Alternative Flaschenverschlüsse

Das Pro­blem mit dem Sauerstoff

Die Qua­li­tät des Korks wird schlech­ter. Schuld daran sind man­gelnde Sorg­falt der Kor­k­in­dus­trie und der Kor­k­lie­fe­ran­ten sowie manch­mal auch man­gelnde Hygiene bei den Wein­gü­tern. Fie­ber­haft wird nach alter­na­ti­ven Ver­schlüs­sen gesucht. Aber auch Schraub­ver­schlüsse und Stop­fen aus Poly­mer oder Glas haben ihre Tücken.

Neue Flaschenverschlüsse

Die Feh­ler­quote beim Kork liegt neue­ren Schät­zun­gen zufolge zwi­schen fünf und zehn Pro­zent – Ten­denz stei­gend. Dabei muss es nicht immer ein lupen­rei­ner TCA-Korkschmecker sein, der den Wein­trin­kern den Genuss ver­gällt. Immer häu­fi­ger tre­ten „mas­kierte“ Korkschme­cker mit unspezifisch-muffigen Fehl­tö­nen auf, die die Ver­mu­tung näh­ren, dass auch andere Sub­stan­zen als Chlor mit den Phe­no­len des Korks rea­gie­ren und für die unheil­volle Ver­än­de­rung des Weins ver­ant­wort­lich sind. Wis­sen­schaft­ler und Wein­gü­ter suchen des­halb ver­zwei­felt nach Alter­na­ti­ven für das Natur­pro­dukt Kork. Und sie sind fün­dig gewor­den. Die Frage ist nur, ob die neuen alter­na­ti­ven Wein­ver­schlüsse die in sie gesetz­ten Erwar­tun­gen erfül­len kön­nen. Zwar spricht man­ches für alter­na­tive Ver­schlüsse. Doch ob sie den Natur­kork erset­zen, ist offen.

Kunst­stoff­ver­schluss

Fla­schen­stop­fen aus Kunst­stoff sind bereits weit ver­brei­tet. Sie sehen wie Kor­ken aus, beste­hen aber aus elas­ti­schen Poly­me­ren, die sich zusam­men­pres­sen las­sen und sich im Fla­schen­hals eng an das Innere der Glas­wand drü­cken. Die Ver­schlüsse sind mit­hin leck­si­cher. Trotz­dem fin­det, wie beim Natur­kork, ein Luft­aus­tausch statt. Auch kön­nen Kunst­stoffstop­fen mit einem nor­ma­len Kor­ken­zie­her aus dem Fla­schen­hals gehe­belt wer­den. Der Wein­trin­ker muss nicht ein­mal auf das gewohnte „Plopp“ ver­zich­ten. Der größte Teil von ihnen hat auch den Stop­fen aus Kunst­stoff als Fla­schen­ver­schluss akzep­tiert – aller­dings nur für ein­fa­che Weine, die inner­halb von zwei bis drei Jah­ren getrun­ken wer­den. Län­ger­le­bige Weine wer­den nur sel­ten mit Kunst­stoff ver­schlos­sen. Zwar haben umfang­rei­che Stu­dien an der For­schungs­an­stalt Gei­sen­heim die Funk­tio­na­li­tät und Unbe­denk­lich­keit des Kunst­stof­fes bewie­sen. Doch für eine län­gere Fla­schen­la­ge­rung ist er nicht geeig­net. Weine mit Kunst­stoffstop­fen bauen die schwef­lige Säure rascher ab als Weine, die mit Natur­kork ver­schlos­sen sind. Außer­dem konn­ten nicht alle auf dem Markt befind­li­chen Pro­dukte getes­tet wor­den. Und jeder Her­stel­ler benutzt eine eigene Kunst­stoff­mi­schung. Die einen ver­wen­den Poly­mere auf Koh­len­stoff­ba­sis, also Poly­ethy­len. Andere Kunst­stoffstop­fen sind aus Sili­kon, also Poly­mere auf Sili­zi­um­ba­sis. Einige Pro­dukte kom­men ohne Weich­ma­cher auf den Markt, ande­ren wer­den Weich­ma­cher zuge­setzt. All dies rela­ti­viert die Forschungsergebnisse.

Glas­stöp­sel

Glasstöpsel

Der Glas­stöp­sel wurde von einem deut­schen Zahn­arzt erfun­den. Er gleicht den glä­ser­nen Stöp­seln, die für Whisky- und Cognac-Karaffen üblich sind. Ein­zi­ger Unter­schied: Der Stöp­sel schließt mit einem Plas­ti­kring ab, so dass kein Sau­er­stoff in die Fla­sche drin­gen kann. Damit der Glas­stöp­sel (Mar­ken­name: Vino-Lok) fest­sitzt, wird eine Zinn- oder Plas­tik­kap­sel über ihn gestülpt. Wird sie ent­fernt, reicht ein leich­ter Dau­men­druck, um ihn zu lösen. Ein Kor­ken­zie­her wird nicht mehr benö­tigt. Der Ver­schluss ist hygie­nisch, Korkschme­cker gibt es nicht mehr. Und er ist ästhe­tisch. Wein­trin­kern fällt es leicht, ihn zu akzep­tie­ren, auch wenn es das cha­rak­te­ris­ti­sche „Plopp“-Geräusch beim Öffnen nicht mehr gibt. Der größte Nach­teil die­ses Ver­schlus­ses besteht darin, dass er noch nicht lange erprobt ist. Ob der Wein auch nach Jah­ren noch frisch bleibt, ist unbe­kannt. Die Kon­takt­flä­che des Plas­ti­krings mit der Flüs­sig­keit ist zwar mini­mal. Aber ob die­ser auf Dauer dem Alko­hol, der Säure oder den Phe­no­len des Weins stand­hält, bleibt abzu­war­ten. So ist auch der Glas­stöp­sel zunächst vor allem für Weine eine Alter­na­tive, die inner­halb von drei bis vier Jah­ren getrun­ken werden.

Schraub­ver­schluss

Bei Spi­ri­tuo­sen und Frucht­säf­ten hat sich die­ser Ver­schluss seit vie­len Jah­ren bewährt. Aller­dings sind die Anfor­de­run­gen an einen Wein­ver­schluss anders, und Schraub­ver­schluss ist nicht Schraub­ver­schluss. Erste Ver­su­che mit Schraub­ver­schlüs­sen haben gezeigt, dass der Wein schnel­ler oxy­diert. Die her­kömm­li­chen Dich­tun­gen die­ser Schraub­ver­schlüsse sind zwar lebens­mit­tel­echt, ver­hin­dern aber nicht den Sau­er­stoff­zu­tritt. Anders die neuen Edel­dreh­ver­schlüsse: Bei ihnen ist eine Zinn­fo­lie in die Dich­tung ein­ge­ar­bei­tet. Dadurch sind diese Ver­schlüsse gas­druck­dicht. Ein Luft­aus­tausch fin­det bei die­sen Stel­vin Caps, wie sie in der Fach­spra­che hei­ßen, nicht statt. Da ihnen eine nor­male Kap­sel über­ge­stülpt wird, sind sie für den Käu­fer als Schraub­ver­schluss nicht erkenn­bar. Viele Win­zer sehen die Stel­vin Cap heute als este und sicherste Alter­na­tive für den Natur­kork an, und zwar für Weiß- wie für Rot­weine, für ein­fa­che wie für hoch­wer­tige Weine. Doch auch Stel­vin Caps haben ihre Tücken. So dür­fen die Weine nicht zu reduk­tiv vini­fi­ziert wer­den, weil die sich spä­ter auf der Fla­sche ent­wi­ckeln­den unan­ge­nehm rie­chen­den Gase nicht mehr aus der luft­dicht ver­schlos­se­nen Fla­sche ent­wei­chen kön­nen. Sie brau­chen weni­ger Schwe­fel, da kein Sau­er­stoff in die Fla­sche ein­drin­gen kann. Aus die­sem Grund kann auch die Tan­nin­ex­trak­tion bei Rot­wei­nen mode­ra­ter erfol­gen. Das Tan­nin, das sofort mit Sau­er­stoff rea­giert und ihn bin­det, ent­schei­det nicht mehr über die Lang­le­big­keit des Weins. Die Folge sind fruch­ti­gere Aro­men und eine ele­gan­tere Sti­lis­tik. Der Ver­schluss ändert also den Stil des Weins.