Domaine Michel Gaunoux: Burgunder der feinen, alten Art

Aug 092016

Auf der Domaine Michel Gau­noux in Pom­mard scheint die Zeit ste­hen geblie­ben zu sein. Ein Vor­teil, fin­det Jens Priewe. Ihre Rot­weine ste­hen für die alten, manch­mal schon ver­lo­re­nen Werte des Bur­gund: Frucht, Finesse, Langlebigkeit.

Domaine Michel Gaunoux

Domaine Michel Gaunoux

Es gibt Wein­gü­ter auf der Welt, in denen die Zeit ste­hen geblie­ben ist. Manch­mal ist das gar nicht schlecht. Es kann näm­lich sein, dass diese Wein­gü­ter heute einen Vor­sprung haben gegen­über jenen, die unbe­dingt mit der Zeit gehen woll­ten und irgend­wann mer­ken, dass sie in ein Fahr­was­ser gera­ten sind, in das sie eigent­lich nicht woll­ten. Das gilt teil­weise auch für das Bur­gund. Dann heißt das Kom­mando: zurück.

Keine Schokoladen- und Tabakaromen

Die Domaine Michel Gau­noux in Pom­mard muss keine Kehr­wende voll­zie­hen. An ihr sind die Stürme der letz­ten drei Jahr­zehnte weit­ge­hend vor­über­ge­zo­gen. Sie pro­du­ziert Bur­gun­der im alten Stil, fein­glied­rig, zart und mit einer natür­li­chen Ele­ganz, wie sie die neuen, dunk­len, vom Wein­han­del und der Wein­kri­tik hoch geprie­se­nen Bur­gun­der sel­ten zei­gen. Modi­sche Schokoladen- oder Tabaka­ro­men fin­det man in ihren Wei­nen nicht, ebenso wenig Neuholz-Noten. Die Gaunoux-Weine sind mine­ra­li­scher, schlan­ker, säu­re­be­ton­ter, ja stren­ger als die meis­ten moder­nen Bur­gun­der. Des­halb sind sie in den ers­ten Jah­ren oft schwer zu trin­ken. Aber sie sind lang­le­big und bie­ten nach eini­gen Jah­ren einen Trink­ge­nuss, den viele andere Bur­gun­der nicht bie­ten. Und das Schöne: Der Kel­ler der Domaine ist noch ziem­lich voll mit alten Jahrgängen.

Eigent­lich haben Gau­noux’ Pom­mards Grand Cru-Status

Grand Clos des Epenots, Pommard

Grand Clos des Epe­nots, Pommard

Die Domaine Michel Gau­noux (nicht zu ver­wech­seln mit der Domaine Jean-Michel Gau­noux) ist in den bei­den bes­ten Pre­miers Crus von Pom­mard ver­tre­ten. In der Lage Grands Epe­nots besitzt sie 1,74 Hektar, in Rugi­ens 0,75 Hektar. Wer mit Burgund-Kennern redet, hört oft, dass diese bei­den Pre­miers längst Grand Cru-Status ver­dient hät­ten, vor allem die tie­fer gele­ge­nen Par­zel­len. In ihnen ist Gau­noux begü­tert. Außer­dem besitzt die Domaine 0,77 Hektar in drei ande­ren Pre­miers Crus von Pom­mard (Les Char­mots, Les Com­bes, Les Arve­lets) sowie 0,63 Hektar im Grand Cru Cor­ton Renar­des.  Dazu kom­men meh­rere kleine Par­zel­len im Bereich Beaune Vil­la­ges und Bour­go­gne Rouge: eine Domaine mit über­schau­ba­rem, aber hoch­wer­ti­gen Lagenbesitz.

Bei der Wein­kri­tik ist die Domaine nicht existent

Dass die Uhren die­ser Domaine anders gehen, ist schon äußer­lich zu erken­nen. Man fin­det sie näm­lich nur schwer, obwohl sie nur wenige Schritte  von der Place de l’Eglise in Pom­mard ent­fernt liegt. Kein Hin­weis­schild im gan­zen Dorf, kein Name am Hof­tor. Man muss erst­mal im Tele­fon­buch nach­schla­gen, um die Adresse zu fin­den. Wenn der Besu­cher dann end­lich vor dem Wein­gut steht, zeigt ihm nur ein klei­nes, unschein­ba­res Mes­sing­schild an einer Neben­tür, dass er rich­tig ist. Eine Klin­gel gibt es nicht. Und das Hof­tor ist meis­tens verschlossen.

Für die meis­ten Wein­kri­ti­ker war die Domaine bis­her nicht exis­tent. Michel Bet­tane und Thierry Des­se­auve, die bei­den renom­mier­tes­ten fran­zö­si­schen Ver­kos­ter, haben sie nicht auf dem Zet­tel. Die Révue du Vin de France, Frank­reichs am wei­tes­ten ver­brei­tete Wein­zeit­schrift, hat die Weine vor zwan­zig Jah­ren das letzte Mal pro­biert. Bei Par­ker und Anto­nio Gal­loni („Vineous“) war und ist Michel Gau­noux nicht gelistet.


Lesen Sie wei­ter auf Seite 2.



 Antworten

(erforderlich)

(erforderlich)