande­ren aber wer­den viel Freu­de an ihm haben.

2019 Ros­so Cone­ro „San Loren­zo“, Uma­ni Ron­chi

Preis: 7,90 Euro

Bezug: www.superiore.de u.a.

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