Unter 10 Euro: wunderschöner roter Dafnios aus Kreta

Feb 272016

Rund zwei Mil­lio­nen Deut­sche rei­sen jedes Jahr nach Kreta – mehr als Wein­fla­schen aus Kreta nach Deutsch­land kom­men. Dabei wächst nur eine halbe Auto­stunde vom Flug­ha­fen Hera­klion ent­fernt ein wun­der­schö­ner Rot­wein aus der auto­chtho­nen Liatiko-Rebe.

2013 Dafnios von Dou­lou­fa­kis

2013 Daf­nios von Douloufakis

Grie­chen­land ist, was den Wein angeht, eine Welt für sich, und Kreta erst recht. Weil es so heiß und so tro­cken ist, wur­den auf Kreta jah­re­lang nur Süß­weine erzeugt. Inzwi­schen sind die Wein­kel­le­reien auf tro­ckene Weine umge­sat­telt, der Tou­ris­ten, vor allem aber auch der inter­na­tio­na­len Märkte wegen, die nach leich­ten, fri­schen, preis­wer­ten Wei­nen suchen. Selbst die Ein­hei­mi­schen kön­nen mit den likörhaft-süßen Trop­fen immer weni­ger anfan­gen. Doch gro­ßen Lor­beer haben die Kre­ter auch mit den meis­ten ihrer tro­cke­nen Weine bis­her sel­ten errun­gen. Viele Weiße sind mager und dünn, der größte Teil der Roten ziem­lich schlicht.

Nur eine knappe halbe Auto­stunde von Hera­klion entfernt

Weinberge bei Dafnes

Wein­berge bei Dafnes

Doch das heißt nicht, dass Kreta wein­mä­ßig nichts zu bie­ten hätte. Schon eine knappe halbe Auto­stunde süd­lich der Haupt­stadt Hera­klion befin­det sich ein klei­nes Wein­gut, auf des­sen Weine keine der Beschrei­bun­gen zutrifft. Es heißt Dou­lou­fa­kis, befin­det sich bei dem 1500-Seelen-Dorf Daf­nes und pro­du­ziert ein Dut­zend Weine, die teil­weise höchst respek­ta­bel sind. Ihr Ruf ist so gut, dass sie inzwi­schen kein Geheim­tipp mehr sind. Selbst Robert Par­ker, der ame­ri­ka­ni­sche Wein­kri­ti­ker, hat sie ent­deckt und aus­führ­lich beschrie­ben – sehr aner­ken­nend übri­gens. Jeden­falls gehört Dou­lou­fa­kis zu den weni­gen Win­zern Kre­tas, des­sen Weine die Insel in alle Rich­tun­gen ver­las­sen – auch in Rich­tung Deutschland.

„Mas­sen­taug­lich“ laut Parker

Liatiko-Traube

Liatiko-Traube

Der inter­es­san­teste Wein in Dou­lou­fa­kis’ Sor­ti­ment ist der Daf­nios, ein Rot­wein aus der ein­hei­mi­schen Liatiko-Traube. Ein kno­chen­tro­cke­ner, hell rubin­ro­ter Wein mit viel Frucht und zar­ter Würze, einem mil­dem Tan­nin und einer wei­chen Säure, der herr­lich unkom­pli­ziert zu trin­ken ist und dabei den Mund aufs Ange­nehmste füllt. „Mas­sen­taug­lich“ hat Par­ker ihn genannt, was kein Vor­wurf ist. Im Gegen­teil: Der Daf­nios ist ein gänz­lich eigen­stän­di­ger Wein, der kei­nen „inter­na­tio­na­len Geschmack“ imi­tie­ren will, son­dern sich eine gewisse Wild­heit bewahrt hat. Wahr­schein­lich bezieht sich das Adjek­tiv „mas­sen­taug­lich“ auf den Preis. Der liegt bei 7,95 Euro, sodass der Wein auch für jene, deren Porte­mon­naie nicht so prall gefüllt ist, erschwing­lich ist.

Wich­tig ist nur, dass man den Wein kühl trinkt, also mit 15 Grad Cel­sius etwa. Denn der Daf­nios mag zwar leicht zu trin­ken sein, ist bei­leibe aber kein leich­ter Wein. Auf dem Eti­kett prunkt er mit 13,5 Vol.% Alko­hol. Und das, obwohl die Lese für ihn schon Anfang August statt­fin­det. Eine län­gere Lage­rung ist nicht anzu­ra­ten, und auch nicht nötig. Der Wein sollte kon­su­miert wer­den, so lange er frisch ist.

Im Pie­mont gearbeitet

Nikos Douloufakis

Nikos Dou­lou­fa­kis

Das Dorf Daf­nes liegt am Fuß des Ida-Gebirges. Des­sen höchs­ter Gip­fel ist fast so hoch wie der Schwei­zer Sän­tis, näm­lich 2456 Meter. Die kre­ti­schen Win­ter sind zwar mild, aber der Berg­gip­fel ist immer schnee­be­deckt. Eigent­lich ist Daf­nes berühmt für seine Süß­weine. Doch Nikos Dou­lou­fa­kis, der jet­zige Inha­ber, hat die süßen Weine in sei­nem Sor­ti­ment auf ein Mini­mum redu­ziert. Der stu­dierte Önologe hat eine Zeit lang im Pie­mont gear­bei­tet und von den Ita­lie­nern gelernt, wie man zucker­rei­che Moste durch­gä­ren lässt.

Und zucker­reich sind sie, die Säfte, die nach dem Pres­sen der Trau­ben in die Stahl­tanks flie­ßen. Kreta ist der süd­lichste Punkt Euro­pas. Die som­mer­li­chen Tages­tem­pe­ra­tu­ren klet­tern im östli­chen Teil der Insel, wo Daf­nes liegt, locker auf 40 Grad Cel­sius. Regen fällt in den drei Som­mer­mo­na­ten so gut wie gar nicht. Nur Oli­ven und Reben hal­ten der Tro­cken­heit stand, und Wild­kräu­ter wie Thy­mian, Sal­bei, Minze und Diptam-Dost, die kre­ti­sche Oregano-Spezies. Ihr Würz­duft fin­det sich übri­gens auch im Wein wieder.

Ange­sichts der som­mer­li­chen Hitze ist Tem­pe­ra­tur­kon­trolle bei der Gärung uner­läss­lich. Dou­lou­fa­kis ist dies­be­züg­lich mit moderns­ter Tech­nik aus­ge­rüs­tet. Ohne sie besä­ßen seine Weine nicht jene Fri­sche und Klar­heit, die die­sen Wein von der hei­ßen Peri­phe­rie Euro­pas zum erfri­schen­den Genuss machen.

Der Wein


2013 Daf­nios, Daf­nes P.D.O. | Dou­lou­fa­kis
Preis: 7,95 Euro
Bezug: www.wineandnature.com



  Eine Antwort zu “Unter 10 Euro: wunderschöner roter Dafnios aus Kreta”

  1. Gern werde ich einige Ansich­ten, die im Arti­kel genannt wur­den, etwas kla­rer fassen:

    1. Die Zei­ten, in denen über­wie­gend Süß­weine auf Kreta gemacht wur­den, sind schon Jahr­zehnte vor­bei und „nur“ ist sach­lich total falsch!
    2. Das „mas­sen­taug­lich“ von Par­ker bezieht sich selbst­ver­ständ­lich auf das außer­or­dent­lich gute Preis-Leistungsverhältnis des Weins. Das bedeu­tet im Klar­text, dass der Trop­fen locker inter­na­tio­nal mit­hal­ten kann und daher auch ent­spre­chend aner­kannt sein sollte.
    3.Gemäß Aus­kunft vie­ler ande­rer Exper­ten soll man den Wein ganz und gar nicht so kühl trin­ken, wie Sie schrei­ben, son­dern bei ganz nor­ma­len Rotwein-Temperaturen. Das Her­un­ter­küh­len lässt den Wein eher „unkom­pli­ziert“ erschei­nen und unter­drückt die wun­der­bare Aro­ma­viel­falt des Daf­nios Rot. Daher rate ich davon ab!
    4. Daf­nios Rot ist sicher nicht „der inter¬es¬san¬teste Wein“ des Win­zers. Da Sie die ande­ren Weine des Wein­guts laut eige­ner Aus­kunft gar nicht ken­nen, ver­stehe ich diese Schluss­fol­ge­rung nicht!
    5. Die Weiß­weine von Dou­lou­fa­kis und von ande­ren Win­zern sind alles andere, nur sicher nicht mager. Dass die Wei­ßen von Kreta kaum “Lor­bee­ren” (Aus­zeich­nun­gen etc.) gesam­melt haben, ist falsch. Gerade Dou­lou­fa­kis beweist das genaue Gegen­teil, wie man bei uns im Shop und auch auf der Home­page von Dou­lou­fa­kis auch erken­nen wird.
    6. Der Wein hat eine Lebens­dauer von min­des­tens 5 Jah­ren … frisch kann er zwar genos­sen wer­den, man rät aber dazu, den Wein 2 bis 3 Jahre zu lagern, damit er eine gute Trin­kreife hat.

    VG
    Ralph Urban
    Wine & Nature

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