2015 war für Weininvestoren ein Flop

Jan 182016

Der Fine Wine Index Liv-Ex 100, der wich­tigste Indi­ka­tor für den inter­na­tio­na­len Wein­markt, ist Ende 2015 nahezu unver­än­dert aus dem Markt gegan­gen. Damit hat sich der Wert der wich­tigs­ten Anleger-Weine in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten nicht ver­än­dert. In den Büchern des in Lon­don ange­sie­del­ten Markt­mo­ni­tors, der alle Käufe und Ver­käufe der welt­weit gesuch­tes­ten 100 Weine samt der erziel­ten Preise erfasst und aus­wer­tet, steht ein Minus von 0,1 Pro­zent. Damit hat der Index seit sei­nem Höchst­stand im Juli 2011 rund 24,3 Pro­zent verloren.

Ursa­che für den Fall sind vor allem die schwa­chen Jahr­gänge 2011, 2012 und 2013 in Bor­deaux, die den Index nach unten gezo­gen haben. Der Liv-Ex ist näm­lich stark Bordeaux-lastig. Die sich abschwä­chende Nach­frage aus Asien hat eben­falls zu dem nega­ti­ven Ergeb­nis beige­tra­gen. Bör­sen­in­di­ces wie DAX, Dow Jones und Nas­daq 100 wei­sen für 2015 jeden­falls eine wesent­lich bes­sere Per­for­mance auf.

Wer aller­dings den Liv-Ex 100 genauer unter die Lupe nimmt, stellt fest, dass es in 2015 nicht nur Ver­lie­rer gab. Ein­zelne Weine haben einen beacht­li­chen Wert­zu­wachs erfah­ren. An ers­ter Stelle der 2005er Châ­teau Angé­lus, des­sen Preis um knapp 40 Pro­zent gestie­gen ist. Das Châ­teau hatte bei der letz­ten Re-Klassifikation in St. Emi­lion den Sta­tus eines Grand Cru Classé „A“ erhal­ten. Die 2010er Châteauneuf-du-Pape Réserve der Domaine Pégau (37,2%), der 2006er Opus One (35,9%), der 2010 Clos de Tart der Domaine Mom­me­sin (34,4%) sowie Luciano San­do­nes 2007er Barolo „Tre Vigne“ (34,1%) und Antin­o­ris 2004er Tigna­nello (33,2%) haben eben­falls über­pro­por­tio­nal zugelegt.

Mit Blick auf wei­tere Liv-Ex-Indices lässt sich sagen, dass der Nim­bus von Bor­deaux tat­säch­lich zu brö­ckeln beginnt – trotz des Höhen­flugs von L’Angélus. Vom Rück­gang der Markt­an­teile Bor­deaux’ pro­fi­tie­ren vor allen drei andere Wein­re­gio­nen: Cham­pa­gne, Ita­lien, Bur­gund (wobei letzte Schwie­rig­kei­ten hat, das der­zeit extrem hohe Preis­ni­veau zu halten).

Hinzu kommt, dass Wein­trin­ker zuneh­mend preis­be­wuss­ter wer­den. Statt super­teu­rer Bor­deaux nimmt die Nach­frage nach guten Baro­los und tos­ka­ni­schen Spit­zen­wei­nen zu. Mit den bes­ten Caber­net Sau­vi­gnons aus Kali­for­nien wach­sen eben­falls ernst zu neh­mende Riva­len für die Top-Bordeaux heran. Auch  hoch­klas­sige Port­weine sind zuneh­mend gefragt.

Inner­halb der ver­schie­de­nen Appel­la­tio­nen von Bor­deaux scheint es auch Umschich­tun­gen zu geben. Die wich­tigste: Pessac-Léognan läuft Pau­il­lac in den letz­ten Jah­ren den Rang ab. Haut-Brion, La Mis­sion Haut-Brion und Haut-Bailly haben in der Gunst der Kon­su­men­ten jeden­falls stark zuge­nom­men. Mit dem vor­schnel­len „Bye bye Bor­deaux“, wie es das eng­li­sche Fach­ma­ga­zin Drinks Busi­ness unlängst aus­sprach, sollte man daher vor­sich­tig sein.


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