Nachverkostet: die 15 besten SALON-Blaufränkischen

Okt 232016

Der SALON ist Öster­reichs aus­sa­ge­kräf­tigste Wein­prä­mie­rung. Sie gibt einen guten Über­blick vor allem über die Weine, die nicht stän­dig im Ram­pen­licht der Öffent­lich­keit ste­hen. Jens Priewe hat die Sie­ger­weine nach­ver­kos­tet und man­chen High Poten­tial entdeckt.

Die besten SALON-Blaufränkischen

Zusam­men­ge­fasst: Von den 15 Sie­ger­wei­nen der dies­jäh­ri­gen Blau­frän­kisch­ver­kos­tung ver­die­nen zehn unein­ge­schränkt meine Hoch­ach­tung. Es sind kraft­volle, teil­weise rich­tig mus­ku­löse Weine, die den inter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht scheuen müs­sen. Ihre Beson­der­heit, die leicht erhöhte Säure, hebt sie über man­chen ita­lie­ni­schen und spa­ni­schen Rot­wein. Beein­dru­ckend vor allem die feh­ler­lose Mach­art. Berück­sich­tigt man, das die Weine fast aus­schließ­lich aus klei­nen Fami­li­en­be­trie­ben kom­men, kommt man um die Fest­stel­lung nicht herum, dass das pro­fes­sio­nelle Niveau ist hoch ist.

Die gro­ßen Unter­schiede lie­gen in der Stilistik

Zu dis­ku­tie­ren wäre allein über de Sti­lis­tik. Der aller­größte Teil der prä­mier­ten Blau­frän­ki­schen gehört in die Reserve-Kategorie (auch wenn sie nicht immer so hei­ßen). Das bedeu­tet: Es sind Spit­zen­weine, kon­zi­piert für ein paar Jahre Lage­rung, geringe Menge, geho­bene Preis­klasse. Die klas­si­schen Blau­frän­ki­schen, die nur im Edel­stahl oder nur kurz im Holz­fass aus­ge­baut wer­den, sind in die­ser Kate­go­rie nicht ver­tre­ten, obwohl sie men­gen­mä­ßig den Löwen­an­teil der Pro­duk­tion ausmachen.

Erich Scheiblhofer

Erich Scheib­lho­fer

Über die Sti­lis­tik der Spit­zen­weine kann man aller­dings strei­ten. Fast alle sind erstaun­lich dun­kel in der Farbe, hoch­pro­zen­tig im Alko­hol, üppig in die Breite gehend, neu­holz­las­tig. Bei Lang, Scheib­lho­fer und dem Win­zer­kel­ler Necken­markt hat man den Ein­druck, sie wol­len kali­for­ni­sche Caber­nets und Mer­lots rechts über­ho­len, so wuch­tig und über­la­den sind sie. Von einer mar­kan­ten Säure ist wenig zu spü­ren. Sie sind im tra­di­tio­nel­len inter­na­tio­na­len Stil gehal­ten, legen also ihren Fokus auf Gewicht, Reife und der dar­aus resul­tie­ren­den Geschmacks­fülle – ein Stil, der in Öster­reich viele Anhän­ger hat (in Deutsch­land auch).

Die „neue“ Blaufränkisch-Schule

Heike und Gernot Heinrich

Heike und Ger­not Heinrich

Ganz anders die Weine von Hein­rich, Wenin­ger und Schie­fer. Diese Win­zer las­sen ihre Trau­ben nicht bis zum aller­letz­ten Tag hän­gen, rei­zen also das Öchsle-Potenzial nicht voll­stän­dig aus (ich weiß: In Öster­reich wird nach der Klos­ter­neu­bur­ger Most­waage gemes­sen), legen mehr Wert auf Ele­ganz und Frucht. Neu­holz kommt nur in redu­zier­ter Form zum Ein­satz: bei Hein­rich und Prie­ler in Form von gebrauch­ten Ton­ne­aux bzw. Bar­ri­ques, bei Schie­fer im gro­ßen Holz­fass. Auch wer­den die Reben ver­mehrt in küh­lere Lagen gestellt, etwa an den Leit­ha­berg. Das Resul­tat: geschmei­dige Weine von gro­ßer Kom­ple­xi­tät und unge­heu­rer Tiefe, die ein paar Jahre brau­chen wer­den, um zu zei­gen, was in ihnen steckt, dann aber bur­gun­d­er­hafte Züge anneh­men, wäh­rend die Block­bus­ter an Fri­sche und Span­nung ver­lo­ren haben werden.

Häu­fig noch viel zu viel Neuholz

Woher ich das weiß? Habe gerade einen 2004er Blau­frän­kisch Kirsch­gar­ten von Uma­thum getrun­ken. Er ist – par­don – zum Nie­der­knien. Genauso der 2002er Blau­frän­kisch Necken­markt von Moric. Beide Win­zer hat­ten ihre Weine übri­gens nicht für den SALON ange­stellt. Im Übri­gen sind viele ältere Jahr­gänge der erwähn­ten Win­zer noch auf dem Markt.

Blick vom Leithaberg auf den Neusiedlersee

Blick vom Leit­ha­berg auf den Neusiedlersee

Am meis­ten über­rascht hat mich aller­dings das, was zwi­schen den bei­den Polen liegt: Mein­rad Mar­ko­witsch, Juliane Wie­der, Jalits, Betz, Mad, Wagen­tristl – Namen, die hier­zu­lande nur wenig bekannt sind, obwohl sie begeis­ternde Qua­li­tä­ten lie­fern. In der Spitze kos­ten die Weine knapp unter 30 Euro, viele aber auch zwi­schen 12 und 20 Euro. Auch wenn der Eine oder Andere immer noch zu viel Neu­holz ver­wen­det, merkt man doch, dass die neue Blaufränkisch-Schule abfärbt. Auf mitt­lere Sicht, ver­mute ich, wird sich der „neue“ Blaufränkisch-Stil durchsetzen.

Übri­gens: In der Bewer­tung von Schie­fers Eisenberg-Blaufränkisch spie­gelt sich der Jahr­gang 2014 wider: der schwie­rigste Rot­wein­jahr­gang seit Lan­gem. Nicht ein­fach, sich gegen die fül­li­gen 2013er und 2012er zu behaupten.


Bezug:

Mar­ko­witsch: www.we1ns.de (€ 14,00)
Bretz: www.shop-magazin.at (€ 28,80)
Schie­fer: www.weinhalle.de (€ 16,50)
Scheib­lho­fer: www.scheiblhofer.at (€ 16,50 Reserve)
Scheib­lho­fer: www.moevenpick-wein.de (€ 29,80 Reserve Jois)
Hein­rich: www.weinfurore.de (€ 21,90)
Wie­der: www.weingut-juliana-wieder.at (€ 12,20)
Wenin­ger: www.gute-weine.de (€ 29,95)
Prie­ler: www.weinfurore.de (€ 27,90)
Lang: www.weinpassion-felix.de (€ 18,90)
Wagen­tristl: craftswines.com (€ 16,00)
Tesch: www.wagners-weinshop.com (€ 28,00)
Win­zer­kel­ler Necken­markt: www.koelner-weinkeller.de (€ 10,60)
MAD: mad.blue7.at (€ 29,00)
Jalits: www.weinwelt.at (€ 26,99)


Die 15 bes­ten SALON-Blaufränkischen im Über­blick fin­den Sie auf Seite 2.




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