Die Farbe des Weins

Das Auge trinkt mit

Wein ist Augen­lust. Ob leuch­tendes Purpurrot oder sattes Bern­st­ein­gelb, die Farbe des Weins ist eine Botschaft für die Sinne. Mehr noch: Sie kann durchaus etwas über das Alter, die Rebsorte und im Einzel­fall über die Qualität des Weins verraten.

Rubinrot: junger Médoc

Weiß­weine dunkeln mit zuneh­mendem Alter nach. Beson­ders gehalt­volle Weiß­weine, die womög­lich kurz auf der Maische gestanden haben (Kryo­ma­ze­ra­tion), sind jedoch nie glanz­hell, sondern zeigen sich schon jung in einem kräf­tigen Zitro­nen­gelb. Bei Rotweinen ist die Farb­ent­wick­lung umge­kehrt. Sie hellen sich mit zuneh­mendem Alter auf und weisen einen oran­ge­far­benen Schimmer am Rand auf. Bordeaux-Weine, beson­ders aber Burgunder, tendieren nach 20 Jahren oft ins Bräun­liche und werden beinahe unan­sehn­lich. Die Farbe steht dann in krassem Gegen­satz zum Geschmack: Dieser nähert sich seinem Höhe­punkt und entwi­ckelt eine feine, malzige Süße.

Das Problem mit der Farbe

Für junge Bordeaux-Weine wird gerne die Glei­chung aufge­stellt: Je dunkler die Farbe, desto besser ist der Wein. Tatsäch­lich korre­spon­diert die Anzahl der Farb­pig­mente in den Beeren mit der Reife der Trauben und damit mit der Qualität eines Jahr­gangs: Je besser der Jahr­gang, desto dunkler der Wein. Vom Bordeaux-Wein lässt sich jedoch nicht auf andere Weine schließen. Die meisten roten Trau­ben­sorten haben von Natur aus weniger Farbe als die Cabernet Sauvi­gnon, aus der die Bordeaux-Weine über­wie­gend gekel­tert werden. Sie sind – auch in großen Jahren – heller, ohne deswegen schlechter zu sein. Burgunder und Barolo sind typi­sche Beispiele dafür: Sie errei­chen nie die Farb­tiefe eines Bordeaux’ oder eines spani­schen Ribera del Duero. Ein Quali­täts­ur­teil lässt sich aus der Farb­tiefe nicht ableiten. Außerdem kommen dunkel­far­bene Weine häufiger in heißen als in kühlen Anbau­ge­bieten vor. Südspa­ni­sche, südita­lie­ni­sche und alge­ri­sche Rotweine sind häufig nur zum Verschneiden gut.