Jacopo Biondi Santi

Piper-Heidsieck kauft sich bei Biondi Santi ein

Der Ausver­kauf italie­ni­scher Wein­güter geht weiter. Die fran­zö­si­sche Luxusgüter-Holding EPI, zu der auch die Cham­pa­gner­marken Piper-Heidsieck und Charles Heid­sick gehören, hat die Mehr­heit bei Biondi Santi über­nommen, dem berühmten Brunello-Erzeuger aus Montal­cino.

Der Ausver­kauf italie­ni­scher Wein­güter geht weiter. Die fran­zö­si­sche Luxusgüter-Holding EPI, zu der auch die Cham­pa­gner­marken Piper-Heidsieck und Charles Heid­sick gehören, hat die Mehr­heit bei Biondi Santi über­nommen, dem berühmten Brunello-Erzeuger aus Montal­cino.

Jacopo Biondi Santi
Jacopo Biondi Santi

Kurz vor Weih­nachten wurde die Weinszene Italiens noch einmal kräftig durch­ge­schüt­telt. Chris­to­pher Descours, Präsi­dent der in Paris ansäs­sigen EPI Holding, teilte mit, dass seine Gesell­schaft die Mehr­heit an Biondi Santi erworben habe, dem berühmten Brunello-Erzeuger aus Montal­cino. Über den Kauf­preis wurde Still­schweigen gewahrt. Mitge­teilt wurde ledig­lich, dass Jacopo Biondi Santi weiterhin das Weingut leitet und die Familie einen Minder­heits­an­teil behält. Damit ist ein weiterer berühmter Wein­er­zeuger aus Italien in die Hände auslän­di­scher Inves­toren gefallen, nachdem im Herbst das Barolo-Weingut Vietti von Ameri­ka­nern über­nommen worden war.

Nach Hemden, Schuhen, Champagner nun Rotwein

EPI ist eine Fami­li­en­hol­ding, unter deren Dach die Familie Descours ihre Immobilien- und Indus­trie­be­tei­li­gungen bündelt. Sie besitzt unter anderem den Luxus-Herrenschuhhersteller J. M. Weston, den Maßhemden-Schneider Alain Figaret, den Damenschuh-Designer Françoit Pinet und die Groupe André, eben­falls ein Hersteller von Luxus­schuhen. 2011 hatte EPI Holding die Cham­pa­gner­häu­s­er­häuser Piper Heid­sieck und Charles Heid­sieck für 412 Millionen Euro erworben.

Auch LVMH und Prada waren interessiert

Etikett

Gerüchte über die Über­nahme von Biondi Santi kursierten schon seit einem Jahr am Finanz­platz Mailand. Im Früh­jahr war durch­ge­si­ckert, dass der Luxus­gü­ter­kon­zern LVMH und der Mode­schneider Prada an dem Weingut inter­es­siert seien. Doch am Ende waren nicht sie es, die den Zuschlag bekamen, sondern die weit­ge­hend unbe­kannte EPI Holding. Weshalb gerade sie das Rennen machte, weiß niemand genau. Wahr­schein­lich war der Kauf­preis ausschlag­ge­bend. Die  Mailänder Wirt­schafts­ta­ges­zei­tung Il Sole 24 Ore berichtet, dass der Wert des Wein­guts von ursprüng­lich 55 Millionen Euro auf 110 Millionen Euro hochta­xiert worden sei.

Die Verkäufe liefen schlecht

Als „Erfinder“ des Brunello mit einer 150-jährigen Geschichte ist die Familie Biondi Santi zwei­fellos eine histo­ri­sche Größe in Italien. Doch seit 1970, als Franco Biondi Santi das Gut von seinem hoch ange­se­henen Vater Tancredi über­nahm, ist der Stern der Marke gesunken. Die hoff­nungslos altmo­di­schen Brunello mit ihrer hohen Säure und dem mageren Körper verkauften sich immer schlechter. Die tradi­tio­nell hohen Preise machten das Geschäft nicht leichter: knapp 100 Euro für den Brunello di Montal­cino Annata und fast 400 Euro für die Riserva. Da halfen auch die (merk­würdig) hohen Bewer­tungen der inter­na­tio­nalen Wein­kri­tiker nichts. In den USA hat Biondi Santi derzeit keinen Impor­teur mehr.

Wichtigster Absatzmarkt ist Italien

Der wich­tigste Markt für die Weine war und ist Italien, wo der Name Biondi Santi nach wie vor eine große Anzie­hungs­kraft besitzt. Doch mit der anhal­tenden Wirt­schafts­krise ist auch die Lage in Italien immer prekärer geworden. Der Stock an Flaschen im Keller der Tenuta Il Greppo, wie das Weingut heißt, wuchs von Jahr zu Jahr. Der rettende Engel kam gerade zur rechen Zeit.

Franco Biondi Santi mit einer Flasche 1888er Brunello
Franco Biondi Santi

Franco Biondi Santi, der Vater von Jacopo, hatte Il Greppo mit eiserner Faust regiert. Er war ein Aris­to­krat, wie er im Buche stand: Er ließ sich nicht davon abbringen, jedes Jahr als Erster in Montal­cino zu lesen. Und er war eigen­sinnig genug, seinen Brunello weiterhin nach groß­vä­ter­li­cher Manier zu vini­fi­zieren. Einwände, seine Weine seien zu hart und unaus­ge­wogen, begeg­nete er mit dem Hinweis, sie seien für ein langes Leben gemacht und nicht für den schnellen Konsum. Tatsäch­lich sind Jahr­gänge wie 1955 und 1964 bei Biondi Santi Legende. Wer je die Gele­gen­heit hatte, diese Weine zu kosten, weiß, dass sie auch nach 50 Jahren noch perfekt zu trinken sind. Vor zehn Jahren wurde beispiels­weise eine Einzel­fla­sche 1964er auf einer Christie’s-Auktion im umbri­schen Spoleto für märchen­hafte 4200 Euro zuge­schlagen. Aller­dings waren diese Jahr­gänge noch von Tancredi Biondi Santi vini­fi­ziert. In der Zeit von Franco sind keine Wein­le­genden mehr entstanden.


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