Unter 10 Euro: Rosé à la Fondrèche

Mai 082016

Rosé-Weine gibt es wie Sand am Meer. Die aller­meis­ten kön­nen nur mit ihrer Farbe prun­ken. Ansons­ten sind sie banal. Anders der Rosé de Domaine de Fon­drè­che. So einen fei­nen Rosé fin­det man nicht alle Tage.

2015 Ventoux Rosé

2015 Ven­toux Rosé

Rosé ist kein Wein, son­dern eine Farbe. Das muss hier mal gesagt wer­den. Und Farbe kann man nicht trin­ken. Die Farbe eines Rosé-Weins sagt nichts über den Wein aus, außer über seine Farbe. Nichts dar­über, wie er schmeckt. Ob er leicht oder schwer ist. Ob er – tech­nisch gespro­chen – ein Saft­ab­zug („Sai­gnée”) von einem Rot­wein ist oder ein Wein, der ein paar Stun­den auf der Mai­sche gestan­den hat. Also prak­tisch ein Blanc de Noirs.

Man­che Rosés sind auch eine Mischung von Weiß- und Rot­wein. Sie dür­fen sich (außer beim Cham­pa­gner) dann zwar offi­zi­ell nicht Rosé nen­nen. Aber wen küm­mert das? Sie sehen aus wie ein Rosé und wer­den als Rosé ange­bo­ten. Auch farb­lich gibt es viele Spiel­ar­ten. Sie rei­chen von leuch­tend erd­beer­rot über lachs­rot und zwie­bel­rot bis zu blas­sem kup­fer­rot. Auch Pink ist möglich.

Kein Allerwelts-Rosé

Domaine de Fondrèche mit Mont Ventoux

Domaine de Fon­drè­che mit Mont Ventoux

Der Rosé der Domaine de Fon­drè­che ist zwie­bel­rot: ein leich­ter, fast fili­gra­ner Wein, zart­fruch­tig mit ange­deu­te­ten Noten von roten Bee­ren, sehr frisch und easy zu trin­ken. Klingt nach einem Allerwelts-Rosé, ist es aber nicht. Im Gegen­teil: So einen Rosé fin­det man nicht alle Tage. Er wird aus den Sor­ten Gre­nache, Syrah und Cin­sault gewon­nen. Aber es sind keine Trau­ben zwei­ter Wahl. Wäh­rend ein Groß­teil der Rosés, die in Frank­reich und anderswo erzeugt wer­den, aus Trau­ben gekel­tert sind, die nicht gut genug für einen Rot­wein sind,  wer­den sie auf der Domaine de Fon­drè­che ganz gezielt für den Rosé ange­baut. Das schmeckt man.

Die Domaine de Fon­drè­che, die die­sen Rosé erzeugt, liegt am Fuße des Mont Ven­toux, jenem mythi­schen Berg, der 1336 von dem Natur­phi­lo­so­phen Fran­cesco Petrarca zum ers­ten Mal bestie­gen wurde – damals eine Unge­heu­er­lich­keit, gal­ten Berg­gip­fel doch als hei­lig. Die Bestei­gung gilt unter Wis­sen­schaft­lern als Geburts­stunde des Alpi­nis­mus. Berühmt ist der Berg heute vor allem des­halb, weil die Tour de France jedes Jahr über ihn verläuft.

Die Trau­ben wer­den früh, aber nicht unreif geerntet

Winzer Sébastien Vincenti

Win­zer Sébas­tien Vincenti

Eigent­lich ist die Domaine de Fon­drè­che für ihre Rot­weine berühmt. Sie zäh­len zu den höchst gelob­ten der Süd­li­chen Rhône (die Appel­la­tion Ven­toux gehört zur Süd­li­chen Rhône). Sie sind kräf­tig gebaut, prun­ken mit Fülle und Viel­schich­tig­keit, und auch ihr Alko­hol ist nicht zu knapp bemes­sen. Der ame­ri­ka­ni­sche Wein­kri­ti­ker Robert Par­ker über­schlägt sich gera­dezu in sei­nen Lob­ge­sän­gen auf die Fondrèche-Weine, was dazu geführt hat, dass diese in den letz­ten Jah­ren preis­lich kräf­tig ange­zo­gen haben.

Ganz anders der Rosé. Er ist von Sébas­tien Vin­centi, dem Win­zer, als leicht zu trin­ken­der Som­mer­wein kon­zi­piert und auch preis­lich noch auf dem Boden geblie­ben. Vin­centi ern­tet die Trau­ben zwar früh, aber nicht unreif. Er ver­lässt sich dabei auf seine kalk- und lehm­hal­ti­gen Böden, die auch bei den Rot­wei­nen für Aro­men­tiefe und Geschmacks­in­ten­si­tät ver­ant­wort­lich sind. Der Alko­hol­ge­halt liegt bei 12,5 Vol.%, was für einen Wein aus dem Süden Frank­reichs beacht­lich ist. Beacht­lich wenig. Nor­ma­ler­weise hat der Fondrèche-Rosé sogar nur 12 Vol.% Alko­hol. Aber 2015 war das zweit­wärmste Jahr, seit es Tem­pe­ra­tur­auf­zeich­nun­gen gibt.

Zu die­sem Wein darf man ruhig „lecker“ sagen

Seine Farbe bekommt der Wein dadurch, dass der Saft nach dem Pres­sen ein paar Stun­den Kon­takt mit den Scha­len hat. In die­ser Zeit gehen Farb­stoffe in den Most über. Dadurch färbt sich die­ser leicht rot. Wäh­rend die­ser Mai­sche­stand­zeit nimmt der Most auch viele Geschmacks­stoffe (bezie­hungs­weise deren Vor­läu­fer) auf, die in den Scha­len sit­zen. Der Wein bekommt dadurch sei­nen inten­si­ven Geschmack. Nach ein paar Stun­den wer­den Scha­len und Most dann getrennt und Letz­te­rer allein ver­go­ren. Das Resul­tat: einer der bes­ten Rosés der fruchtig-leichten Richtung.

Übri­gens: Zu die­sem Rosé darf man schon mal „lecker“ sagen, ohne sich gleich die Ver­ach­tung von Wein­trin­kern höhe­rer Erleuch­tungs­stufe einzuhandeln.


2015 Ven­toux Rosé | Domaine de Fon­drè­che
Preis: € 7,50
Bezug: www.vandermeulen-wein.de




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