Unter 10 Euro: toller Welschriesling von Herist

Mai 202016

Kann Welsch­ries­ling ein guter Wein sein? Anne Kre­biehl MW sagt ja. In Lon­don traf sie den öster­rei­chi­schen Jung­win­zer Die­ter Herist, der mit sei­nem Welsch alle gän­gi­gen Vor­ur­teile widerlegt.

Jungwinzer Dieter Herist

Jung­win­zer Die­ter Herist

„Der Wein­berg ist das Gedächt­nis des Wein­guts“, sagt Jung­win­zer Die­ter Herist aus dem Süd­bur­gen­land und meint damit die Welschriesling-Reben, die noch aus der Zeit sei­ner Groß­el­tern stam­men. Sel­ten redet jemand so wie er von die­ser Aller­welts­sorte, die Weiß­wein meist auf den kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner her­un­ter­bricht. Mit 3.597 Hektar Reb­flä­che bean­sprucht Welsch­ries­ling den zwei­ten Platz unter allen Weiß­wein­sor­ten Öster­reichs, obwohl zwi­schen ihr und den 15.517 Hektar des Grü­nen Velt­li­ners, der häu­figs­ten öster­rei­chi­schen Sorte, sich doch noch eine große Kluft auftut.

Den­noch: Gewöhn­lich ent­steht aus der Sorte Welsch­ries­ling ein ein­fa­cher, neu­tra­ler Schop­pen­wein, der dann zum durst­lö­schen­den G’spritzten wird, „damit das Was­ser ned ganz so fad schmeckt“, wie es in Öster­reich heißt. Herists Welsch­ries­ling ist ganz anders. Er prunkt zwar auch mit Fri­sche und Unkom­pli­ziert­heit, aber im Gegen­satz zu dem Meer von wäss­ri­gen, geschmacks­neu­tra­len Wei­nen auch mit Ele­ganz, Tex­tur, einer gewis­sen Aro­men­tiefe sowie mit pikan­ter Würze, so als hätte er dem Wein ein paar Trop­fen sal­zige Soja­sauce zuge­ge­ben. Ein der­ar­ti­ger Welsch­ries­ling gehört nicht in den Offen­aus­schank, son­dern auf den Tisch. Zu einem Tafel­spitz­sülz­chen etwa, oder zu einem Vitello ton­nato, zu luft­ge­trock­ne­tem Schin­ken, zu Spa­ghetti alle vongole.

2014 Rechnitz Welschriesling

2014 Rech­nitz Welschriesling

„Nor­ma­ler­weise wird Welsch­ries­ling ein­fach zu früh geern­tet und zu kalt ver­go­ren“, ist Herist über­zeugt. „Dann hat er keine Bukett­reife, die meis­ten schme­cken dann bereits im Som­mer nicht mehr.“ Seine alten Welsch­ries­lin­gre­ben ste­hen auf Grau-, Blau- und Ton­schie­fer­bö­den, wer­den mit Liebe gepflegt und erst bei vol­ler Reife geern­tet. Bis zu 30 Stun­den Mai­sche­stand­zeit bedeu­ten, dass die in den Bee­ren­häu­ten ent­hal­te­nen Aro­men vor Beginn der Gärung aus­ge­laugt wer­den und in den Most über­ge­hen. Dann wer­den Most und Mai­sche gepresst, rela­tiv trüb in gro­ßen, gebrauch­ten Holz­fäs­sern von 600 bis 900 Litern ver­go­ren, spon­tan. Ein Jahr bleibt der Wein auf der Voll­hefe. Herist kann sich das leis­ten, weil sein Lese­gut gesund ist. Mal fin­det der bio­lo­gi­sche Säu­re­ab­bau statt, mal nicht: „Der Wein wird, was er wer­den will.“

Auf dem Eti­kett des Weins steht groß nur sein Name und der des Ortes, wo seine Wein­berge lie­gen: Rech­nitz. Eine kleine Weiß­wein­in­sel im Süd­bur­gen­land. Dort regiert eigent­lich der Blau­frän­kisch. Aber Rech­nitz war immer Welschriesling-Land. Meist schreibt er den Namen der Sorte des­halb gar nicht aufs Eti­kett. „Wer Rech­nitz sagt, meint Welschriesling.“

Sein 2014er Rech­nitz hat immer noch leicht reduk­tive Gär­no­ten an der Nase. Was die Exquise die­ses Weins aus­macht, merkt man erst am Gau­men: die fei­nen mine­ra­li­schen Noten, die milde Säure, die stof­fige Sub­stanz. Herist möchte mit die­sem Wein den Stel­len­wert des Welsch­ries­lings in Öster­reich ver­än­dern, möchte das Aschen­put­tel zu einer Prin­zes­sin machen. Das ist ihm selbst in einem schwie­ri­gen Jahr­gang wie 2014 gelungen.


2014 Rech­nitz Welsch­ries­ling | Herist

Preis: € 9,81 (bei Abnahme von 12 Fla­schen)
Bezug: www.weinco.de
Andere Bezugs­quel­len: www.weinhalle.de




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