Masseto-Vertikale: einmal Himmel und zurück

Der Masseto ist der teuerste Wein Italiens. Über 500 Euro zahlen Lieb­haber für eine Flasche des Merlot von der toska­ni­schen Mittel­meer­küste. Hält der Wein, was der Preis verheißt? Jens Priewe hat 17 Jahr­gänge verkostet. 

Alpina, der deut­sche Haupt­im­por­teur dieses Weins aus dem baye­ri­schen Buchloe, hatte Ende Oktober letzten Jahres zu einer großen Verti­kale des Masseto nach München geladen. Gekommen waren renom­mierte Gastro­nomen, wich­tige Kunden und ein paar Jour­na­listen. Teil­weise waren die Gäste sogar aus England einge­schwebt. Eine Masseto-Probe dieser Größe gibt es nicht alle Tage, schon gar nicht, wenn alle Weine aus der Magn­um­fla­sche einge­schenkt werden. Natür­lich waren auch Alex­andra Belson, Marketing-Direktorin des Wein­guts, und Chefö­no­loge Axel Heinz gekommen. Bobby Bräuer, 2-Sterne-Koch aus dem „EssZimmer“ in der BMW-Welt, beglei­tete die Probe mit einem viel­gän­gigen Menu.

Masseto – ein mediterraner Merlot

Masseto-Keller
Masseto-Keller

Die Weine waren durch die Bank groß­artig, auch die aus den soge­nannten kleinen Jahren: konzen­trierte, dicht gewo­bene Weine mit schönen Texturen, die sich auf der Flasche stark verfei­nert hatten und sich auch nach 15 und mehr Jahren durch große Frische auszeich­neten. Rein­sor­tige Merlots dieser Klasse gibt es nicht viele auf der Welt, wobei der Hinweis nicht fehlen darf, dass der Masseto von medi­ter­ranem Klima geprägt ist. Er ist weicher, saftiger, süßer als die Weine aus Pomerol, die im atlantisch-kontinentalen Klima­be­reich wachsen und eine andere Stilistik aufweisen. Müsste man ein Fazit der Probe ziehen, so lautete es: einmal Himmel und zurück.

Nur fünf Kilometer vom Meer entfernt

Masseto-Lese
Masseto-Lese

Einige Infor­ma­tionen zum Masseto. Der Wein kommt aus Bolg­heri, also jener Appel­la­tion, die durch den Sassi­caia berühmt geworden ist. Weil er ausschließ­lich aus Merlot gekel­tert ist, darf er nicht aus Bolg­heri DOC oder Bolg­heri Supe­riore DOC auf den Markt kommen, sondern nur als einfa­cher Rosso Toscana IGT (Land­wein). Der Name Masseto steht für eine 6,63 Hektar große, abge­grenzte  Wein­bergs­lage, die zur Tenuta dell’Ornellaia gehört. Sie liegt auf etwa 120 Meter Meeres­höhe und nur fünf Kilo­meter von den Stränden Dono­ra­ticos entfernt. Die Böden der Lage bestehen aus Sand und Kies sowie aus blauem Lehm. Er sorgt dafür, dass die Nieder­schläge nicht durch­si­ckern, sondern gespei­chert werden. Bolg­heri leidet im Sommer oft unter Trocken­heit.

Nur 30.000 Flaschen gibt es von dem Wein

Der erste Masseto wurde 1986 noch als Merlot dell’Ornellaia etiket­tiert. Erst ab 1987 nannte sich der Wein offi­ziell Masseto. Er wurde von Anfang an bis heute völlig aus der Produk­tion von Ornellaia ausge­glie­dert und reift in einem eigenen Keller (im Herbst 2018 wird ein völlig neuer, sepa­rater Keller für den Masseto eröffnet). Die Trauben werden in kleinen, 15 Kilo­gramm fassenden Kist­chen von Hand gelesen, die Maische teils im Edel­stahl, teils in großen hölzernen Cuves vergoren. Anschlie­ßend folgt eine 24-monatige Reifung in Barri­ques (100% neu) und ein einjäh­riges Flaschen­lager. Durch­schnitt­lich werden 30.000 Flaschen Masseto erzeugt.

Axel Heinz: „Ein Wein für Kenner“

Chef-Önologe Axel Heinz
Chef-Önologe Axel Heinz

Verant­wort­lich sowohl für die Ornellaia-Weine als auch für den Masseto ist Axel Heinz, ein gebür­tiger Münchener, der in Bordeaux Önologie studiert und auf mehreren Châteaux gear­beitet hat, bevor er 2005 in die Toskana kam. Er hat die Münchener Verti­kale kommen­tiert. „Wir arbeiten beim Masseto mit hohem Aufwand, um den best­mög­li­chen Wein zu bekommen“, erklärte er. „Deshalb ist es uns ein Anliegen, dass die Weine von Leuten getrunken werden, die den Wein zu schätzen wissen, und nicht von Leuten, die ihn wegen des hohen Preises kaufen und dann liegen lassen in der Erwar­tung, dass der Preis weiter steigt.“

Lesen Sie auf den folgenden Seiten meine persön­li­chen Eindrücke von den verschie­denen Jahr­gängen dieses Weins.  Die Weine einer Mini-Vertikale, die ich selbst im Rahmen des Rare Bottle Sharing im Januar 2018 orga­ni­siert hatte, habe ich einge­ar­beitet.

Die Jahrgänge


2015-2014-2013-2011
2010-2008-2007-2006
2004-2002-2001-1998-1997
1996-1995-1990-1989


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