Syrah-Legenden: für harte Jungs und starke Mädels

Jens Priewe hat mit 25 harten Männern eine Wein­probe gemacht. Dabei wurden ein Dutzend der besten Syrah der Welt degus­tiert. Mancher wein­ge­stählte Gaumen war am Ende über­for­dert. Schön war es trotzdem.

Syrah ist nichts für fili­grane Gaumen. Die Weine aus dieser Sorte sind mächtig, reich, opulent, wuchtig. Wenn man den derzeit so popu­lären Begriff „Gaumen­kino“ für sie verwenden möchte, dann sollten monu­men­tale Streifen wie Titanic, Star Wars oder Herr der Ringe die Vorlage liefern, nicht zart besai­tete Kunst­filme oder subtile Gefühlsepen. Syrah ist nicht subtil. Syrah ist ein sehr physi­scher Wein, robust, stark, manchmal auch laut: Stoff für harte Jungs und starke Mädels.

Probe mit 25 weingestählten Männern

Bei der Syrah-Probe, die ich vor ein paar Wochen im Rotonda Busi­ness Club in Köln orga­ni­siert hatte, waren die harten Jungs dran: 25 gestan­dene Männer, einige jung und dyna­misch, andere in reiferem Alter, alle in geho­benen Posi­tionen der Wirt­schaft tätig und nach eigener Aussage gestählt im Umgang mit gutem Wein. Mit diesen Männern wollte ich 12 Weine verkosten, die aus der Syrah- bzw. Shiraz-Traube gewonnen sind und die zu den besten der Welt gezählt werden. Man könnte sie „Syrah-Legenden“ nennen, wobei ich mich bemüht hatte, auch Legenden anderer Länder als Frank­reich mit einzu­be­ziehen.

Großes Gaumenkino, was da getrunken wurde

Es war keine leichte Probe. Die Weine strotzten vor Kraft und forderten die ganze Konzen­tra­tion der Teil­nehmer. Wer nicht gerade ein erfah­rener Syrah-Trinker war, hatte Schwie­rig­keiten, die Weine herkunfts­mäßig richtig zu verorten (die Probe war blind). Der in der Regel hohe Alko­hol­ge­halt zeitigte gegen Ende der Probe auch seine Wirkung, beson­ders bei jenen Teil­neh­mern, die vor lauter Begeis­te­rung die Gläser immer bis auf den letzten Tropfen leerten. Die Stim­mung stieg bedenk­lich, der Geräusch­pegel auch, obwohl während des Probie­rens eigent­lich nicht geredet werden sollte. Am Ende gestanden einige der Anwe­senden, dass die Weine ihren Gaumen über­for­dert hatten, was für die Ehrlich­keit dieser harten Jungs spricht. Andere rela­ti­vierten, es sei nur die Zahl der Weine gewesen, die sie habe leicht schwä­cheln lassen. Von einem Wein allein oder von drei Weinen würden sie sich nicht in die Knie zwingen lassen – „auf keinen Fall“. Dass es großes, forderndes Gaumen­kino war, was da geboten wurde, das bestritten auch sie nicht.

Nur reinsortige Syrah waren in der Probe

Heimat der Sorte Syrah ist die Rhône, speziell die Nörd­liche Rhône. In Appel­la­tionen wie Cornas, St. Joseph, Hermi­tage und Côte Rôtie werden die Weine mehr oder minder rein­sortig aus dieser Rebsorte erzeugt (höchs­tens ein paar Prozent weiße Viognier-Trauben dürfen ihnen zuge­setzt werden). An der Südli­chen Rhône ist die Syrah in nahezu jedem Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Vacqueras und Côtes-du-Rhône enthalten, aller­dings nur als klei­nerer Cuvée-Partner. Die domi­nie­rende Rolle spielt dort die Grenache Noir. Auch in den Rotweinen des Languedoc ist sie sehr häufig vertreten, aller­dings auch dort nicht als Leit­sorte. Diese Rolle spielen im Süden Frank­reichs Cari­gnan, Mour­vèdre und Cinsaut. Weine, in denen die Syrah vorherrscht, die gar rein­sortig aus ihr erzeugt werden, sind rar. Beispiel: der berühmte Grange des Pères. Noch rarer sind Weine, die rein­sortig aus Syrah gekel­tert werden, wie etwa Château de Négly. Diese Weine standen aber nicht zur Verkos­tung.


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2 Antworten zu „Syrah-Legenden: für harte Jungs und starke Mädels“

  1. Ralph Urban - www.griechenland-weine.de sagt:

    Vermisse Syrahs aus Grie­chen­land … hätte einiges bieten können die mithalten hätten können 😉

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