Weinkenner-Newsletter vom 01.12.2011
Liebe Weinfreunde,
Die ersten Glückwunschkarten sind eingetroffen, der DHL-Bote liefert die letzten Pakete noch nach 18 Uhr aus, und an den Kassen der Kaufhäuser sieht man um 19.55 Uhr noch lange Schlangen. Es weihnachtelt. Stress pur für die armen Kassiererinnen, die um diese Zeit normalerweise schon Kassensturz gemacht haben. Wer da „besinnliche“ Weihnachten wünscht, möge bitte erklären, wo die Zeit für hochfliegende Gedanken herkommen soll, wenn man noch den letzten Bus nach Hause kriegen muss.
Auf der anderen Seite sollten der Bote und die Kassiererin nicht unglücklich sein wegen des vorweihnachtlichen Stress – wir alle nicht. Unserer Wirtschaft geht es relativ gut. Der Export boomt. Die Arbeitslosenzahlen sinken. Und die, die einen Job haben, haben wenigstens ein klein wenig mehr in der Tasche als im letzten Jahr. Wir müssen dieses Jahr nicht fragen, ob wir mit etwas Edlem unterm Weihnachtsbaum anstoßen. Wir sinnen nur darüber nach, mit welcher Marke wir es tun: Kupferberg Gold oder Deinhard Lila, Veuve oder der Aldi-Champagner. Luxusprobleme also.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob wir Deutschen das, was wir uns leisten können, auch immer zu genießen imstande sind. „Wieviel Prozent Pinot Noir ist im Dom Pérignon?“ versuchte einer meiner Tischnachbarn neulich den berühmten Nobel-Champagner zu verstehen. Ein anderer Landsmann hängte seine Nase tief und lange in ein Riesling-Glas, um zu diagnostizieren: „Leicht erhöhter ph-Wert.“
Man merkt, wir sind eine Nation von Ingenieuren. Die Welt in Zahlen und Ziffern zu erfassen, das können wir. Vielleicht sind wir deshalb so erfolgreich. Auch dem Wein nähern wir uns gern mit technischem Verstand. Mal schauen, wie gut wir damit über Weihnachten kommen.
Dies sind die aktuellen Themen, die Sie auf weinkenner.de finden:
- Vorsicht Schnäppchen! Diesmal haben knauserige Liebhaber guten Weins wenig Spaß an den vorweihnachtlichen Angeboten des Hard-Dicounters Aldi.
- Das Handelsblatt hat zusammen mit der Weinzeitschrift Vinum sein diesjähriges Ranking der 100 besten Weingüter Deutschlands veröffentlicht. Wer ist auf-, wer ist abgestiegen?
- Unter 10 Euro: Der Kajanero aus dem Hinterland von Neapel ist keiner der üblichen Weichspüler und Mainstream-Weine, sondern ein Roter mit Ecken und Kanten. Genau das Richtige für Freaks.
Diese und viele andere Themen finden Sie auf unserer neu gestalteten Website weinkenner.de. Kommen Sie mal vorbei. Wir erwarten Sie.
Ihr Jens Priewe


