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Unter 10 Euro: wunderschöner roter Dafnios aus Kreta

Rund zwei Millionen Deut­sche reisen jedes Jahr nach Kreta – mehr als Wein­fla­schen aus Kreta nach Deutsch­land kommen. Dabei wächst nur eine halbe Auto­stunde vom Flug­hafen Hera­klion entfernt ein wunder­schöner Rotwein aus der auto­chthonen Liatiko-Rebe.

Rund zwei Millionen Deut­sche reisen jedes Jahr nach Kreta – mehr als Wein­fla­schen aus Kreta nach Deutsch­land kommen. Dabei wächst nur eine halbe Auto­stunde vom Flug­hafen Hera­klion entfernt ein wunder­schöner Rotwein aus der auto­chthonen Liatiko-Rebe.

2013 Dafnios von Dou­lou­fa­kis
2013 Dafnios von Dou­lou­fa­kis

Grie­chen­land ist, was den Wein angeht, eine Welt für sich, und Kreta erst recht. Weil es so heiß und so trocken ist, wurden auf Kreta jahre­lang nur Süßweine erzeugt. Inzwi­schen sind die Wein­kel­le­reien auf trockene Weine umge­sat­telt, der Touristen, vor allem aber auch der inter­na­tio­nalen Märkte wegen, die nach leichten, frischen, preis­werten Weinen suchen. Selbst die Einhei­mi­schen können mit den likörhaft-süßen Tropfen immer weniger anfangen. Doch großen Lorbeer haben die Kreter auch mit den meisten ihrer trockenen Weine bisher selten errungen. Viele Weiße sind mager und dünn, der größte Teil der Roten ziem­lich schlicht.

Nur eine knappe halbe Autostunde von Heraklion entfernt

Weinberge bei Dafnes
Wein­berge bei Dafnes

Doch das heißt nicht, dass Kreta wein­mäßig nichts zu bieten hätte. Schon eine knappe halbe Auto­stunde südlich der Haupt­stadt Hera­klion befindet sich ein kleines Weingut, auf dessen Weine keine der Beschrei­bungen zutrifft. Es heißt Doulou­fakis, befindet sich bei dem 1500-Seelen-Dorf Dafnes und produ­ziert ein Dutzend Weine, die teil­weise höchst respek­tabel sind. Ihr Ruf ist so gut, dass sie inzwi­schen kein Geheim­tipp mehr sind. Selbst Robert Parker, der ameri­ka­ni­sche Wein­kri­tiker, hat sie entdeckt und ausführ­lich beschrieben – sehr aner­ken­nend übri­gens. Jeden­falls gehört Doulou­fakis zu den wenigen Winzern Kretas, dessen Weine die Insel in alle Rich­tungen verlassen – auch in Rich­tung Deutsch­land.

„Massentauglich“ laut Parker

Liatiko-Traube
Liatiko-Traube

Der inter­es­san­teste Wein in Doulou­fakis’ Sorti­ment ist der Dafnios, ein Rotwein aus der einhei­mi­schen Liatiko-Traube. Ein knochen­tro­ckener, hell rubin­roter Wein mit viel Frucht und zarter Würze, einem mildem Tannin und einer weichen Säure, der herr­lich unkom­pli­ziert zu trinken ist und dabei den Mund aufs Ange­nehmste füllt. „Massen­taug­lich“ hat Parker ihn genannt, was kein Vorwurf ist. Im Gegen­teil: Der Dafnios ist ein gänz­lich eigen­stän­diger Wein, der keinen „inter­na­tio­nalen Geschmack“ imitieren will, sondern sich eine gewisse Wild­heit bewahrt hat. Wahr­schein­lich bezieht sich das Adjektiv „massen­taug­lich“ auf den Preis. Der liegt bei 7,95 Euro, sodass der Wein auch für jene, deren Porte­mon­naie nicht so prall gefüllt ist, erschwing­lich ist.

Wichtig ist nur, dass man den Wein kühl trinkt, also mit 15 Grad Celsius etwa. Denn der Dafnios mag zwar leicht zu trinken sein, ist beileibe aber kein leichter Wein. Auf dem Etikett prunkt er mit 13,5 Vol.% Alkohol. Und das, obwohl die Lese für ihn schon Anfang August statt­findet. Eine längere Lage­rung ist nicht anzu­raten, und auch nicht nötig. Der Wein sollte konsu­miert werden, so lange er frisch ist.

Im Piemont gearbeitet

Nikos Douloufakis
Nikos Doulou­fakis

Das Dorf Dafnes liegt am Fuß des Ida-Gebirges. Dessen höchster Gipfel ist fast so hoch wie der Schweizer Säntis, nämlich 2456 Meter. Die kreti­schen Winter sind zwar mild, aber der Berg­gipfel ist immer schnee­be­deckt. Eigent­lich ist Dafnes berühmt für seine Süßweine. Doch Nikos Doulou­fakis, der jetzige Inhaber, hat die süßen Weine in seinem Sorti­ment auf ein Minimum redu­ziert. Der studierte Önologe hat eine Zeit lang im Piemont gear­beitet und von den Italie­nern gelernt, wie man zucker­reiche Moste durch­gären lässt.

Und zucker­reich sind sie, die Säfte, die nach dem Pressen der Trauben in die Stahl­tanks fließen. Kreta ist der südlichste Punkt Europas. Die sommer­li­chen Tages­tem­pe­ra­turen klet­tern im östli­chen Teil der Insel, wo Dafnes liegt, locker auf 40 Grad Celsius. Regen fällt in den drei Sommer­mo­naten so gut wie gar nicht. Nur Oliven und Reben halten der Trocken­heit stand, und Wild­kräuter wie Thymian, Salbei, Minze und Diptam-Dost, die kreti­sche Oregano-Spezies. Ihr Würz­duft findet sich übri­gens auch im Wein wieder.

Ange­sichts der sommer­li­chen Hitze ist Tempe­ra­tur­kon­trolle bei der Gärung uner­läss­lich. Doulou­fakis ist dies­be­züg­lich mit modernster Technik ausge­rüstet. Ohne sie besäßen seine Weine nicht jene Frische und Klar­heit, die diesen Wein von der heißen Peri­pherie Europas zum erfri­schenden Genuss machen.

Der Wein


2013 Dafnios, Dafnes P.D.O. | Doulou­fakis
Preis: 7,95 Euro
Bezug: www.wineandnature.com


Eine Antwort zu „Unter 10 Euro: wunderschöner roter Dafnios aus Kreta“

  1. Gern werde ich einige Ansichten, die im Artikel genannt wurden, etwas klarer fassen:

    1. Die Zeiten, in denen über­wie­gend Süßweine auf Kreta gemacht wurden, sind schon Jahr­zehnte vorbei und „nur“ ist sach­lich total falsch!
    2. Das „massen­taug­lich“ von Parker bezieht sich selbst­ver­ständ­lich auf das außer­or­dent­lich gute Preis-Leistungsverhältnis des Weins. Das bedeutet im Klar­text, dass der Tropfen locker inter­na­tional mithalten kann und daher auch entspre­chend aner­kannt sein sollte.
    3.Gemäß Auskunft vieler anderer Experten soll man den Wein ganz und gar nicht so kühl trinken, wie Sie schreiben, sondern bei ganz normalen Rotwein-Temperaturen. Das Herun­ter­kühlen lässt den Wein eher „unkom­pli­ziert“ erscheinen und unter­drückt die wunder­bare Aroma­viel­falt des Dafnios Rot. Daher rate ich davon ab!
    4. Dafnios Rot ist sicher nicht „der inter¬es¬san¬teste Wein“ des Winzers. Da Sie die anderen Weine des Wein­guts laut eigener Auskunft gar nicht kennen, verstehe ich diese Schluss­fol­ge­rung nicht!
    5. Die Weiß­weine von Doulou­fakis und von anderen Winzern sind alles andere, nur sicher nicht mager. Dass die Weißen von Kreta kaum „Lorbeeren“ (Auszeich­nungen etc.) gesam­melt haben, ist falsch. Gerade Doulou­fakis beweist das genaue Gegen­teil, wie man bei uns im Shop und auch auf der Home­page von Doulou­fakis auch erkennen wird.
    6. Der Wein hat eine Lebens­dauer von mindes­tens 5 Jahren … frisch kann er zwar genossen werden, man rät aber dazu, den Wein 2 bis 3 Jahre zu lagern, damit er eine gute Trin­kreife hat.

    VG
    Ralph Urban
    Wine & Nature

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