Würzburger Stein – Grand Cru für Silvaner, Riesling und …?

Feb 232016

Der Würz­bur­ger Stein ist eine der bes­ten Lagen in Fran­ken und eine der bekann­tes­ten in Deutsch­land. Aber sind die Weine so gut wie ihr Ruf? Kann man sie gar mit einem Corton-Charlemagne ver­glei­chen? Ein Probenbericht …

Der Würzburger Stein

Der Würz­bur­ger Stein

Sel­ten hat man die Qua­li­tät der frän­ki­schen Weine so gut erlebt wie beim Jahr­gang 2014. Die Sil­va­ner und Ries­linge vom Main sind von einer Aro­men­tiefe und Spann­breite, wie es sie lange nicht gege­ben hat.

Beson­ders gut gelun­gen sind die Weine vom Würz­bur­ger Stein, die­sem lang­ge­zo­ge­nen, bana­nen­för­mi­gen Hang, der gleich hin­ter dem Würz­bur­ger Haupt­bahn­hof beginnt und sich über drei Kilo­me­ter gen Wes­ten par­al­lel zum Main hin­zieht. Eine Muschelkalk-Lage, 200 Mil­lio­nen Jahre alt, unter der dün­nen Humus­schicht sehr stei­nig, ent­spre­chend warm, zusätz­lich nach Süden aus­ge­rich­tet. Die hohe Wert­schät­zung, die die Lage schon vor meh­re­ren Jahr­hun­der­ten genoss, hat wahr­schein­lich damit zu tun, dass die Trau­ben dort siche­rer aus­rei­fen konn­ten als in vie­len ande­ren Gegen­den Fran­kens. Oder anders aus­ge­drückt: Die Stein-Weine waren weni­ger sauer.

Die Filet­stü­cke sind als Große Lagen klassifiziert

Mit der Kli­ma­er­wär­mung und den neuen Anbau­me­tho­den ist die­ser Stand­ort­vor­teil irre­le­vant gewor­den. Was die Lage Stein heute von ande­ren, gewöhn­li­chen Lagen unter­schei­det, ist die beson­dere Prä­gung, die sie den Wei­nen mit­gibt: eine feine Mineralität.

Bürgerspital

Bür­ger­spi­tal

Der Würz­bur­ger Stein ist von der Aus­deh­nung her eine der größ­ten Lagen in Deutsch­land. Sie umfasst 71 Hektar. 95 Pro­zent davon befin­den sich im Besitz der drei gro­ßen Würz­bur­ger Güter: Bür­ger­spi­tal, Juli­us­spi­tal, Staat­li­cher Hof­kel­ler. Die Filet­stü­cke des Stein sind vom VDP als Große Lage klas­si­fi­ziert wor­den. Dort dür­fen aus den Reb­sor­ten Ries­ling, Sil­va­ner und Weiß­bur­gun­der Große Gewächse erzeugt wer­den – das beste, was Deutsch­land an Wein zu bie­ten hat, und das langlebigste.

Anfang Februar hat­ten die drei Güter zur gro­ßen Stein-Weinprobe nach Würz­burg gela­den. Zwei Dut­zend Jour­na­lis­ten, lokal und über­re­gio­nal, soll­ten über­prü­fen, wie es mit der Qua­li­tät der Stein-Weine aus­sieht und ob es eine Typi­zi­tät gibt. Begin­nen wir mit dem Sil­va­ner. Die 2014er sind, wie wir auf weinkenner.de schon im Sep­tem­ber letz­ten Jah­res geschrie­ben hat­ten, „Pau­ken­schlag­weine“. Das gilt nicht nur für die Gro­ßen Gewächse, son­dern auch für die Erste Lage, eine VDP-Kategorie, die den klei­nen Spät­le­sen von frü­her ent­spricht. Preis­lich aus­ge­drückt: die 10- bis 13-Euro-Weine.

2014er Sil­va­ner – zu jung zum Trinken

Juliusspital

Juli­us­spi­tal

Fan­gen wir mit den Sil­va­nern an. Die Ers­ten Gewächse aller drei Güter sind der­zeit wenig attrak­tiv. Sie sind weit­ge­hend noch von ihren Pri­mär­aro­men geprägt. Mineralisch-würzig der Sil­va­ner vom Hof­kel­ler (im Holz­fass aus­ge­baut), salzig-schmelzig der Wein vom Juli­us­spi­tal, extrem dicht und fili­gran der Bürgerspital-Silvaner (im gro­ßen Holz­fass ver­go­ren und lange auf der Fein­hefe gele­gen) – kleine Große Gewächse alle drei. Wer sie jetzt trinkt, schmeißt sein Geld zum Fens­ter raus. Kaum etwas spürt man von den Stein-Feinheiten, die in den Wei­nen ste­cken. Eine gewis­sen Sal­zig­keit: ja, Säure eben­falls, aber keine „erdi­gen“ Noten, wie man sie dem Sil­va­ner frü­her nach­sagte. Auch Frucht ver­misst man in die­sen Wei­nen. Wie lange man war­ten muss, bis es sich lohnt, eine Fla­sche zu öffnen, weiß ich nicht. Hängt auch davon ab, wie viel Fri­sche man braucht und wie viel Rei­fea­roma man haben möchte.


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  Eine Antwort zu “Würzburger Stein – Grand Cru für Silvaner, Riesling und …?”

  1. [...] Detail­lierte Verkostungs-Notizen der Flights hat der Wein-Journalist Jens Priewe veröffentlicht [...]

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