Kellergasse im Weinviertel | ©ÖWM Weinkomitee Weinviertel, Alexander Haiden

Weinviertel Österreich: das Land, in dem das Pfefferl wächst

Das Wein­viertel ist Grüner Veltliner-Land: eine eher kühle Gegend zwischen Wien und der tsche­chi­schen Grenze, wo die Weine oft noch das soge­nannte „Pfef­ferl“ aufweisen. Patrick Hemminger hat sich durch den neuen Jahr­gang gekostet und stellt fünf der span­nendsten Weine vor.

Wir bei weinkenner.de haben schon einmal ausführ­lich über das Wein­viertel berichtet, jenes Anbau­ge­biet, aus dem ein großer Teil des Grünen Velt­li­ners kommt, der in Öster­reich wächst, und das zu den touris­tisch uner­schlos­sensten im ganzen Land gehört. Früher kamen, von ganz wenigen Ausnahmen abge­sehen, viel mittel­mä­ßige Weine aus dem Wein­viertel. Heut­zu­tage keltern Winzer dort Spit­zen­ge­wächse. Das Gute für den Verbrau­cher: die Preise liegen deut­lich unter denen renom­mier­terer Anbau­ge­biete wie Wagram, Krems, Kamptal und Wachau.

Ich habe zahl­reiche Grüne Velt­liner der jungen Jahr­gänge 2015 und 2016 probiert und bin beein­druckt. Fünf Wein­güter haben es mir beson­ders angetan, speziell ihre Topweine, die es meiner Meinung nach mit den besten Grünen Velt­li­nern der renom­mier­teren Anbau­ge­biete Öster­reichs durchaus aufnehmen können.


2016 Weinviertel DAC Reserve „Tradition“

Weingut Dürn­berg, Falken­stein

Dass Matthias Marche­sani gemeinsam mit zwei Freunden ein Weingut führt, „ist halt passiert“, wie er sagt. Vor zehn Jahren traf er in eine Bar zufällig einen Freund aus Jugend­zeiten wieder, Chris­toph Körner. Wie es eben so geht im Leben, hatten die beiden sich irgendwie aus den Augen verloren. Aber die Sympa­thie und das Vertrauen waren nicht weniger geworden und so erzählte Körner seinem alten Kumpel, dass er Hilfe brauche.

Er hatte einst von seiner Oma einen Wein­garten geerbt und diesen neben dem Studium her bewirt­schaftet. Aus dem Hobby wurde rasch ein kleines Weingut. Dann fiel der Eiserne Vorhang. Das führte im Wein­viertel zu einem enormen Struk­tur­wandel. Viele Menschen zogen weg, gingen nach Wien. Plötz­lich standen jede Menge Flächen zu güns­tigen Preisen zum Verkauf. Für das kleine Weingut Dürn­berg war das eine Chance zu wachsen – und Körner ergriff sie. Bis er merkte, dass im das Ganze zu viel zu werden drohte. Da traf er seinen alten Freund Matthias Marche­sani wieder, der sich schließ­lich 2010 gemeinsam mit einem weiteren Kumpel ins Weingut einkaufte. Seitdem teilen sich die drei die Arbeit, „eigent­lich wie in einem Fami­li­en­be­trieb“, sagt Marche­sani.

Matthias Marchesani
Matthias Marche­sani

Rund 60 Hektar gehören inzwi­schen zu Dürn­berg, 60 Prozent sind mit Grünem Velt­liner bepflanzt, mehr als 20 Prozent mit den weißen Burgun­der­sorten Char­donnay, Weiß­bur­gunder und Grau­bur­gunder. Drei verschie­dene Linien werden gekel­tert, allen drei gemein ist ihre Sprit­zig­keit, ihre Frische.

Die erste und einfachste Linie schmeckt wie sie heißt: Trink­ver­gnügen. Bei der zweiten mit dem Namen „Klassik“ wird schon mehr Wert auf die Sort­en­ty­pi­zität gelegt. Die dritte, die „Prime Wine Reserve“ ist zwei­fels­ohne die span­nendste, was den Grünen Velt­liner angeht, beson­ders die Reserve Tradi­tion. Die Reben für diesen wachsen auf Muschel­kalk­ver­wit­te­rungs­böden, die diesem Wein zarte, mine­ra­li­sche Noten verleihen. Außerdem reift er acht Monate auf der Hefe: ein kräftig struk­tu­rierter Grüner Velt­liner mit Tief­gang und Alte­rungs­po­ten­zial.

Preis: 12 Euro
Bezug: ab Weingut www.duernberg.at
Versand­kosten: Bestel­lungen bis Oster­sonntag versand­kos­ten­frei, danach 8 Euro (6 Flaschen)


2015 Grüner Veltliner „Ried Hoher Weg“

Weingut Frank, Herrn­baum­garten

2015 Grüner Veltliner „Ried Hoher Weg“

Wer es gerne etwas üppiger hat, der ist beim Weingut Frank an der rich­tigen Adresse. Der Fami­li­en­be­trieb liegt ganz im Nord­osten des Wein­vier­tels in Herrn­baum­garten, die Grenze zur Tsche­chi­schen Repu­blik ist gerade mal zwei Kilo­meter entfernt. Herrn­baum­garten nennt sich selbst „das verrückte Dorf“, bei den Franks ist davon wenig zu spüren. Sie machen zuver­läs­sige, unauf­ge­regte Weinbergs- und Keller­ar­beit, alles per Hand. Ihre Velt­liner lassen etwas die Frische und die sort­en­ty­pi­sche Pfeff­rig­keit vermissen. Sie sind eher etwas üppiger geraten, gehen zum Teil fast schon ins Cremige. Das sucht nicht jeder im Grünen Velt­liner, es zeigt aber wunderbar, zu was für Wand­lungen die Rebsorte fähig ist.

Preis: 15 Euro
Versand: ab Weingut www.weingutfrank.at
Versand­kosten: 17,90 Euro (12 Flaschen)


2015 Wein­viertel DAC Reserve „8000“, Weingut Setzer, Hohen­warth
2015 Grüner Velt­liner „End des Berges“, Weingut Uibel, Ziers­dorf
2015 Roter Velt­liner „Hoch­strass“

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