Artikelbild Chianti Classico

Chianti Classico 2014 und 2013: Jagt den Schwarzen Hahn!

Der Chianti Clas­sico, einst Lieb­ling der Toskana-Fans, hat in den letzten Jahren Markt­an­teile in Deutsch­land verloren. Schade, findet Jens Priewe. Er hat 101 Weine aus der angeb­lich so schwie­rigen Sangiovese-Traube probiert und sagt: Nie war er so gut wie heute.

Der Chianti Clas­sico, einst Lieb­ling der Toskana-Fans, hat in den letzten Jahren Markt­an­teile in Deutsch­land verloren. Schade, findet Jens Priewe. Er hat 101 Weine aus der angeb­lich so schwie­rigen Sangiovese-Traube probiert und sagt: Nie war er so gut wie heute.

Logo des Chianti Classico
Logo des Chianti Clas­sico

Jedes Jahr im Februar kommen Hunderte von Wein­jour­na­listen nach Florenz, um die neuen Jahr­gänge des Chianti Clas­sico zu verkosten, des Weins mit dem Schwarzen Hahn. Diesmal fange ich mit den Annata-Weinen des Chianti Clas­sico an. Das ist der „normale“ Chianti Clas­sico, der soge­nannte Alltags­wein. Er darf von Gesetz wegen bereits nach einem Jahr in den Handel kommen. Er macht durch­schnitt­lich 66 Prozent der Chianti-Classico-Produktion aus. Die anspruchs­vol­lere und lang­le­bi­gere Riserva hat nur 30 Prozent, die neu geschaf­fene Gran Sele­zione einen 4-Prozent-Anteil am Gesamt­ku­chen.

„Ehrlicher“ Chianti Classico? Was ist das?

Einige Internet-Blogger nennen die Annata den „ehrli­chen“ Chianti Clas­sico, weil er in der Regel schnör­kellos daher­kommt und ohne Firle­fans auskommt. Für mich ist „ehrlich“ eine blöd­sin­nige Vokabel. Erstens ist die Annata keines­wegs immer schnör­kellos. Zwei­tens klingt „ehrlich“ nach Bauern­wein, was eine Annata sicher­lich nicht ist. Sie ist ein anspruchs­voller Wein. Drit­tens kann eine gute Annata durchaus 18 Euro und mehr kosten, ein Preis, bei dem anspruchs­arme Rotwein­trinker sich schon über den Tisch gezogen fühlen. Und vier­tens müssten, wenn man die unsin­nige Vokabel schon benutzt, die nächst­hö­heren Quali­täts­stufen, also Riserva und Gran Sele­zione, „unehr­lich“ sein. Was Quatsch ist.

Sehr gut balancierte 2013er

Toskanische Landschaft
Toska­ni­sche Land­schaft

Schluss mit der Rabu­listik. Ich habe 101 Chianti Clas­sico verkostet, den größten Teil vom Jahr­gangs 2013, einen klei­neren Teil vom Jahr­gang 2014. 2013 war ein über­durch­schnitt­lich gutes, aber kein großes Jahr. Bis Ende Juni war es kühl und regne­risch, dann setzte die Hitze ein. Die Tempe­ra­turen waren aber nie so hoch, dass die Reben unter Wasser­stress litten. Der September war mild mit den erwünschten Tempe­ra­tur­un­ter­schieden zwischen Tag und Nacht. Die Lese konnte in Ruhe und ohne große Probleme durch­ge­führt werden. Resultat: balan­cierte Weine mit ausdrucks­voller Frucht, reifem Tannin und feiner Säure.

Katastrophenjahrgang  2014?

Weinberg im Chianti Classico
Wein­berg im Chianti Clas­sico

Ganz anders 2014. „Der schwie­rigste Jahr­gang seit langem“ schreibt das Consorzio Chianti Clas­sico, die Schutz­ver­ei­ni­gung der Winzer. Regen bis weit in den August hinein, hoher Schäd­lings­druck, wenig Sonne. Erst im September begann sich das Blatt zu wenden. Die Trauben, die noch nicht dem Schimmel oder den Schäd­lingen zum Opfer gefallen waren, reiften langsam aus. Gute Winzer konnten Mitte Oktober gesunde Sangiovese-Trauben einbringen. Zwar sind die Weine etwas schlanker als normal (0,5 Vol.% weniger Alkohol), aber sauber, ausdrucks­voll und mit leicht erhöhter Säure.

Die ersten 2014er sind – eine Überraschung!

Das Über­ra­schendste für mich: die 2014er, die jetzt schon frei­ge­geben sind, waren absolut auf Augen­höhe mit den Vorgän­gern, einige sogar besser! Mit dieser Meinung stand ich nicht allein da. Erfah­rene Kollegen, mit denen ich sprach, hatten denselben Eindruck. Aller­dings muss hinzu­ge­fügt werden, dass die 2014er, die wir verkosten konnten, fast ausnahmslos von renom­mierten Wein­gü­tern stammten.

Viele Annata-Weine sind kleine Riserve

Rotwein Chianti Classico
Rotwein Chianti Clas­sico

Eine Anmer­kung zu den Verkostungs-Ergebnissen: Viele Chianti Clas­sico der Annata-Kategorie sind in Wirk­lich­keit kleine Riserve – was sie eigent­lich nicht sein sollten. Für einen Jahr­gangs­wein sind sie viel zu struk­tu­riert. Solche Weine bekommen bei Verkos­tungen fast zwangs­läufig eine höhere Punkt­zahl, weil sie wertiger sind. Aber sie entspre­chen nicht unbe­dingt dem, was ein Annata-Käufer erwartet. Deshalb sage ich ganz deut­lich: die 87- und 88-Punkte-Weine sind nach meinem Verständnis „echte“ Annata-Weine.


2013 Chianti Clas­sico  89-91 Punkte
2013 Chianti Clas­sico  88 Punkte
2013 Chianti Clas­sico  87 Punkte
2013 Chianti Clas­sico  85-86 Punkte
2014 Chianti Clas­sico


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