Masseto Artikelbild

Masseto: geliebt von Merlot-Fans, Investoren und Carlo Ancelotti

Der Masseto ist nicht der einzige rein­sor­tige Merlot Italiens, aber der beste und der teuerste. Für Merlot-Fans ist er ein Must, für Inves­toren ein Blue Chip, für den Trainer von Bayern München ein Traum­wein. Jens Priewe hat den 2013er Masseto probiert.

Der Masseto ist nicht der einzige rein­sor­tige Merlot Italiens, aber der beste und der teuerste. Für Merlot-Fans ist er ein Must, für Inves­toren ein Blue Chip, für den Trainer von Bayern München ein Traum­wein. Jens Priewe hat den 2013er Masseto probiert.

Der beste und teuerste Merlot Italiens
Der beste und teuerste Merlot Italiens

Das Gute am Masseto ist, dass man nicht lange nach­denken muss, wann und zu welcher Gele­gen­heit man ihn trinkt. Er selbst ist die Gele­gen­heit. Wer einer der wenigen Flaschen ergat­tert, macht sie auf und trinkt. Genauso wie man einen Pétrus trinkt, einen Le Pin oder Roberta’s Reserve der Kapc­sandy Family aus dem Napa Valley – um drei große Merlots dieser Welt zu zitieren. Bei ihnen denkt niemand nach, ob eine Lamm­keule oder ein Steak besser zu ihnen passen und ob das Steak besser medium oder rare serviert werden sollte. Weine ihrer Klasse genügen sich selbst.

Schwierig zu bekommen

Carlo Ancelotti
Carlo Ance­lotti

Das weniger Gute ist, dass es so schwierig ist, eine oder zwei, gar sechs Flaschen dieses toska­ni­schen Merlots zu bekommen. Durch­schnitt­lich 30.000 Flaschen gibt es von ihm, was zwar nicht wenig ist. Aber um diese Flaschen zanken sich Hunderte von Sterne-Restaurants in aller Welt.

Dazu kommen neuer­dings Inves­toren, die sich von dem Wein mehr Divi­dende erwarten als Aktien derzeit abwerfen. Der Masseto ist unter den neun italie­ni­schen Weinen, die der Londoner Fine Wine-Index Liv-Ex 100 enthält, der derzeit am höchsten gerankte (Platz 12).

Sein Preis hat sich in den letzten fünf Jahren fast verdop­pelt. Mindes­tens 500 Euro muss man locker machen, um an ein Fläsch­lein zu kommen. Oder Ance­lotti heißen. Der Trainer des Fußball­clubs Bayern München bekam, nachdem er den Masseto einmal unvor­sichtig als seinen Lieb­lings­wein bezeichnet hatte, eine Kiste geschenkt. Von Ancel­lotti kommt übri­gens auch der Satz, dass der Wein selbst die beste Gele­gen­heit sei.

Hohe und höchste Bewertungen

Ornellaia-Weinmacher Axel Heinz
Ornellaia-Weinmacher Axel Heinz

Ich habe den Masseto zuletzt vor zwei Wochen im Käfer Bistro in München getrunken, zusammen mit einem locken­mäh­nigen Mitt­vier­ziger namens Axel Heinz. Er ist der Direktor des Wein­guts Ornellaia und derje­nige Wein­ma­cher, der für den Masseto verant­wort­lich ist. Er war gerade aus Florenz gekommen und hatte eine Flasche des 2013er Jahr­gangs in seinem Reise­ge­päck mitge­bracht. Der 2013er, seit ein paar Monaten auf dem Markt, hat bei inter­na­tio­nalen Wein­kri­ti­kern hohe und höchste Bewer­tungen erzielt: Parker 97 Punkte, Suck­ling 98 Punkte. „Erfüllt alle Voraus­set­zungen, um ein Super­star zu werden“, schrieb eine engli­sche Wein­fach­zeit­schrift.

Vorweg ein paar Hinter­grund­in­for­ma­tionen: Der Masseto ist ein Wein der Tenuta dell’Ornellaia. Er reift zwar in einem sepa­raten Keller des Wein­guts, wird aber vom Ornellaia-Team vini­fi­ziert und ausge­baut. Auch die Rebflä­chen – es sind genau 6,63 Hektar – gehören zum Weingut Ornellaia. Es handelt sich um eine zusam­men­hän­gende Einzel­lage an den Flanken eines kleinen Hügels, der mitten im Anbau­ge­biet von Bolg­heri liegt. Die Wein­berge des Sassi­caia, des berühm­testen Weins von Bolg­heri, liegen nur wenige hundert Meter entfernt. Dieser ist jedoch ein reiner Cabernet Sauvignon/Cabernet franc-Wein. Er enthält keinen Merlot.


Etikett Masseto2013 Masseto, Tenuta dell’Ornellaia
Flei­schig mit Noten von dunklen Früchten, Scho­ko­lade und gerös­teten Kaffee­bohnen, dazu ein Hauch von Gewürz­nelken und dunklem Tabak: ein reicher, aber kein opulenter Wein mit seidigem Tannin, sehr geschmeidig, aber erst in zehn (und mehr) Jahren sein ganzes Poten­zial zeigend.
Bewer­tung: 96/100


Nur 6 Kilometer vom Mittelmeer gewachsen

Bestockt wurde der Masseto-Hügel 1984. Der erste Jahr­gang kam 1986 als einfa­cher Merlot auf den Markt. Erst 1987 erhielt der Wein den Namen Masseto, benannt nach dem Hügel. Er liegt nur sechs Kilo­meter entfernt von den Stränden des Mittel­meers und nur 120 Meter über dem Meeres­spiegel. Weil das Produk­ti­ons­statut von Bolg­heri DOC keinen rein­sor­tigen Merlot vorsieht, wird der Masseto als einfa­cher Toscana IGT dekla­riert, als Land­wein.

Vom ersten Jahr­gang an zeigte sich, dass es ein beson­derer Merlot ist: noch reicher als der Merlot der übrigen Ornellaia-Weinberge sowie mit einem festeren Rück­grat und einem feineren Tannin ausge­stattet. Für den Ornellaia-Gründer Lodo­vico Anti­nori damals eine Über­ra­schung. Er war es, der die Entschei­dung traf, den Wein separat zu füllen und nicht in die Cuvée des Ornellaia eingehen zu lassen.


Lesen Sie weiter auf Seite 2.


Kommentar hinzufügen