Würden Sie zu diesem Gericht einen Bordeaux trinken?

Dez 012016

Kön­nen Sie durch­aus – auch wenn es gegen her­kömm­li­che Regeln ver­stößt. Patrick Hem­min­ger hat an einem Boot­camp zum Food­pai­ring teil­ge­nom­men. Die Auf­gabe: tro­ckene Rot­weine wie den Bor­deaux mit pas­sen­den Spei­sen zu kombinieren.

Bordeaux passt zu vielen Speisen

Bor­deaux passt zu vie­len Speisen

Bor­deaux hat ein Image­pro­blem. Nicht was die gro­ßen Weine angeht, auf die Ken­ner jedes Jahr unge­dul­dig war­ten und für die sie Fla­schen­preise von 100 Euro und mehr zah­len. Wohl aber die zahl­rei­chen klei­nen Châ­teaux und Domai­nes in den nie­der­ran­gi­gen Appel­la­tio­nen rund um die selbst ernannte Wein­haupt­stadt der Welt. Und die ste­hen für 97 Pro­zent der Pro­duk­tion des gesam­ten Bordelais.

Der Bordeaux-Hype geht an den klei­nen Châ­teaux völ­lig vorbei

Diese meist namens­lo­sen Wein­er­zeu­ger tau­chen sel­ten bis nie in den Schlag­zei­len auf. Der Bordeaux-Hype geht völ­lig an ihnen vor­bei. „Ist Bor­deaux wirk­lich der leckere Bra­ten, von dem jeder eine Scheibe haben will?“ fragt sich der Som­me­lier und Jour­na­list Sebas­tian Bordthäu­ser, einer der bes­ten Wei­ner­klä­rer unter den deut­schen Som­me­liers. Und er gibt selbst die Ant­wort: „Eher nicht.“ Man­che Men­schen inter­es­sie­ren sich nicht für Bor­deauxweine, weil sie von vorn­her­ein den­ken, diese seien teuer. Oder weil sie mei­nen, Bor­deauxweine seien schwer. Andere haben schon mal einen Bor­deaux getrun­ken, der ihnen nicht geschmeckt hat, und glau­ben nun, jeden, der es hören will (oder auch nicht), auf­klä­ren zu müs­sen, dass Bor­deaux nicht so gut ist, wie behaup­tet wird. Wie­der andere gehen mit der Erkennt­nis hau­sie­ren, dass man junge Bor­deaux nicht trin­ken könne, nur gereifte mach­ten Spaß. Vor­ur­teile, Halb­wahr­hei­ten, Phantasien.

Bes­tes Preis-/Leistungsverhältnis bei Rotweinen

Zum Preis­ar­gu­ment. Viele Men­schen las­sen sich von den Phan­ta­sie­prei­sen der teu­ren Châ­teaux täu­schen. In Wahr­heit gibt es bereits für weni­ger als 30 Euro, ja auch schon unter zehn Euro, gute Bor­deaux. Bor­deaux bie­tet, wie wir auf weinkenner.de geschrie­ben haben, der­zeit das beste Preis-/Leistungsverhältnis in Europa auf dem Rotweinsektor.

Zum Geschmacks­ar­gu­ment: Die Anbau­flä­che des Bor­de­lais, des größ­ten zusam­men­hän­gen­den Wein­bau­ge­biets der Welt, beträgt rund 120.000 Hektar Wein­berge (zum Ver­gleich: Deutsch­land hat ins­ge­samt 102.000 Hektar Reb­flä­che). Wer nun behaup­tet, Bor­deaux schlecht­hin würde ihm nicht schme­cken, der bewegt sich auf dem glei­chen Niveau wie jener Banause, der das­selbe von deut­schem Wein behaup­tet. DEN Bor­deaux gibt es nicht, genauso wenig wie es DEN deut­schen Wein gibt. Sebas­tian Bordthäu­ser sagt: „Es ist in Bor­deaux viel weni­ger in Stein gemei­ßelt, als viele den­ken. Dafür ist die Region ein­fach zu groß.“

Heute schme­cken auch junge Bor­deaux schon ziem­lich gut

Weinlese in Bordeaux | Foto: ©CIVB

Wein­lese in Bor­deaux | ©CIVB

Ohne­hin geschieht gerade vie­les im Bor­de­lais. Bio­win­zer wur­den lange belä­chelt, inzwi­schen befin­det sich ein Drit­tel der Betriebe in Umstel­lung auf das EU-Label. Die strikte Tren­nung in rech­tes Ufer = Mer­lot und lin­kes Ufer = Caber­net Sau­vi­gnon gilt auch immer weni­ger. Um die Weine frü­her zugäng­lich zu machen, geben immer mehr Win­zer am lin­ken Gironde-Ufer Mer­lot in ihre Cuvée. Aller­dings bekom­men die Weine dadurch manch­mal einen höhe­ren Alko­hol­ge­halt. Die Reb­sorte neigt bei war­men und lan­gen Som­mern zu hohen Zucker­wer­ten und damit zu hohem Alkoholgehalt.

Zum Alters-Argument: Das Muss der lan­gen Rei­fe­zeit war ein­mal. „Vor 15 Jah­ren hat man bei den Primeur-Verkostungen auf Tan­nin gebis­sen. Heute möchte man die Sachen am liebs­ten sofort aus­trin­ken, so wun­der­bar sind sie manch­mal schon in jun­gen Jah­ren“, sagt Bordthäuser.


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