„Weltklasse“ aus Österreich: Ebner-Ebenauers Blanc des Blancs

Jan 272016

Öster­reich hat starke Weiß­weine und geniale Rote. Aber was ist mit Schaum­wein? Die Ebner-Ebenauers aus dem Wein­vier­tel haben nun einen Sekt her­aus­ge­bracht, der in Öster­reich mit Roede­rers Cris­tal und Dom Péri­gnon ver­gli­chen wird.

Halskrause Blanc de Blancs

Hals­krause Blanc de Blancs

Die Fla­sche ist mit schwar­zem Wachs ver­sie­gelt und steckt in einem schwar­zen Lei­nen­beu­tel. Das Eti­kett besteht nur aus einer Hals­krause, die eben­falls schwarz und mit glän­zen­den Lack­ele­men­ten ver­ziert ist. Dar­auf ste­hen die Worte „Blanc des Blancs“ und „Vin­tage 2008“. Mehr nicht. Guter Wein macht nicht viele Worte. Und gut ist, was sich in der Fla­sche befindet.

„Neues Baby“ des jun­gen Winzer-Ehepaars

Es ist eine Große Reserve (nach der neuen öster­rei­chi­schen Sekt-Qualitätspyramide), die Man­fred und Marion Ebner-Ebenauer, das junge Winzer-Ehepaar aus dem Wein­vier­tel, da auf den Markt gebracht haben, zu hun­dert Pro­zent aus Chardonnay-Trauben gekel­tert, völ­lig unge­schwe­felt, sie­ben Jahre auf der Hefe gelagert.

Marion und Manfred Ebner-Ebenauer | © Christof Wagner

Marion und Man­fred Ebner-Ebenauer

Der 2008er ist der dritte Jahr­gang, den sie lan­cie­ren, und er ist der bis­her beste: farb­lich ins Gold­gelb ten­die­rend, gut struk­tu­riert, kräf­tig gebaut, cremig-weich, trotz­dem von einer bis­si­gen Säure durch­zo­gen, in der Nase viel Zitro­nen­tarte und Kara­mell sowie ein Hauch von Nou­gat und wei­ßer Scho­ko­lade. Die US-amerikanische Wein­fach­zeit­schrift Wine Enthu­si­ast ver­leiht ihm 95 Punkte. Wein & Co., Öster­reichs größte Wein­la­den­kette, stellt ihn in eine Reihe mit Dom Péri­gnon und Roede­rers Cris­tal. Und Willi Klin­ger, Chef der Öster­rei­chi­schen Wein­mar­ke­ting Gesell­schaft, beschei­nigt ihm „Weltklasse“.

Letz­te­rem ist nicht zu wider­spre­chen. Öster­reich hat zwar bereits exzel­lente Sekte (Willi Bründl­mayer, Stei­nin­ger, Schlum­ber­ger, Han­nes Har­kamp, Stift Gött­weig, Malat u. a.), aber die­ser setzt Maß­stäbe, sti­lis­tisch und preis­lich (50 bis 60 Euro). Viele Méthode Classique-Schaumweine sprin­gen nicht über die Mess­latte, die die bei­den mit ihrem „neuen Baby“, wie sie es nen­nen, gelegt haben, auch inter­na­tio­nal nicht.

Eher Essens­be­glei­ter als Aperitif

2008 Blanc de Blancs

2008 Blanc de Blancs

Aller­dings ver­wen­den Man­fred und Marion Ebner-Ebenauer nicht den bie­de­ren Aus­druck „Sekt“ für das Baby. Sie nen­nen es – siehe oben – Blanc des Blancs. Die Wort­wahl zeigt, wel­che Nähe sie suchen. Mit Bil­lig­pro­duk­ten, die aus wild zusam­men­ge­kauf­ten Säf­ten erzeugt und gerade mal neun Monate auf der Hefe gele­gen haben, hat ihr Schaum­wein nichts zu tun. Zum Ansto­ßen zu Sil­ves­ter eig­net er sich nicht, als Ape­ri­tif ist er zu schade. Die­ser Blanc des Blancs ist ein Essens­be­glei­ter für die feine Küche. Er ist ohne Dosage abge­füllt wor­den, also kno­chen­tro­cken und passt bes­ser zu einem Geflügel-Cassoulet oder – um in Öster­reich zu blei­ben – zu einem Kalb­sta­fel­spitz als zu irgend­wel­chen Cra­ckern oder Lachsröllchen.

Spon­tan vergoren

Die Trau­ben für ihn kom­men von den kalk­hal­ti­gen Löss­bö­den um Poys­dorf, einem Städt­chen, das eine knappe Auto­stunde von Wien und nur ein paar Kilo­me­ter von der tsche­chi­schen Grenze ent­fernt liegt. Dort befin­det sich das Wein­gut Ebner-Ebenauer. Bekannt ist Poys­dorf vor allem für sei­nen Grü­nen Velt­li­ner, den nahezu jeder im Ort, der ein Stück Land besitzt, anbaut. Das kühle Klima, das die Gegend aus­zeich­net, macht, dass die Weine von dort ver­gleichs­weise leicht sind und jenes „Pfef­ferl“ besit­zen, das die Öster­rei­cher am Grü­nen Velt­li­ner so lieben.

Char­don­nay ist eigent­lich keine Sorte, die im Wein­vier­tel zu Hause ist. Sie braucht wär­mere Stand­orte, um aus­rei­fen zu kön­nen. Wer die Chardonnay-Trauben aber nutzt, um Sekt zu erzeu­gen, könnte mit die­ser Sorte einen guten Griff getan haben. Der Grund­wein wurde übri­gens spon­tan ver­go­ren, wie es bei allen Wei­nen der Ebner-Ebenauers die Regel ist.


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