Gault Millau WeinGuide Deutschland

Gault Millau Weinguide 2017: Die Mover des Jahres

Der Gault Millau-Weinguide erscheint jedes Jahr und listet die 1000 besten Wein­güter Deutsch­lands auf. Aber er bewertet auch. Weinkenner.de berichtet über die Auf- und Absteiger sowie die Aufreger des Jahres.

Bekannt ist, dass 2014 und 2015 in Deutsch­land gute bis sehr gute Wein­jahr­gänge waren. Einige Winzer spre­chen sogar von großen Jahr­gängen. Trotzdem scheint es Wein­güter zu geben, die mit 2014 und 2015 nicht gut zurecht­ge­kommen sind. Sie haben eine unter­durch­schnitt­liche Perfor­mance hinge­legt – zumin­dest nach dem Urteil der Autoren des Gault Millau Wein­guides Deutsch­land, dessen neue Ausgabe vor ein paar Wochen erschienen ist (960 Seiten, 34,99 Euro, Chris­tian Verlag).

Prominentester Absteiger: Horst Sauer in Franken

Horst und Sandra Sauer
Horst und Sandra Sauer

Einer der promi­nen­testen Absteiger ist das Weingut Horst Sauer aus Eschern­dorf in Franken. Von den 4 Trauben des Vorjahres wurde ihm eine gestri­chen. „Die Basis­weine sind eher schlicht ausge­fallen…“, erklären die Tester. Und die Großen Gewächse seien zwar „beein­dru­ckend, haben aber nicht ganz das Format der Vorjahre“. Kann passieren. Wobei, wenn man Stephan Rein­hardt glaubt, der für den englisch­spra­chigen News­letter von Robert Parker verkostet, auch das Vorjahr 2014 ziem­lich schwach ausfiel: „Wenn Sie einen Wein mögen, der wie Eiscreme schmeckt, sollten Sie diesen unbe­dingt probieren“, hatte er mit einer gehö­rigen Portion Zynismus über Horst Sauers GG vom Ries­ling geschrieben.

Auch im Rheingau ist Bewegung

Zwei weitere promi­nente Absteiger sind August Kesseler  und Schloss Johan­nis­berg im Rheingau. Auch sie verloren eine Traube und haben jetzt nur noch drei – aller­dings rote Trauben, was bedeutet: „beson­dere Aufmerk­sam­keit in ihrer Kate­gorie“. Sie finden sich jetzt mit Wein­gü­tern wie Barth, Ress, Chat Sauvage in einer Schub­lade, deren Weine preis­lich weit unter­halb ihres Niveaus liegen. Der Preis ist ja immer auch ein Indi­kator für den quali­ta­tiven Anspruch eines Winzers.

Schloss Johanniserberg: Top oder Flop?

Schloss Johannisberg
Schloss Johan­nis­berg

Über Schloss Johan­nis­berg heißt es: Es „verab­schiedet sich aus der Spitze“. Ein hartes Diktum. Stimmt es? Die Tester sehen den immerhin 15 Euro teuren Ries­ling Gelblack – den Guts­wein – bei nur 85 Punkten, den 42 Euro teuren Silber­lack – das GG – bei 88 Punkten – das ist zwei­fellos zu wenig für Welt­klasse. Ob die Erbsen­zähler der Dr. Oetker GmbH (zu deren Besitz das Schloss gehört) mit ihrem „Kenn­zah­len­fe­ti­schismus“ daran Schuld sind, oder irgendein anderes Unge­mach passiert ist, darüber kann nur speku­liert werden. Tröst­lich für Chris­tian Witte, den (schei­denden) Domä­nen­ver­walter, dass Parkers Stephan Rein­hardt die Situa­tion ganz anders sieht: Der Gelblack hat bei ihm 90 Punkte, das GG Silber­lack 93+. Und Rein­hardts  Kommentar – „Es gibt in 2015 einige wirk­lich große Weine zu kaufen auf Schloss Johan­nis­berg“ – ist so ziem­lich das Gegen­teil von dem, was der Gault Millau schreibt.

Keine 2014er Spätburgunder GG bei August Kesseler

August Kesseler
August Kesseler

Und Kesseler? Über seine Ries­linge heißt es im Gault Millau: „Gut, aber nicht so bril­lant wie erhofft, präsen­tieren sich die 2015er Weiß­weine.“ Verzichten wir auf den Vergleich mit Robert Parker, der bis zu 94+ Punkte vergibt. Aber mehr als ein Drittel der Produk­tion Kesse­lers ist Spät­bur­gunder, und was den angeht, hält Kesseler sowohl 2014 als auch 2013 nicht für Spit­zen­jahr­gänge. Folg­lich hat er keine Großen Gewächse abge­füllt, sondern verwendet die Trauben für die Cuvée Max, seinen Zweit­wein. Über den ist der Gault Millau voll des Lobes und gibt dem 2013er satte 91 Punkte – mehr als manchem 4-Trauben-Betrieb in anderen Regionen. Man fragt sich, warum Kesseler ange­sichts dessen seiner vierten Traube verlustig gegangen ist. Wurde hier ein Winzer dafür bestraft, dass er seine (norma­ler­weise) besten Weine frei­willig deklas­siert hat?

Aufsteiger im Rheingau ist das Weingut Wegeler. Es freut sich über die 4. Traube. Mit 3 Trauben schmü­cken sich jetzt Alten­kirch, Eva Fricke, Achim von Oetinger und das Sekt­haus Solter, mit 2 Trauben das Gespann Bibo & Runge, Carl Ehrhard (rot), August Eser sowie die Sekt­ma­nu­faktur Schloss Vaux. Der junge Expe­ri­men­tierer Jörn Goziewski hat mit einer ersten eigenen Kollek­tion gleich eine rote Traube bekommen. Nicht schlecht. Unan­ge­fochten ganz oben mit 5 Trauben stehen ex aequo Peter Jakob Kühn und Robert Weil.


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