Chianti Classico im Test: Riserva 2013 und Gran Selezione

Okt 092016

Spit­zen­jahr­gänge sind 2012 und 2013 nicht im Chi­anti Clas­sico. Doch das heißt nicht, dass es keine Spit­zen­weine im Anbau­ge­biet gibt. Im Gegen­teil. Jens Priewe ver­rät, wel­che Weine sich loh­nen zu kaufen.

Wenn man zehn Wein­pro­du­zen­ten fra­gen würde, wie die Jahr­gänge 2012 und 2013 im Chi­anti Clas­sico ein­zu­schät­zen sind, würde man ver­mut­lich zehn Ant­wor­ten erhal­ten. Die Ver­schie­den­heit der Urteile ist nicht etwa Aus­druck der etwas vola­ti­len ita­lie­ni­schen Men­ta­li­tät, son­dern den wenig homo­ge­nen Ver­hält­nis­sen im Chi­anti Clas­sico geschuldet.

Zu den Spit­zen­jahr­gän­gen wer­den 2012 und 2013 nicht gehören

Chianti Classico im Test

Chi­anti Clas­sico im Test

Das gilt vor allem für den Jahr­gang 2012. Ein Top-Weingut wie Cas­tello di Ama hat über­haupt kei­nen Wein abge­füllt. Das gar nicht weit ent­fernt lie­gende Wein­gut Barone Rica­soli – eben­falls ein Spit­zen­er­zeu­ger – hat dage­gen sehr gute Weine auf die Fla­sche gebracht. Wie das mög­lich ist? Das Chi­anti Clas­sico ist nun ein­mal kein ein­heit­li­ches Anbau­ge­biet. Die Unter­schiede zwi­schen Nor­den und Süden sind enorm, die Höhen vari­ie­ren eben­falls beträcht­lich. Auch Fon­todi in Panzano hat fan­tas­ti­sche Weine gemacht. Mon­te­ver­tine im benach­bar­ten Radda konnte dage­gen nur 35 Pro­zent der nor­ma­len Menge sei­nes Spit­zen­weins Le Per­gole Torte abfül­len (der übri­gens kein Chi­anti Clas­sico ist) und der nicht zu den Spit­zen zäh­len wird. Verrückt.

In der Gesamt­be­trach­tung kann man sagen, dass 2012 ein mitt­le­rer Jahr­gang ist, der nicht an den Spit­zen­jahr­gang 2010 her­an­kommt. Der Regen, der recht­zei­tig zur Lese ein­setzte, hat die Reben im ungüns­tigs­ten Zeit­punkt getrof­fen. Trotz­dem gibt es in 2012 Weine, denen man nichts von den Wid­rig­kei­ten anmerkt, wodurch der Satz „Es gibt keine schlech­ten Jahr­gänge, es gibt nur schlechte Win­zer“ eine Bestä­ti­gung erfährt.

Küh­ler Jahr­gang 2013

Etwas anders war die Lage in 2013. Der Jahr­gang gilt auch in der Tos­kana als eher kühl, was aber ange­sichts der süd­li­chen Lage des Anbau­ge­biets kein Nach­teil sein muss – schon gar nicht, wenn man an die vie­len fet­ten, bis­wei­len plum­pen Weine des Vor­jah­res 2011 denkt. Die 2013er Chi­anti Clas­sico sind schlan­ker und mit einer schö­nen Säure aus­ge­stat­tet, die ihnen durch­aus Glanz und Ele­ganz ver­leiht. Ins­ge­samt sind sie sehr viel homo­ge­ner als die 2012er. Wirk­lich große Weine sind aller­dings sel­ten darunter.

Die ein­fa­chen 2013er Annata-Weine (d.h. jun­ger Chi­anti Clas­sico, der bereits nach einem Jahr frei­ge­ge­ben wird) habe ich bereits im Juni auf weinkenner.de bespro­chen. Jetzt fol­gen die Riserva-Weine und die Gran Sele­zione die­ses Jahr­gangs, soweit sie im Februar 2016, dem Zeit­punkt mei­ner Ver­kos­tun­gen, bereits auf dem Markt waren. Zuge­ge­ben, es war nur eine kleine Vor­hut, die sich traute. Wich­tige Pro­du­zen­ten wie Fel­sina, Fon­todi, Badia a Col­ti­buono, Pog­gio Sca­lette, Rocca di Mon­te­grossi, Bran­caia, Capan­nelle, Cas­tello di Volpaia (mit sei­nem Col­tass­ala), Vec­chie Terre di Mon­te­fili, Nit­tardi, Quer­cia­bella fehl­ten noch. Einige sind inzwi­schen da, andere wer­den erst nächs­tes Jahr kommen.

Die Gran Sele­zione pen­delt sich zwi­schen 30 und 40 Euro ein

Weinlandschaft im Chianti Classico

Wein­land­schaft im Chi­anti Classico

Auch von der 2013er Gran Sele­zione  waren im Früh­jahr erst wenige Exem­plare auf dem Markt. Die weni­gen aber mach­ten deut­lich, dass die Kühle nicht ver­hin­dert hat, dass große, ja majes­tä­ti­sche Sangiovese-Weine ent­stan­den sind.  Und weil wir gerade bei der Gran Sele­zione sind: Ich habe auch die Nach­züg­ler von 2012 pro­bie­ren kön­nen. Auch da gibt es beein­dru­ckende Weine, wobei sich der Preis der­zeit zwi­schen 30 und 40 Euro ein­pen­delt – von weni­gen Aus­nah­men abge­se­hen. Ich bin gespannt, ob diese Chi­anti Clas­sico auf dem Markt Erfolg haben wer­den. Viele Gran Selezione-Weine ent­spre­chen der bis­he­ri­gen Riserva. Bei­spiel Pog­gio al Sole. Die Riserva Casa­si­lia ist jetzt Gran Sele­zione. Der Wein ist der glei­che, der Preis unge­fähr auch.

Ein Pro­du­zent nutzt übri­gens die Kate­go­rie ziem­lich scham­los aus: Ruf­fino. Wie die­ser Erzeu­ger 380.000 Fla­schen eines Weins abfül­len kann, der eine Lagen­prä­gung haben soll, bleibt rät­sel­haft. Ich habe Ruf­fi­nos Gran Sele­zione nicht pro­biert, weil das tra­di­ti­ons­rei­che, inzwi­schen aber an einen ame­ri­ka­ni­schen Inves­tor ver­kaufte Haus erst mit dem 2011er auf dem Markt ist. Immer­hin muss seine Gran Sele­zione die strenge Prü­fungs­kom­mis­sion über­zeugt haben.

Chi­anti Clas­sico Riserva 2013
Chi­anti Clas­sico Gran Sele­zione 2013
Chi­anti Clas­sico Gan Sele­zione 2012



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