Mikulov Castle | Photo by MAKY OREL

Tschechische Weine – zwischen Tradition und Moderne

In Tsche­chien wird nicht nur Bier getrunken, sondern auch Wein – und zwar immer mehr. Grund genug, dem Land einen Besuch abzu­statten.

Ganz unbe­stritten darf Tsche­chien sich eine große Bier­na­tion nennen, doch darüber gerät eine weitere groß­ar­tige Tradi­tion allzu oft aus dem Sicht­feld: der Wein­anbau. Seit etwa 1000 Jahren beschäf­tigen sich die Bewohner dieses Landes intensiv mit der Aufzucht, Ernte und Verar­bei­tung schmack­hafter Trauben. Ihre Mühen sind durchaus von Erfolg gekrönt.

Sechs Jahrhunderte Weinbau

Der in Prag gebo­rene Kaiser Karl IV. förderte den Trau­ben­anbau wie kein anderer, er brachte Tsche­chiens Wein­kultur bereits im 14. Jahr­hun­dert zu präch­tiger Blüte. Der Monarch wuchs in Frank­reich auf und erhielt eine entspre­chende Erzie­hung, die ganz sicher auch den Wein­ge­nuss beinhal­tete. Aufgrund seines Bestre­bens zählt Mittel­böhmen auch heute noch zu den wich­tigsten Wein­re­gionen des Landes. Entlang der Elbe haben sich zahl­reiche tradi­tio­nelle Wein­güter nieder­ge­lassen. Doch Südmähren schlägt diesen Land­strich noch um Längen, 90 Prozent aller Rebflä­chen befinden sich auf diesem kost­baren Stück Boden rund um den Fluss Taya.

Treffpunkt: das Casino Rozvadov

Mehr als 40 Prozent der in Tsche­chien konsu­mierten Weine sind lokalen Ursprungs. Die erle­sensten Tropfen unter ihnen eignen sich hervor­ra­gend für die exklu­sive Gourmet-Küche: Wo immer in Tsche­chien die Haute Cuisine im Mittel­punkt steht, darf ein passender nobler Tropfen nicht fehlen! Das gilt auch für die mondänen Kurorte Karlsbad und Mari­enbad, wo die geho­bene Küche schlichtweg zum guten Ton gehört. Das Casino Rozvadov, gelegen zwischen den beiden Kurorten, hat sich eben­falls zum Treff­punkt für alle Genuss­men­schen gemau­sert, die exzel­lente Weine gern mit wahren kuli­na­ri­schen High­lights kombi­nieren. Zur World Series of Poker Europe und dem Poker­Stars Festival herrscht hier Hoch­be­trieb, aber auch außer­halb dieser inter­na­tional bekannten Events kehren Gäste gern in Rozvadov ein, nur um die herr­li­chen Speisen und kost­baren lokalen Weine zu genießen. Schnäpp­chen­jäger aufge­passt: Ausge­feilte 3-Gänge-Menüs gibt es im Casino-Restaurant bereits zu einem Preis von unter 30 Euro.

Lemberger und St. Laurent

Seafood | Foto: Foto: unbekannt
Foto: unbe­kannt

Das Geschmacks­ge­heimnis des südböh­mi­schen Weines liegt haupt­säch­lich im subkon­ti­nen­talen Klima dieser Region, die mit langen, sonnigen Sommern aufwartet. Die Trauben saugen sich gera­dezu mit Sonne voll und reifen wunderbar aus. Die roten Rebsorten Lemberger und St. Laurent gedeihen beson­ders prächtig in dieser wetter­ver­wöhnten Gegend, während die weißen Trauben Velt­liner, Ries­ling, Müller-Thurgau und Sauvi­gnon Blanc sich nicht hinter der sattroten Konkur­renz verste­cken müssen.

Mit dem Fahrrad durch die Reben

Landschaftsschutzgebiet Pálava | Foto: Hotovsson
Land­schafts­schutz­ge­biet Pálava | Foto: Hotovsson

Südlich von Brünn befindet sich eine der regen­ärmsten Land­schaften Tsche­chiens mit über­durch­schnitt­lich hohen Jahres­tem­pe­ra­turen: die Pollauer Berge. Dieses Klima kommt dem Pálava sehr zugute, einer weißen Rebsorte, die nach dem gleich­na­migen Land­schafts­schutz­ge­biet benannt wurde. Der Rote Traminer und die Rebsorte Müller-Thürgau liegen dieser Neuzüch­tung aus dem Jahr 1953 zugrunde, die auch Veverka oder Nema genannt wird. Wer sich die Zeit nimmt, entdeckt die sanfte, medi­ter­rane Hügel­re­gion mit dem Fahrrad, indem er den offi­zi­ellen Wein­routen über Radwege, Feld­wege und Land­straßen folgt. Sicher bieten sich unter­wegs zahl­reiche Möglich­keiten zur Einkehr, und damit auch die Chance, einen guten Quer­schnitt der tsche­chi­schen Premium-Weine genauer kennen­zu­lernen.

In der Bierstadt Prag wird heute auch Wein getrunken

Ganze 18.500 Hektar dienen aktuell dem Weinbau, davon befinden sich mehr als 16.600 Hektar in Südmähren. Im 16. Jahr­hun­dert sahen die Zahlen noch viel beein­dru­ckender aus. Zu jenen Zeiten gab es noch 20.000 Hektar Rebfläche allein in Mähren und 10.000 Hektar in Böhmen. Die mähri­schen Wein­bauern genossen das Privileg, ihre Produkte im gesamten Land an die Frau und an den Mann zu bringen, mit Erlaubnis vom großen Wein­könig Karl, der später zum römisch-deutschen Kaiser avan­cierte. Einzig Prag gehörte nicht zum histo­ri­schen Liefer­ge­biet der Reben­spe­zia­listen. Doch die Einwohner der Haupt­stadt gelten sowieso als passio­nierte Bier­trinker. Eines ist jeden­falls sicher: Heut­zu­tage wird südmäh­ri­scher Wein auch in Prag kredenzt, ein großer Vorteil für alle, die einen histo­ri­schen Stadt­bummel planen und Wert auf eine entspre­chende kuli­na­ri­sche Unter­ma­lung legen. Der Vino­graf Míšeňská bietet sich als exqui­site Loca­tion an, um sich entspannt nieder­zu­lassen und die verlo­ckendsten Ange­bote der ewig langen Wein­karte zu testen. Als kleine Häpp­chen für zwischen­durch dienen zum Beispiel Tapas in unter­schied­li­chen Ausfüh­rungen, sie bilden eine herr­liche geschmack­liche Harmonie mit den köst­li­chen Reben­säften. Auch der Vino­graf Seno­vážné náměstí kann sich mit seiner 600 Weine umfas­senden Karte durchaus sehen­lassen, im modernen Inte­rieur genießen die Gäste wech­selnde saiso­nale Speisen und einen aufmerk­samen Service.

Urlaubsland par excellence

Einem rundum erfüllten Wein­ur­laub in Tsche­chien steht also nichts im Weg, weder, wenn es in die Haupt­stadt Prag geht, noch, wenn Mähren oder Böhmen als Ziel auser­koren sind. Unver­gess­liche Natur­er­leb­nisse und kulturell-historische High­lights lassen sich in unserem schönen Nach­bar­land problemlos mit ausge­feilten kuli­na­ri­schen Genüssen verknüpfen, also: Alle Sinne öffnen und ab nach Osten!

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