Wo die Pinguine brüten: Pinot Noir aus Tasmanien

Feb 142016

Anne Kre­biehl MW hat sich ans Ende der Welt bege­ben: nach Tas­ma­nien. Dort, wo die Pin­guine brü­ten, wach­sen einige der schöns­ten Pinot Noirs die­ser Erde. Den Weg nach Deutsch­land wer­den sie wahr­schein­lich nie finden.

Pinguine in Bicheno

Pin­guine in Bicheno

Im fah­len Schein der Lich­ter, die die Strand­bö­schung stel­len­weise erleuch­ten, erkennt man sie: kleine, zier­li­che Pin­guine. Auf ihren kur­zen Bei­nen wat­scheln sie erschöpft an Land. All­jähr­lich kom­men sie, um hier an der Ost­küste Tas­ma­ni­ens ihre Eier zu legen und aus­zu­brü­ten. Die rela­tiv klei­nen Schwimm­vö­gel sind nicht für das ewige Eis der Ant­ark­tis geschaf­fen und füh­len sich des­halb in den küh­len, aber nicht eisi­gen Brei­ten wohl.

Erst Schaum­weine, dann Pinot Noir

Genau die­ses cool cli­mate ist, was Tas­ma­nien so fas­zi­nie­rend macht: Hier wach­sen Weine, die unsere Vor­stel­lung von Aus­tra­lien so rich­tig auf den Kopf stel­len. Wie so viele Wein­re­gio­nen an der Grenze der kli­ma­ti­schen Mög­lich­kei­ten, ist Tas­ma­nien durch seine Schaum­weine bekannt gewor­den. Mit ihrer natür­li­chen Fri­sche beein­dru­cken sie auf natio­na­len und inter­na­tio­na­len Wett­be­wer­ben. Und wo gute Schaum­weine wach­sen, da gibt es in der Regel auch inter­es­sante Pinot Noirs: Diese Reb­sorte ist prä­des­ti­niert für warme Lagen in küh­len Regionen.

Pio­nier Frey­ci­net Vineyards

Weinberg von Freycinet Vineyards

Wein­berg von Frey­ci­net Vineyards

Clau­dio Raden­tis Schwie­ger­el­tern gehör­ten zu den ers­ten, die an der Ost­küste Tas­ma­ni­ens in den spä­ten 70er Jah­ren began­nen, Pinot Noir zu pflan­zen – gerade mal 18 Kilo­me­ter süd­west­lich der Pin­guin­lan­de­stelle in Bicheno. So ent­stand das Wein­gut Frey­ci­net Vineyards. „Es ist unheim­lich wich­tig, die rich­ti­gen Lagen zu iden­ti­fi­zie­ren“, sagt Radenti und zeigt über seine Reben, die sich wie ein Amphi­thea­ter nach Osten nei­gen. „Tas­ma­nien macht nicht viel Wein, aber was hier wächst, ist gut. Mehr und mehr Wein­leute vom Fest­land kom­men hierher.“

Zu ihnen gehö­ren auch Brown Bro­thers, die das Wein­gut Tamar Ridge im nord­öst­li­chen Tamar Val­ley gekauft haben. Jetzt besit­zen sie auch Land an der Ost­küste und sind zu Raden­tis Nach­barn gewor­den. Mana­ger Will Adkins bezeugt, dass Devil’s Cor­ner Vineyard mit sei­nen 170 Hektar der größte zusam­men­hän­gende Wein­berg Tas­ma­ni­ens ist. Der Unter­schied ist augen­fäl­lig: Radenti besitzt ledig­lich 14,75 Hektar. Er arbei­tet selbst in Wein­berg und Kel­ler, wäh­rend Brown Bro­thers sein Per­so­nal hat.

Die Nach­frage ist riesengroß

Brown Bro­thers ist ein Glo­bal Player des aus­tra­li­schen Wein­busi­ness. Ihre Head­quar­ters haben sie in Milawa im Bun­des­staat Vico­ria. Der Wein­berg in Tas­ma­nien ist einer sei­ner jüngs­ten Neu­grün­dun­gen. Brown Bro­thers hat die Mög­lich­keit, tas­ma­ni­schen Pinot Noir in die wei­tere Welt zu tra­gen: „Auch wenn es eine Weile dau­ern wird: Es ist Zeit, Tas­ma­nien und seine Pinots in der Welt bekannt zu machen“, sagt Adkins. „Sie sind ein­fach beson­ders. Aller­dings ist die Nach­frage auch bei uns riesengroß.“

Der Frost ist die größte Herausforderung

Tasmanische Ostküste

Tas­ma­ni­sche Ostküste

Recht hat er. Die Pinot Noirs vom Ende der Welt sind vol­ler Frucht und Würze. Sie sind frisch, forsch, haben Säure, bie­ten viel Trink­freude. Ob sie jemals nach Deutsch­land kom­men außer im Rei­se­ge­päck von Tou­ris­ten, ist aller­dings frag­lich. Zu rar sind sie, zu groß die Nach­frage auf der süd­li­chen Erdhalbkugel.

Im Ver­gleich zu den oft schwe­ren aus­tra­li­schen Rot­wei­nen vom Fest­land sind diese Weine fein und ele­gant. Auch wenn die tas­ma­ni­schen Wein­berge nur am 42. Brei­ten­grad lie­gen – in Europa ent­spricht das unge­fähr der spa­ni­schen Stadt Girona – so wer­den sie von den kal­ten Wel­len des Süd­li­chen Oze­ans umspült. Es gibt keine Land­masse, die sie vor dem ark­ti­schen Ein­fluss schützt. Der Frost ist hier die größte Her­aus­for­de­rung, nicht die Hitze. Die Pin­guine füh­len sich bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren wohl,  und die Pinot Noir offen­bar auch.


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