Artikelbild Geile Weine

Jung, gebildet, erfolgreich – und keine Ahnung von Wein

Die Internet-Weinplattform Geile Weine stellt alles auf den Kopf, was in der Wein­branche üblich ist. Ihr Gründer Sedat Aktas hat nie ein Wein­buch gelesen und schreibt doch schon nach drei Jahren mit seinem Start-Up schwarze Zahlen. Ein Inter­view.

Die Internet-Weinplattform Geile Weine stellt alles auf den Kopf, was in der Wein­branche üblich ist. Ihr Gründer Sedat Aktas hat nie ein Wein­buch gelesen und schreibt doch schon nach drei Jahren mit seinem Start-Up schwarze Zahlen. Ein Inter­view.

Sedat Aktas
Sedat Aktas

Bis vor drei Jahren war Sedat Sedat Aktas jung und erfolg­reich. Er arbei­tete als Event­ma­nager für Audi, Red Bull und hatte gerade eine kleine Werbe­agentur in Düssel­dorf gegründet. Dann kam der Tag, der alles änderte. Aktas war zu einer Geburts­feier einge­laden und hatte sich entschlossen, eine Flasche Wein mitzu­bringen. Er ging in eine Wein­hand­lung – und stand ratlos vor den Flaschen­re­galen.
Welche Rebsorte? fragte der Verkäufer. „Ich konnte nichts antworten“, sagte Aktas. „Ich wusste ja nicht, was eine Rebsorte ist.“
Trocken oder lieb­lich? bohrte der Verkäufer weiter. Aktas: „Ich kannte den Unter­schied nicht so genau.“
Aus welchem Land soll der Wein kommen? „Da hab ich wieder nichts sagen können.“
Für den Verkäufer war der Fall damit klar. „Er meinte, ich sei wahr­schein­lich in einem Super­markt besser aufge­hoben.“

Gin statt Wein

Wein muss unkompliziert sein
Wein muss unkom­pli­ziert sein

Auf der Geburts­feier erschien Sedat Aktas mit einer Flasche Gin in der Hand und dem Vorsatz, „sich nie mehr im Leben von einem Wein­ver­käufer so einen Satz rein­drü­cken zu lassen“. An dem Tag stand sein Entschluss fest, selbst Wein­händler zu werden. Er kratzte seine ganzen Erspar­nisse zusammen, suchte sich einen Partner, der etwas mehr von Wein verstand als er, mietete sich in der Mainzer Innen­stadt ein Büro und grün­dete seinen eigenen Online­shop. Der Name: Geile Weine. Ziel­gruppe: Leute wie er – jung, gebildet, erfolg­reich und keine Ahnung von Wein.

Heute ist Aktas nicht mehr ganz so jung, aber super­er­folg­reich. Schon im zweiten Jahr konnte er seinen Umsatz verdop­peln. 2016, im dritten Jahr, wird er voraus­sicht­lich erst­mals schwarze Zahlen schreiben. Ange­sichts der zahl­losen Pleiten und der Millio­nen­be­träge, die durch windige Online-Abenteuer im Namen des Weins in Deutsch­land verbrannt wurden, ist das eine kleine Sensa­tion.

Nie ein Weinbuch gelesen

Das Geile-Weine-Team
Das Geile-Weine-Team

Dabei war Aktas, heute 36, der Wein nicht in die Wiege gelegt. Er ist der Sohn eines Türken und einer Mongolin. In Deutsch­land aufge­wachsen, studierte er Medi­en­ma­nage­ment in Mainz und machte danach im Bereich Event­ma­nage­ment Karriere. Er hatte und hat nach eigenem Bekunden nie ein Wein­buch gelesen. Sein Wein­wissen ist noch heute „ziem­lich lücken­haft“. Doch wäre er Kunde in seinem eigenen Unter­nehmen – keiner aus dem inzwi­schen sieben­köp­figen Team würde es merken. Geile Weine funk­tio­niert nämlich so, „dass niemand, der dort einkauft, blöde Fragen gestellt bekommt“. Herkunft, Rebsorte, trocken oder lieb­lich – all das spielt keine Rolle: „Der Laie am PC bekommt über unsere Website nur die Infor­ma­tionen, die für ihn wichtig sind und nicht die, die Experten für wichtig erachten.“


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