2015 Ventoux Rosé Artikelbild

Unter 10 Euro: Rosé à la Fondrèche

Rosé-Weine gibt es wie Sand am Meer. Die aller­meisten können nur mit ihrer Farbe prunken. Ansonsten sind sie banal. Anders der Rosé de Domaine de Fondrèche. So einen feinen Rosé findet man nicht alle Tage. 

Rosé-Weine gibt es wie Sand am Meer. Die aller­meisten können nur mit ihrer Farbe prunken. Ansonsten sind sie banal. Anders der Rosé de Domaine de Fondrèche. So einen feinen Rosé findet man nicht alle Tage.

2015 Ventoux Rosé
2015 Ventoux Rosé

Rosé ist kein Wein, sondern eine Farbe. Das muss hier mal gesagt werden. Und Farbe kann man nicht trinken. Die Farbe eines Rosé-Weins sagt nichts über den Wein aus, außer über seine Farbe. Nichts darüber, wie er schmeckt. Ob er leicht oder schwer ist. Ob er – tech­nisch gespro­chen – ein Saft­abzug („Saignée“) von einem Rotwein ist oder ein Wein, der ein paar Stunden auf der Maische gestanden hat. Also prak­tisch ein Blanc de Noirs.

Manche Rosés sind auch eine Mischung von Weiß- und Rotwein. Sie dürfen sich (außer beim Cham­pa­gner) dann zwar offi­ziell nicht Rosé nennen. Aber wen kümmert das? Sie sehen aus wie ein Rosé und werden als Rosé ange­boten. Auch farb­lich gibt es viele Spiel­arten. Sie reichen von leuch­tend erdbeerrot über lachsrot und zwie­belrot bis zu blassem kupferrot. Auch Pink ist möglich.

Kein Allerwelts-Rosé

Domaine de Fondrèche mit Mont Ventoux
Domaine de Fondrèche mit Mont Ventoux

Der Rosé der Domaine de Fondrèche ist zwie­belrot: ein leichter, fast fili­graner Wein, zart­fruchtig mit ange­deu­teten Noten von roten Beeren, sehr frisch und easy zu trinken. Klingt nach einem Allerwelts-Rosé, ist es aber nicht. Im Gegen­teil: So einen Rosé findet man nicht alle Tage. Er wird aus den Sorten Grenache, Syrah und Cins­ault gewonnen. Aber es sind keine Trauben zweiter Wahl. Während ein Groß­teil der Rosés, die in Frank­reich und anderswo erzeugt werden, aus Trauben gekel­tert sind, die nicht gut genug für einen Rotwein sind,  werden sie auf der Domaine de Fondrèche ganz gezielt für den Rosé ange­baut. Das schmeckt man.

Die Domaine de Fondrèche, die diesen Rosé erzeugt, liegt am Fuße des Mont Ventoux, jenem mythi­schen Berg, der 1336 von dem Natur­phi­lo­so­phen Fran­cesco Petrarca zum ersten Mal bestiegen wurde – damals eine Unge­heu­er­lich­keit, galten Berg­gipfel doch als heilig. Die Bestei­gung gilt unter Wissen­schaft­lern als Geburts­stunde des Alpi­nismus. Berühmt ist der Berg heute vor allem deshalb, weil die Tour de France jedes Jahr über ihn verläuft.

Die Trauben werden früh, aber nicht unreif geerntet

Winzer Sébastien Vincenti
Winzer Sébas­tien Vincenti

Eigent­lich ist die Domaine de Fondrèche für ihre Rotweine berühmt. Sie zählen zu den höchst gelobten der Südli­chen Rhône (die Appel­la­tion Ventoux gehört zur Südli­chen Rhône). Sie sind kräftig gebaut, prunken mit Fülle und Viel­schich­tig­keit, und auch ihr Alkohol ist nicht zu knapp bemessen. Der ameri­ka­ni­sche Wein­kri­tiker Robert Parker über­schlägt sich gera­dezu in seinen Lobge­sängen auf die Fondrèche-Weine, was dazu geführt hat, dass diese in den letzten Jahren preis­lich kräftig ange­zogen haben.

Ganz anders der Rosé. Er ist von Sébas­tien Vincenti, dem Winzer, als leicht zu trin­kender Sommer­wein konzi­piert und auch preis­lich noch auf dem Boden geblieben. Vincenti erntet die Trauben zwar früh, aber nicht unreif. Er verlässt sich dabei auf seine kalk- und lehm­hal­tigen Böden, die auch bei den Rotweinen für Aromen­tiefe und Geschmacks­in­ten­sität verant­wort­lich sind. Der Alko­hol­ge­halt liegt bei 12,5 Vol.%, was für einen Wein aus dem Süden Frank­reichs beacht­lich ist. Beacht­lich wenig. Norma­ler­weise hat der Fondrèche-Rosé sogar nur 12 Vol.% Alkohol. Aber 2015 war das zweit­wärmste Jahr, seit es Tempe­ra­tur­auf­zeich­nungen gibt.

Zu diesem Wein darf man ruhig „lecker“ sagen

Seine Farbe bekommt der Wein dadurch, dass der Saft nach dem Pressen ein paar Stunden Kontakt mit den Schalen hat. In dieser Zeit gehen Farb­stoffe in den Most über. Dadurch färbt sich dieser leicht rot. Während dieser Maische­stand­zeit nimmt der Most auch viele Geschmacks­stoffe (bezie­hungs­weise deren Vorläufer) auf, die in den Schalen sitzen. Der Wein bekommt dadurch seinen inten­siven Geschmack. Nach ein paar Stunden werden Schalen und Most dann getrennt und Letz­terer allein vergoren. Das Resultat: einer der besten Rosés der fruchtig-leichten Rich­tung.

Übri­gens: Zu diesem Rosé darf man schon mal „lecker“ sagen, ohne sich gleich die Verach­tung von Wein­trin­kern höherer Erleuch­tungs­stufe einzu­han­deln.


2015 Ventoux Rosé | Domaine de Fondrèche
Preis: € 7,50
Bezug: www.vandermeulen-wein.de


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