Willkommen in Deutschland: Gigondas, ein Rotwein „toute en finesse“

Die Zacken der Dentelles de Mont­mi­rail sind das Wahr­zei­chen eines kleinen, wenig bekannten Rotwein-Anbaugebiets an der südli­chen Rhône. Es heißt Gigondas. Stefan Krimm war dort, hat den Jahr­gang 2015 probiert – und ist begeis­tert.

Der größte Teil der Weine von der südli­chen Rhône ist rot, expressiv fruchtig, reich an Alkohol und aus Grenache-Trauben gewonnen. Die meisten kommen als Côtes du Rhône auf den Markt, der größten Appel­la­tion Südfrank­reichs. Doch inner­halb der Côtes du Rhône gibt es viele kleine, spezi­elle Anbau­ge­biete, deren Weine sich mehr oder minder deut­lich vonein­ander unter­scheiden, obwohl sie eben­falls aus Grenache-Trauben erzeugt werden: Rasteau, Lirac, Cairanne, Vacqueyras, Châteauneuf-du-Pape zum Beispiel. Letz­tere ist die wohl berühm­teste Appel­la­tion an der südli­chen Rhône.

Mehr Frische als andere Rhône-Weine

Louis Barruol, Château de St. Cosme
Louis Barruol, Château de St. Cosme

Seit ein paar Jahren macht noch eine andere Appel­la­tion von sich reden, die etwas tiefer im Hinter­land der Rhône liegt: Gigondas. Ihre Rebfläche ist nur 1.200 Hektar groß – ein Zehntel derje­nigen Würt­tem­bergs. Die Wein­berge liegen weit verstreut in einer licht­durch­flu­teten, medi­ter­ranen Land­schaft mit ausge­dehnten Wäldern und wilder Strauch­ve­ge­ta­tion und kargen Böden, auf die die Sonne unbarm­herzig nieder­brennt. Was das Haupt­kenn­zei­chen der Gigondas-Weine ist, erklärt Louis Barruol, Präsi­dent der Winzer­ver­ei­ni­gung von Gigondas, so: „Unsere Weine haben mehr Frische als die anderen Rotweine der südli­chen Rhône. Sie wachsen in einem kühlen Mikro­klima auf Kalk­böden und können wunderbar altern.“

Mit den „anderen Rotweinen“ meint er vor allem den Châteauneuf-du-Pape, der nur wenige Kilo­meter entfernt an den Ufern der Rhône wächst, wo die Tempe­ra­turen höher und die Weine reicher sind, aber nicht immer dieselbe Frische aufweisen wie in den höher gele­genen Berei­chen des Hinter­lands.

Der 51-jährige Barruol ist Besitzer von Château St. Cosme, das viele für den besten Wein­er­zeuger in Gigondas halten. Neben seinen „Haus­weinen“ produ­ziert er auch kleine Mengen Côte Rotie und baut seit einiger Zeit sogar an den Finger Lakes in den USA Pinot Noir und Ries­ling an. Auf St. Cosme wird seit über 500 Jahren ohne Unter­bre­chung Wein gekel­tert, und die Reste von in den Stein getrie­benen Behält­nissen im Keller zeigen, dass wohl schon die Römer dort Wein erzeugten.

Grenache mit Syrah und Mourvèdre

Weinberge bei Gigondas
Wein­berge bei Gigondas

Der Gigondas wird – wie die anderen Rotweine der Südli­chen Rhône eben­falls – aus der Sorte Grenache gekel­tert: ganz oder zumin­dest zu 80 Prozent. Den Rest können Syrah und Mouvèdre beisteuern. Benannt ist er nach einem Dörf­chen, das zwar nur 500 Seelen zählt, aber als eines der schönsten der Region gilt mit seinem alten, verwin­kelten Dorf­kern aus ocker­far­benen und ziegel­roten Häusern, umschlossen von einer spät­mit­tel­al­ter­li­chen Mauer, gekrönt von Kirche und Burg. Nur zwei Kilo­meter hinter dem Ort steigen die Dentelles de Mont­mi­rail auf: schroffe, gezackte Kalk-Klippen, die das Wahr­zeichnen von Gigondas bilden.


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2 Antworten zu „Willkommen in Deutschland: Gigondas, ein Rotwein „toute en finesse““

  1. Karl Klammrot sagt:

    Sehr geehrter Herr Priewe,

    können Sie mir bitte einen Shop nennen, bei dem ich in Deutsch­land den 2015 Gigondas Château Redor­tier | de Menthon, Beaumes-de-Venise erwerben kann?

    Vielen Dank für Ihre Hilfe,

    Karl Klammrot

  2. Jens Priewe sagt:

    Leider nein. Da müssen Sie googeln oder in der Domaine anrufen.

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