Piper-Heidsieck kauft sich bei Biondi Santi ein

Dez 242016

Der Aus­ver­kauf ita­lie­ni­scher Wein­gü­ter geht wei­ter. Die fran­zö­si­sche Luxusgüter-Holding EPI, zu der auch die Cham­pa­gner­mar­ken Piper-Heidsieck und Charles Heid­sick gehö­ren, hat die Mehr­heit bei Biondi Santi über­nom­men, dem berühm­ten Brunello-Erzeuger aus Montalcino.

Jacopo Biondi Santi

Jacopo Biondi Santi

Kurz vor Weih­nach­ten wurde die Wein­szene Ita­li­ens noch ein­mal kräf­tig durch­ge­schüt­telt. Chris­to­pher Des­cours, Prä­si­dent der in Paris ansäs­si­gen EPI Hol­ding, teilte mit, dass seine Gesell­schaft die Mehr­heit an Biondi Santi erwor­ben habe, dem berühm­ten Brunello-Erzeuger aus Mon­tal­cino. Über den Kauf­preis wurde Still­schwei­gen gewahrt. Mit­ge­teilt wurde ledig­lich, dass Jacopo Biondi Santi wei­ter­hin das Wein­gut lei­tet und die Fami­lie einen Min­der­heits­an­teil behält. Damit ist ein wei­te­rer berühm­ter Wein­er­zeu­ger aus Ita­lien in die Hände aus­län­di­scher Inves­to­ren gefal­len, nach­dem im Herbst das Barolo-Weingut Vietti von Ame­ri­ka­nern über­nom­men wor­den war.

Nach Hem­den, Schu­hen, Cham­pa­gner nun Rotwein

EPI ist eine Fami­li­en­hol­ding, unter deren Dach die Fami­lie Des­cours ihre Immobilien- und Indus­trie­be­tei­li­gun­gen bün­delt. Sie besitzt unter ande­rem den Luxus-Herrenschuhhersteller J. M. Wes­ton, den Maßhemden-Schneider Alain Figa­ret, den Damenschuh-Designer Françoit Pinet und die Groupe André, eben­falls ein Her­stel­ler von Luxus­schu­hen. 2011 hatte EPI Hol­ding die Cham­pa­gner­häu­s­er­häu­ser Piper Heid­sieck und Charles Heid­sieck für 412 Mil­lio­nen Euro erworben.

Auch LVMH und Prada waren interessiert

Etikett

Gerüchte über die Über­nahme von Biondi Santi kur­sier­ten schon seit einem Jahr am Finanz­platz Mai­land. Im Früh­jahr war durch­ge­si­ckert, dass der Luxus­gü­ter­kon­zern LVMH und der Mode­schnei­der Prada an dem Wein­gut inter­es­siert seien. Doch am Ende waren nicht sie es, die den Zuschlag beka­men, son­dern die weit­ge­hend unbe­kannte EPI Hol­ding. Wes­halb gerade sie das Ren­nen machte, weiß nie­mand genau. Wahr­schein­lich war der Kauf­preis aus­schlag­ge­bend. Die  Mai­län­der Wirt­schafts­ta­ges­zei­tung Il Sole 24 Ore berich­tet, dass der Wert des Wein­guts von ursprüng­lich 55 Mil­lio­nen Euro auf 110 Mil­lio­nen Euro hoch­ta­xiert wor­den sei.

Die Ver­käufe lie­fen schlecht

Als „Erfin­der“ des Bru­n­ello mit einer 150-jährigen Geschichte ist die Fami­lie Biondi Santi zwei­fel­los eine his­to­ri­sche Größe in Ita­lien. Doch seit 1970, als Franco Biondi Santi das Gut von sei­nem hoch ange­se­he­nen Vater Tan­credi über­nahm, ist der Stern der Marke gesun­ken. Die hoff­nungs­los alt­mo­di­schen Bru­n­ello mit ihrer hohen Säure und dem mage­ren Kör­per ver­kauf­ten sich immer schlech­ter. Die tra­di­tio­nell hohen Preise mach­ten das Geschäft nicht leich­ter: knapp 100 Euro für den Bru­n­ello di Mon­tal­cino Annata und fast 400 Euro für die Riserva. Da hal­fen auch die (merk­wür­dig) hohen Bewer­tun­gen der inter­na­tio­na­len Wein­kri­ti­ker nichts. In den USA hat Biondi Santi der­zeit kei­nen Impor­teur mehr.

Wich­tigs­ter Absatz­markt ist Italien

Der wich­tigste Markt für die Weine war und ist Ita­lien, wo der Name Biondi Santi nach wie vor eine große Anzie­hungs­kraft besitzt. Doch mit der anhal­ten­den Wirt­schafts­krise ist auch die Lage in Ita­lien immer pre­kä­rer gewor­den. Der Stock an Fla­schen im Kel­ler der Tenuta Il Greppo, wie das Wein­gut heißt, wuchs von Jahr zu Jahr. Der ret­tende Engel kam gerade zur rechen Zeit.

Franco Biondi Santi mit einer Flasche 1888er Brunello

Franco Biondi Santi

Franco Biondi Santi, der Vater von Jacopo, hatte Il Greppo mit eiser­ner Faust regiert. Er war ein Aris­to­krat, wie er im Buche stand: Er ließ sich nicht davon abbrin­gen, jedes Jahr als Ers­ter in Mon­tal­cino zu lesen. Und er war eigen­sin­nig genug, sei­nen Bru­n­ello wei­ter­hin nach groß­vä­ter­li­cher Manier zu vini­fi­zie­ren. Ein­wände, seine Weine seien zu hart und unaus­ge­wo­gen, begeg­nete er mit dem Hin­weis, sie seien für ein lan­ges Leben gemacht und nicht für den schnel­len Kon­sum. Tat­säch­lich sind Jahr­gänge wie 1955 und 1964 bei Biondi Santi Legende. Wer je die Gele­gen­heit hatte, diese Weine zu kos­ten, weiß, dass sie auch nach 50 Jah­ren noch per­fekt zu trin­ken sind. Vor zehn Jah­ren wurde bei­spiels­weise eine Ein­zel­fla­sche 1964er auf einer Christie’s-Auktion im umbri­schen Spoleto für mär­chen­hafte 4200 Euro zuge­schla­gen. Aller­dings waren diese Jahr­gänge noch von Tan­credi Biondi Santi vini­fi­ziert. In der Zeit von Franco sind keine Wein­le­gen­den mehr entstanden.


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