Kunst & Chianti Classico: die Weine der Fattoria Nittardi

Mai 152016

Der Frank­fur­ter Kunst­händ­ler Peter Fem­fert und seine Frau Ste­fa­nia Canali haben ein klei­nes Wein- und Kul­tur­im­pe­rium in der Tos­kana auf­ge­baut. Cha­peau! Die Frage ist nur: Sind  die Weine so gut wie die Kunst?

Die Weine der Fattoria Nittardi

Die Weine der Fat­to­ria Nittardi

Jeder Toskana-Liebhaber kennt sie, die Weine der Fat­to­ria Nit­tardi. Man erkennt sie an den auf­fäl­li­gen Künst­le­r­eti­ket­ten bezie­hungs­weise an dem far­bi­gen Sei­den­pa­pier, in das die Fla­schen ein­ge­schla­gen sind. Yoko Ono, Tomi Unge­rer, Gün­ter Grass, Frie­dens­reich Hun­dert­was­ser und viele andere inter­na­tio­nale Artis­ten haben eigens ange­fer­tigte Zeich­nun­gen beige­steu­ert, mit dem der Wein von Nit­tardi sich schmückt.

Wein auf Augen­höhe mit der Verpackung?

Wein von Nit­tardi – das heißt Chi­anti Clas­sico. Also San­giovese, die tos­ka­ni­sche Tra­di­ti­ons­sorte, meist hun­dert­pro­zen­tig. 1981 war der erste Jahr­gang, der auf den Markt kam. Seit­dem hat Nit­tardi regel­mä­ßig Chi­anti Clas­sico pro­du­ziert. Weil das Äußere künst­le­risch so wert­voll ist, stellt sich für viele Lieb­ha­ber des tos­ka­ni­schen Weins die Frage, ob auch der Inhalt auf Augen­höhe mit der Ver­pa­ckung ist. Und mit dem Preis. Denn die Nittardi-Weine lie­gen preis­lich durch­weg an der Ober­grenze des­sen, was unter Top-Erzeugern im Anbau­ge­biet üblich ist. Das ist nicht allein der wer­ti­gen Ver­pa­ckung geschul­det, son­dern auch ein State­ment. Kurzum: Die Frage mit der Augen­höhe kann nur durch eine umfas­sende Probe beant­wor­tet werden.

Lasst die Exper­ten sprechen!

Peter Femfert und Stefania Canali

Peter Fem­fert und Ste­fa­nia Canali

Diese Probe fand Anfang Februar in Frank­furt statt, wohin Peter Fem­fert und Ste­fa­nia Canali, Ehe­leute und Besit­zer von Nit­tardi, ein­ge­la­den hat­ten. Über ein Dut­zend Exper­ten waren dazu gekom­men: Som­me­liers wie Marie-Hélène Krebs von Schloss Elmau, Küchen­chefs wie Frank Buch­holz, Win­zer wie Rowald Hepp von Schloss Voll­rads, Kultur-Manager wie Michael Herr­mann vom Rhein­gau Musik Fes­ti­val, Unter­neh­mer wie John Feld­mann von BASF und Hen­ning Wieg­mann von der Hen­kell Sekt­kel­le­rei, dazu ein paar Jour­na­lis­ten wie Die­ter Braatz (Fein­schme­cker), Giu­seppe Lau­ria (Wein­Wis­ser),  Ste­phen Brooks (Decan­ter) und Ste­phen Spur­rier, der ein Dut­zend Wein­bü­cher geschrie­ben hat und 1976 das berühmte Paris-Tasting orga­ni­siert hat, bei dem Kali­for­nien gegen Bor­deaux pro­biert wurde (und gewann).  Also keine ahnungs­lo­sen „Drauf-los-Verkoster“, die nur beur­tei­len, ob der Wein lecker ist oder nicht, son­dern aus­ge­wie­sene Ken­ner, die genau wis­sen, wie ein guter Chi­anti Clas­sico zu schme­cken hat.

Die meis­ten lie­ben den jun­gen, fruch­ti­gen Chi­an­tio Classico

Weingut mit Hundertwasser-Skulpturen

Wein­gut mit Hundertwasser-Skulpturen

Der Wein mit den Künst­le­r­eti­ket­ten reprä­sen­tiert den jun­gen, fruch­ti­gen Chi­anti Clas­sico, in der Tos­kana annata genannt (weil er bereits nach einem Jahr frei­ge­ge­ben wer­den darf). Die­ser Chi­anti Clas­sico (auf dem Eti­kett Casa­nova di Nit­tardi genannt, seit 2012 mit der Unter­be­zeich­nung Vigna Dog­hessa) kommt erst nach zwei Jah­ren auf den Markt, ent­spricht aber in etwa die­sem Typus. Sein Preis liegt zwi­schen 18,50 und 22 Euro. Der 2013er ist rela­tiv hell in der Farbe und etwas ein­di­men­sio­nal fruch­tig, ähnlich der 2012er. Der 2011er ist rei­cher und hat mehr Würze. 2007 ist zwar nicht mehr jung, aber noch völ­lig frisch, dabei eben­falls üppig und jetzt per­fekt zu trinken.

Letz­tere zwei Weine stam­men aus war­men Jahr­gän­gen. Es zeigt sich also, dass die spät­rei­fende Sangiovese-Traube in sol­chen Jah­ren mehr Poten­zial besitzt. Frei­lich dürfte stim­men, was Peter Fem­fert zu 2013 und 2012 sagte: „Ich wette, dass 90 Pro­zent der Wein­trin­ker diese Weine lie­ben und den schwe­re­ren vor­zie­hen.“ Ich würde hin­zu­fü­gen: Ein gro­ßer Teil der Wein­trin­ker, beson­ders der deut­schen, setzt Chi­anti Clas­sico sogar mit solch herz­haf­ten, fruch­ti­gen, mäßig tan­nin­be­ton­ten und oft etwas kan­ti­gen Wei­nen gleich – was natür­lich falsch ist.

Krö­nung Riserva

Chianti Classico Riserva

Chi­anti Clas­sico Riserva

Denn bei allem Respekt für den jun­gen Chi­anti Clas­sico: Die Krö­nung ist nun ein­mal die Riserva (und neu­er­dings die Gran Sele­zione, die auf dem Papier noch über der Riserva steht). Sie ist der fei­nere, viel­schich­ti­gere Wein, wird meist spä­ter gele­sen, dabei nach der Qua­li­tät des Tannins selek­tio­niert, anders vini­fi­ziert und län­ger aus­ge­baut: bei Nit­tardi zum Bei­spiel lange 24 Monate in Barriques.

Die Riserva bekommt bei Nit­tardi auch kein Künst­le­r­eti­kett ver­passt, son­dern trägt ein schlich­tes schwar­zes Eti­kett mit gol­de­ner Schrift. Außer­dem ent­hält sie rund fünf Pro­zent Mer­lot. Es gibt sie nur in guten Jah­ren und dann in klei­nen Men­gen (etwa ein Vier­tel der Pro­duk­tion). Natür­lich ist sie auch teu­rer als der ein­fa­che Chi­anti Clas­sico. Der Han­del bie­tet sie für rund 32 Euro an.


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