Jung, gebildet, erfolgreich – und keine Ahnung von Wein

Jan 142016

Die Internet-Weinplattform Geile Weine stellt alles auf den Kopf, was in der Wein­bran­che üblich ist. Ihr Grün­der Sedat Aktas hat nie ein Wein­buch gele­sen und schreibt doch schon nach drei Jah­ren mit sei­nem Start-Up schwarze Zah­len. Ein Interview.

Sedat Aktas

Sedat Aktas

Bis vor drei Jah­ren war Sedat Sedat Aktas jung und erfolg­reich. Er arbei­tete als Event­ma­na­ger für Audi, Red Bull und hatte gerade eine kleine Wer­be­agen­tur in Düs­sel­dorf gegrün­det. Dann kam der Tag, der alles änderte. Aktas war zu einer Geburts­feier ein­ge­la­den und hatte sich ent­schlos­sen, eine Fla­sche Wein mit­zu­brin­gen. Er ging in eine Wein­hand­lung – und stand rat­los vor den Fla­schen­re­ga­len.
Wel­che Reb­sorte? fragte der Ver­käu­fer. „Ich konnte nichts ant­wor­ten“, sagte Aktas. „Ich wusste ja nicht, was eine Reb­sorte ist.“
Tro­cken oder lieb­lich? bohrte der Ver­käu­fer wei­ter. Aktas: „Ich kannte den Unter­schied nicht so genau.“
Aus wel­chem Land soll der Wein kom­men? „Da hab ich wie­der nichts sagen kön­nen.“
Für den Ver­käu­fer war der Fall damit klar. „Er meinte, ich sei wahr­schein­lich in einem Super­markt bes­ser aufgehoben.“

Gin statt Wein

Wein muss unkompliziert sein

Wein muss unkom­pli­ziert sein

Auf der Geburts­feier erschien Sedat Aktas mit einer Fla­sche Gin in der Hand und dem Vor­satz, „sich nie mehr im Leben von einem Wein­ver­käu­fer so einen Satz rein­drü­cken zu las­sen“. An dem Tag stand sein Ent­schluss fest, selbst Wein­händ­ler zu wer­den. Er kratzte seine gan­zen Erspar­nisse zusam­men, suchte sich einen Part­ner, der etwas mehr von Wein ver­stand als er, mie­tete sich in der Main­zer Innen­stadt ein Büro und grün­dete sei­nen eige­nen Online­shop. Der Name: Geile Weine. Ziel­gruppe: Leute wie er – jung, gebil­det, erfolg­reich und keine Ahnung von Wein.

Heute ist Aktas nicht mehr ganz so jung, aber super­er­folg­reich. Schon im zwei­ten Jahr konnte er sei­nen Umsatz ver­dop­peln. 2016, im drit­ten Jahr, wird er vor­aus­sicht­lich erst­mals schwarze Zah­len schrei­ben. Ange­sichts der zahl­lo­sen Plei­ten und der Mil­lio­nen­be­träge, die durch win­dige Online-Abenteuer im Namen des Weins in Deutsch­land ver­brannt wur­den, ist das eine kleine Sensation.

Nie ein Wein­buch gelesen

Das Geile-Weine-Team

Das Geile-Weine-Team

Dabei war Aktas, heute 36, der Wein nicht in die Wiege gelegt. Er ist der Sohn eines Tür­ken und einer Mon­go­lin. In Deutsch­land auf­ge­wach­sen, stu­dierte er Medi­en­ma­nage­ment in Mainz und machte danach im Bereich Event­ma­nage­ment Kar­riere. Er hatte und hat nach eige­nem Bekun­den nie ein Wein­buch gele­sen. Sein Wein­wis­sen ist noch heute „ziem­lich lücken­haft“. Doch wäre er Kunde in sei­nem eige­nen Unter­neh­men – kei­ner aus dem inzwi­schen sie­ben­köp­fi­gen Team würde es mer­ken. Geile Weine funk­tio­niert näm­lich so, „dass nie­mand, der dort ein­kauft, blöde Fra­gen gestellt bekommt“. Her­kunft, Reb­sorte, tro­cken oder lieb­lich – all das spielt keine Rolle: „Der Laie am PC bekommt über unsere Web­site nur die Infor­ma­tio­nen, die für ihn wich­tig sind und nicht die, die Exper­ten für wich­tig erachten.“


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