Wein-News Baden

Qualität nicht erkannt: Großem Gewächs droht Tafelwein-Status

Konrad Salwey am Leseband
Im Kaiserstühler Weingut Salwey gärt es: Die amtlich berufene Prüfungskommission hat einem der besten Weine des Gutes zweimal die Anerkennung als Qualitätswein verweigert. Der Wein sei fehlerhaft und damit nicht verkehrsfähig. Tatsächlich hat Konrad Salwey mit seinem Grauburgunder etwas gewagt, was im Ausland durchaus üblich und von anspruchsvollen Verbrauchern auch hoch geschätzt wird: eine Kaltmazeration. Von Ulrich Sautter

Im Kai­ser­stüh­ler Wein­gut Sal­w­ey gärt es: Die amt­lich beru­fe­ne Prü­fungs­kom­mis­si­on hat einem der bes­ten Wei­ne des Gutes zwei­mal die Aner­ken­nung als Qua­li­täts­wein ver­wei­gert. Der Wein sei feh­ler­haft und damit nicht ver­kehrs­fä­hig. Tat­säch­lich hat Kon­rad Sal­w­ey mit sei­nem Grau­bur­gun­der etwas gewagt, was im Aus­land durch­aus üblich und von anspruchs­vol­len Ver­brau­chern auch hoch geschätzt wird: eine Kalt­ma­ze­ra­ti­on. Von Ulrich Saut­ter 

Konrad Salwey am LesebandVer­gan­ge­nes Wochen­en­de in der Kel­ter­hal­le der Sal­w­eys in Ober­rot­weil am Kai­ser­stuhl: In den Gär­tanks und Fäs­sern blub­bert der neue Jahr­gang, auf dem Hof war­ten zwei Bot­ti­che voll Glot­ter­tä­ler Ries­ling­trau­ben auf Ihre Ver­ar­bei­tung. Doch mit­ten im Tru­bel der Lese ver­schwin­det Kon­rad Sal­w­ey im Lager, klet­tert dort zwi­schen Git­ter­bo­xen her­um und taucht schließ­lich mit einer Magnum-Flasche in der Hand wie­der auf: eine Fla­sche ohne Kap­sel und ohne Eti­kett, aber mit bri­san­tem Inhalt. Sal­w­ey stellt zwei Glä­ser auf das Heck sei­nes Gabel­stap­lers und zieht die Fla­sche auf. Gold­far­ben fließt der Wein ins Glas: ein Grau­bur­gun­der des Jahr­gangs 2008 aus der Lage Ober­rot­wei­ler Hen­ken­berg, gele­sen und gekel­tert als Gro­ßes Gewächs.

Kon­rad Sal­w­ey macht sei­ner Empö­rung Luft: „Ich habe den Wein schon zwei­mal bei der Qua­li­täts­wein­prü­fung ange­stellt, bei­de Male ist er durch­ge­fal­len“. Bekannt­lich müs­sen alle deut­schen Wei­ne, die sich „Qua­li­täts­wein“ nen­nen wol­len, eine Blind­pro­be pas­sie­ren, bei der sie durch eine amt­lich beru­fe­ne Kom­mis­si­on begut­ach­tet wer­den. In den Ver­kos­tungs­ju­rys der Qua­li­täts­wein­prü­fung aber sit­zen aus­schließ­lich Kel­ler­meis­ter, und zwar vor­wie­gend sol­che grö­ße­rer Wein­er­zeu­ger und Genos­sen­schaf­ten. Und die, das weiß man, tun sich schwer mit allem Neu­en und Unge­wohn­ten.

Konrad Salwey schenkt Wein einAls anfangs der acht­zi­ger Jah­re die ers­ten Wei­ne in Bar­ri­que­fäs­sern gela­gert wur­den, fie­len sie bei der Qua­li­täts­wein­prü­fung durch. Als Win­zer Ende der neun­zi­ger Jah­re began­nen, mit Spon­tan­gä­run­gen zu expe­ri­men­tie­ren, fie­len ihre Wei­ne durch. Das­sel­be wider­fuhr nun auch Sal­w­eys Hen­ken­berg. Er fand vor den Augen der Jury kei­ne Gna­de. Offi­zi­el­le Begrün­dung: “Reduk­ti­ons­böck­ser“. Mit ande­ren Wor­ten: Der Wein ist feh­ler­haft und damit nicht ver­kehrs­fä­hig.

Was war gesche­hen? Kon­rad Sal­w­ey hat­te sich zu einem Expe­ri­ment ent­schlos­sen, wie es Spit­zen­win­zer im Elsass, im Bur­gund und Süd­frank­reich regel­mä­ßig wagen, wenn sie beson­ders rei­che, kom­ple­xe Weiß­wei­ne ern­ten. Sie vini­fi­zie­ren sie ähn­lich wie einen Rot­wein, um das Poten­zi­al, das in ihnen steckt, bes­ser aus­zu­schöp­fen.

Kommentar

  • […] and clas­si­fi­ca­ti­on bet­ter without dum­bing things down and limi­ting what wine­ma­kers can do.  This isn’t the first time strict Ger­man rules have got in the way of dif­fe­rent kinds of wines, but it isn’t sur­pri­sing that faster-moving, more fle­xi­ble and inno­va­ti­ve wine-making will […]

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