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Im Namen des Rosé: Wenn das Auge mittrinken möchte…

Sommer ist Rosé-time. Anne Krebiehl MW erklärt die verschie­denen Rosé-Stile und spricht über einen Wein dieser Zwit­ter­ka­te­gorie, der ihr beson­ders gut gefallen hat.

Sommer ist Rosé-time. Anne Krebiehl MW erklärt die verschie­denen Rosé-Stile und spricht über einen Wein dieser Zwit­ter­ka­te­gorie, der ihr beson­ders gut gefallen hat.

Sommer ist Rosé-time.
Sommer ist Rosé-time.

Sommer ist Rosé-time. Fast zehn Prozent der Weine, die in dieser Zeit getrunken werden, sind rosa­farben. Das Spek­trum reicht von blassem Kupferrot über Lachsrot, Zwie­belrot, Himbeerrot bis zu neon­far­benem Pink. Manchmal wird in dem ganzen Farben­ge­misch der Geschmack zur Neben­sache.

Direktpressung oder Mazeration

Manche glauben, ein guter Rosé müsse blassrot sein. Tatsäch­lich sagt die Inten­sität des Rosé­tons gar nichts über die Qualität aus. Roséwein, ebenso wie Rotwein, bekommt seine Farbe nur vom Kontakt mit Trau­ben­schalen – dabei kommt es auf die Länge des Scha­lent­kon­takts und die Rebsorte an. Grund­sätz­lich ist Roséwein entweder direkt aus dem abflie­ßenden Most der roten Trauben gewonnen oder durch Kurz­ma­ze­ra­tion auf den Schalen herge­stellt. Bei der Direkt­pres­sung beschränkt sich der farb­ge­bende Scha­len­kon­takt auf die ein bis zwei Stunden des Press­vor­gangs. Beim maze­rierten Rosé werden die Trauben für einige Stunden oder sogar über Nacht einge­maischt.

Erst Mazerieren, dann Schönen

Von Blassrot bis Pink: Roséwein
Von Blassrot bis Pink: Roséwein

Die logi­sche Schluss­fol­ge­rung wäre, dass die blas­sesten Rosés die kürzeste Maze­ra­tion erfahren haben – dem ist aber nicht immer so. Es sind nämlich nicht nur die Antho­zyane (Farb­par­tikel), die aus den Schalen kommen, sondern auch Gerb­stoff und – viel wich­tiger – Aromen­vor­läu­fer­stoffe. Diese geben dem Wein Geschmack, Würze und Charakter. Dabei passiert es häufig, dass maze­rierte Roséweine später geschönt werden, um den Gerb­stoff und das Zuviel an Farbe wieder zu entfernen. Man möchte den Erwar­tungen der Konsu­menten entspre­chen. Da jegliche Schö­nung auch immer etwas Geschmack raubt, ist die Prozedur eine Grat­wan­de­rung, die aller­dings sehr viele Wein­güter, vor allem in der Provence, wo der Roséwein erfunden wurde, perfek­tio­niert haben.

Bei AOC Provence sind beide Methoden erlaubt: sowohl die Direkt­pres­sung als auch die Maze­ra­tion. Bei der DO Navarra hingegen, der berühm­testen spani­schen Rosé-Appellation mit beson­ders voll­fruch­tigen Rosados (wie sie auf Spanisch heißen), ist Maze­ra­tion dagegen vorge­schrieben. Rosés aus Navarra werden aller­dings meist unge­schönt auf den Markt gebracht. Das heißt: in ihrer vollen Farb­pracht.

Mancher Rosé ähnelt einem Blanc de Noirs

Maischegärung
Maische­gä­rung

Und es wird noch kompli­zierter: Wein­güter mit jungen Reben, deren Trau­ben­qua­lität noch nicht für einen seriösen Rotwein reicht, machen oft köst­lich frische, direkt gepresste Rosés – zum Beispiel aus Pinot Noir. Insbe­son­dere Deutsch­land bril­liert mit duftig-feinen Spät­bur­gun­dern, die direkt aus der Presse in den Tank laufen.

Direkt­pres­sung eignet sich auch, wenn irgendwo auf der Welt das Wetter nicht so ideal war und ein verlän­gerter Scha­len­kon­takt nur „grüne“, unreife Aromen in den Wein bringen würde. Unter solchen Umständen sollte der Scha­len­kon­takt nicht länger als nötig sein. Oder besser gesagt: gerade kurz genug, damit nur die Antho­zyane in den Most über­treten können, nicht aber der Gerb­stoff. Direkt gepresste Rosés ähneln deshalb oft robusten Weiß­weinen bezie­hungs­weise Blanc de Noirs.


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