Wie schmeckt eigentlich ein Romanée-Conti?

Die Pinot Noirs der Domaine de la Romanée-Conti gehören zu den teuersten Weinen der Welt – aber auch zu den besten. Für viele Wein­trinker geht eine magi­sche Wirkung von ihnen aus. Jens Priewe hat die Domaine besucht und die großen 2015er probiert.

Einmal im Leben müsste, wenn es in der Welt gerecht zuginge, jeder ehrliche Wein­trinker die Gele­gen­heit haben, einen Romanée-Conti zu trinken. Erstens wegen des damit verbun­denen Genusses. Zwei­tens: Weil es den Menschen danach leichter fiele, die anderen Weine dieser Welt besser einzu­ordnen. Dann gäbe es keine Artikel mehr wie den, der vor zwei Monaten in der Süddeut­schen Zeitung (Werbe­slogan: „Seien Sie anspruchs­voll“) erschien, in dem ein Chianti für 5 Euro aus dem Lidl-Sortiment zum perfekten Wein erklärt und mit 10/10 Punkten versehen wurde. Der Haken ist, dass man einen Romanée-Conti nicht im Super­markt kaufen kann. Auch der Wein­händler um die Ecke würde komisch schauen, wenn ein Kunde nach diesem Wein verlangen würde. Er kostet mindes­tens 10.000 Euro pro Flasche und ist der teuerste Wein der Welt. Sicher, man könnte auch nach Frank­reich fahren und beim Weingut um ein Fläsch­lein nach­su­chen. Doch das ist eben­falls nutzlos. Die eiserne Pforte an der Place de l’Eglise No. 1 in dem Dörf­chen Vosne-Romanée öffnet sich nicht. Und wenn sie sich öffnete: zu kaufen gäbe es nichts, zu trinken eben­falls nichts – außer einem Glas Wasser viel­leicht, weil es im Sommer sehr heiß sein kann im Burgund und das Personal der Domaine höflich und hilfs­be­reit ist.

Die DRC-Weine sind Luxusartikel geworden

Aubert de Villaine
Aubert de Villaine

Schlimm für die gebil­deten Wein­trinker? „Nicht schlimm, aber schade“, gibt Aubert de Villaine gerne zu, der nichts dagegen hätte, wenn inter­es­sierte, neugie­rige Wein­trinker in den Genuss seines Weins kämen: ein Mann von altem norman­ni­schen Adel, hoch gewachsen, aristokratisch-ernster Gesichts­aus­druck, in den Augen­win­keln ein paar Falten, die bezeugen, dass er auch lachen kann. Er ist der Senior-Chef und das Ober­haupt eines von zwei Fami­li­en­stämmen, die sich den Besitz der Domaine de la Romanée-Conti teilen. Leider gibt es vom Romanée-Conti nur durch­schnitt­lich 5.000 Flaschen. Von denen möchten rund eine Millionen Menschen (so hoch wird die Zahl der hart­nä­ckigen Fine Wine-Trinker der Welt geschätzt) so viel wie möglich abbe­kommen. „Glück­lich bin ich nicht darüber, dass unsere Weine zum Luxus­ar­tikel geworden sind und zuneh­mend von Etiket­ten­t­rin­kern, Neurei­chen und Speku­lanten erworben werden“, sagt de Villaine betrübt. Aber er sagt auch: „Es gibt wunder­bare Village-Weine im Burgund, die sollten die Wein­trinker nicht gering schätzen.“

Die Weine werden nicht verkauft, sondern zugeteilt

Altes Kelterhaus der Mönche
Altes Kelter­haus der Mönche

Die Domaine besitzt neben dem Spit­zen­wein Romanée-Conti noch 7 weitere Grands Crus an der Côte d’Or, dem Herz­stück des Burgunds. Insge­samt werden jedes Jahr durch­schnitt­lich 90.000 Flaschen gefüllt. Verkauft werden die Weine aller­dings nicht, sie werden zuge­teilt. Gegen Bares natür­lich. Aber Geld spielt nicht die entschei­dende Rolle bei der Zutei­lung. Ausschlag­ge­bend ist, dass der Wein in die rich­tigen Hände kommt: in die derje­nigen, die ihn trinken, und nicht derje­nigen, die mit ihm speku­lieren wollen. Jedes Land hat einen Exklusiv-Importeur, der entscheidet, ob und wie viele Flaschen eine Person bekommt. Deutsch­land erhält 5 Prozent der gesamten Produk­tion, die Schweiz 2,5 Prozent, Luxem­burg 1 Prozent. Der größte Teil der DRC-Weine bleibt in Frank­reich. Der deut­sche Exklu­siv­im­por­teur ist Kier­dorf­wein (www.kierdorfwein.de) im sauer­län­di­schen Reichshof. In der Schweiz werden die Weine von Martel (www.martel.ch) in St. Gallen, in Luxem­burg von Wengler (www.wengler.lu) in Rosport reprä­sen­tiert.  Wer einer Zutei­lung würdig ist, kann sich in vielerlei Hinsicht glück­lich schätzen, auch deshalb weil er sicher sein kann, echte DRC-Weine im Keller zu haben. Wer hingegen auf dem freien Markt sein Glück sucht, muss wissen, dass über den dort gehan­delten DRC-Weinen immer ein Fälschungs­ver­dacht liegt. Will sagen: Das Risiko ist groß, dass die Flasche echt und der Inhalt billiger burgun­di­scher Land­wein ist. Die DRC-Weine ziehen nämlich nicht nur Kenner magisch an, sondern auch Fälscher.

Emotionen haben keinen Preis

Niedergang in den Fasskeller der Domaine
Nieder­gang in den Fass­keller der Domaine

Burgund ist, was den Wein angeht, ein teures Pflaster. Die DRC-Weine machen keine Ausnahme. Der Corton Grand Cru kostet, wenn er irgendwo auf einer Auktion oder bei einem Händler auftaucht, ab 600 Euro aufwärts pro Flasche, Eché­zeaux und Grand Eché­zeaux 800 bzw. 1.000 Euro, Romanee St-Vivant und Riche­bourg 1.500 bzw. 2.000 Euro, La Tâche 3.000 Euro. Die Frage, ob die Weine den Preis wert sind, stellen nur naive Menschen. Erstens haben Emotionen keinen Preis. Zwei­tens würden texa­ni­sche Ölmil­lio­näre, russi­sche Olig­ar­chen, briti­sche Hedgefonds-Manager, indi­sche Stahl­ma­gnaten, chine­si­sche Parvenus und Porsche-fahrende deut­sche Chef­ärzte wesent­lich mehr zahlen, wenn sie die Chance bekämen, an ein paar Flaschen zu kommen.

2015 wird in die Reihe der großen Jahrgänge eingehen

Hygrometer im Keller der Domaine
Hygro­meter im Keller der Domaine

So viel vorweg. Ich habe die Domaine de la Romanée-Conti im letzten Sommer besucht und die Weine des Jahr­gangs 2015 verkostet, die noch um Fass liegen. „Nie habe ich ein derart perfektes Lesegut gesehen wie in 2015“, sagte mir de Villaine, als wir Treppe hinunter in den alten Keller stiegen, in dem schon die Zister­zi­enser im 12. Jahr­hun­dert ihre Trauben kelterten. Zuge­geben, die Weine waren noch nicht gefüllt. Ein endgül­tiges Urteil steht daher noch aus. Aber alle Voraus­set­zungen für einen großen Jahr­gang sind gegeben. Das heißt: 2015 wird mit Sicher­heit in die Reihe der heraus­ra­genden Jahr­gänge eingehen. Also in einer Reihe mit 2009, 2005 und 1999 stehen.


2015 Corton Grand Cru
2015 Eché­zeaux Grand Cru
2015 Grands Eché­zeaux Grand Cru
2015 Romanée-St-Vivant Grand Cru
2015 Riche­bourg Grand Cru
2015 La Tâche Grand Cru
2015 Romanée-Conti Grand Cru


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